Baden-Württemberg

Das Impfen im Land läuft weiterhin nicht reibungslos

Sebastian Kaiser

Von Sebastian Kaiser

Di, 02. März 2021 um 11:24 Uhr

Südwest

Mehr Menschen im Südwesten sind jetzt impfberechtigt. Doch bei der Vergabe von Impfterminen über 116117 und das Onlineportal gibt es weiter Probleme. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Baden-Württemberg hat den Kreis der Impfberechtigten ausgeweitet. Impftermine werden über eine zentrale Impfhotline und im Internet vergeben. Das klappt nicht immer reibungslos. Auch für Lehrerinnen und Lehrer über 64 ist noch keine konkrete Lösung in Sicht. Fragen und Antworten.

Wie werden Impftermine vergeben?

In Baden-Württemberg sind seit vergangener Woche alle Menschen über 80 und dazu alle von 18 bis 64 Jahren aus den Stufen eins bis drei der Priorisierung der Ständigen Impfkommission impfberechtigt. Termine können entweder über die zentrale Onlineplattform des Bundes oder unter Telefon 116117 gebucht werden. In Baden-Württemberg seien derzeit 500 Vollzeitkräfte für die Terminvergabe an der Hotline sowie circa 350 Beschäftigte bei der vorgeschalteten Hotline des Bundes beschäftigt, heißt es aus dem Landessozialministerium. Der vom Land beauftragte Dienstleister, der das Callcenter betreibt, informiert und schult auch die Mitarbeiter für die Beratungsgespräche.

Was hakt bei der Terminvergabe?

In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Berichte darüber, dass über die Impfhotline falsche Informationen weitergegeben wurden. Betroffene berichteten, zu Unrecht als nicht impfberechtigt eingestuft worden zu sein. Solche Fälle seien "sehr bedauerlich", erklärte hierzu das Landessozialministerium am Montag auf Anfrage der Badischen Zeitung. Man gehe aber davon aus, dass es sich um Einzelfälle und kein größeres Phänomen handle. In den ersten Tagen nach einer Neuregelung könne es durchaus passieren, "dass noch nicht jeder Einzelne ausreichend geschult wurde und deshalb vielleicht noch nicht die richtige Antwort parat hat", sagte ein Sprecher. Die entsprechenden Hinweise seien direkt an das Callcenter weitergegeben worden mit der Bitte, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den genannten Fragestellungen zu informieren.

Umgekehrt gibt es aber auch Fälle, in denen Impfwillige Angaben bei der Onlineterminvergabe falsch ausfüllen und deshalb fälschlicherweise Impftermine erhalten. Solche Irrtümer werden erst bei der Überprüfung im Impfzentrum vor Ort festgestellt. Die Betroffenen werden dann wieder weggeschickt.

Welche Gruppen suchen derzeit vor allem nach Terminen?

Differenzierte Zahlen liegen dem Sozialministerium hierzu nicht vor. In der vergangenen Woche hätten sich aber unter anderem zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher um einen Impftermin bemüht. In der Statistik lasse sich nur der Grund für die Impfberechtigung ablesen – ob diese also aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe oder aufgrund von Vorerkrankungen erfolgt ist. Weiter werde nicht differenziert. Die Termine, die derzeit verfügbar seien, würden schnell weggebucht. Das Sozialministerium weist darauf hin, dass über die Telefon-Hotline zeitweise kein Durchkommen sei. "In diesem Fall bitten wir darum, Geduld zu haben und es später oder in den kommenden Tagen noch einmal zu probieren", so ein Ministeriumssprecher.

Gelten für Lehrer Sonderregeln, die älter als 64 Jahre alt sind?

Lehrer gehören zum Kreis der Impfberechtigten. Sind sie älter als 64, können sie aber nicht geimpft werden, weil der Impfstoff von Astrazeneca für diese Altersgruppe nicht zugelassen ist und die Impfstoffe von Moderna und Biontech für Risikogruppe eins vorgesehen sind. Das Kultusministerium verweist darauf, dass Schulen vor Ort regeln könnten, inwieweit ältere Lehrerinnen und Lehrer daher im Präsenzunterricht eingesetzt würden. Man gehe davon aus, dass für sie bald ein Impfangebot bestehe. Verbindliche Sonderregeln – beispielsweise eine Entbindung vom Präsenzunterricht – seien für ältere Lehrer hingegen nicht vorgesehen, so eine Sprecherin des Kultusministeriums: "Eine Ungleichbehandlung von Lehrkräften unterschiedlichen Alters wäre nicht vermittelbar."

Wann ist mit einer Freigabe von Astrazeneca für Menschen über 64 Jahren zur rechnen?

Das Sozialministerium rechnet damit, dass die entsprechende Prüfung durch die Ständige Impfkommission (Stiko) zeitnah abgeschlossen sein wird. Das Robert-Koch-Institut erklärte hierzu am Montag auf Anfrage, man könne nur bestätigen, dass eine Anpassung der Impfempfehlung durch die Stiko geprüft werde. Über den benötigten Zeitraum könne keine Angaben gemacht werden.
Unter impfen-bw.de findet sich im Internet eine genaue Übersicht zu den impfberechtigten Gruppen.

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