Das Leben als Versuchsanordnung

Nikolaus Cybinski

Von Nikolaus Cybinski

So, 24. März 2019

Theater

Der Sonntag Die Spielbühne mit Frischs Biografie: Ein Spiel.

Die Spielbühne Schopfheim hat mit Max Frischs "Biografie: Ein Spiel" bei der Premiere am Freitagabend in der Heubühne auf dem Bruetschi-Hof in Enkenstein überzeugt.

Können wir unser Leben tatsächlich grundlegend revidieren? Ist es denkbar, einmal Geschehenes zu erinnern und dann neu zu gestalten? Max Frisch thematisiert diese Fragen in seinem 1967 entstandenen Theaterstück und zeigt am Beispiel des Verhaltensforschers Hannes Kürmann und seiner Ehefrau Antoinette, geb. Stein, wohin es führt, wenn das gelebte Leben noch einmal gelebt werden soll. Frisch zitiert in seinem Vorwort Anton Tschechow und lässt Werschinin aus dessen "Drei Schwestern" sagen: "Wie, wenn das eine Leben, das man schon durchlebt hat, sozusagen ein erster Entwurf war, zu dem das zweite die Reinschrift bilden wird. Ein jeder von uns würde dann . . . bemüht sein, sich nicht selber zu wiederholen."

Kann das gelingen? Am Freitag zeigten Gerhard Abt (Prof. Hannes Kürmann) und Gabriele Steffler (Antoinette), dass das ein gewagtes und zugleich komisch-groteskes Unterfangen ist. Beratende Helfer der beiden waren Marianne Tittel, Magda Brase, Boris Heilscher und Hermann Tittel, die als "Spielleiter" immer wieder ins Geschehen der beiden eingriffen und es korrigierten, wo die sich verrannten.

Hauptperson ist der Verhaltensforscher Hannes Kürmann, dessen Name bereits verräterisch ist, denn eine Wahl (Kür) hat er letztlich nicht. Seine zerrüttete Ehe mit Antoinette bleibt, was sie in den sieben Jahren ihres Zusammenlebens immer war: ein Missverständnis. Daran können auch die Rückblenden in sein Leben, bis in seine Kindheit, nichts ändern. Kürmann weiß, dass er "aus seiner Haut" nicht rauskommt.

Max Frisch sagt: "Leben ist geschichtlich, in jedem Augenblick definitiv, es duldet keine Variante. Das Spiel gestattet sie." Es ist dieser letzte Satz, der die eineinhalb Stunden in der Heubühne am Freitagabend so unterhaltsam machte. Zum einen dank der Regie Wolfgang Künzels, die das genau angemessene Tempo für das turbulente Treiben findet, und zum andern dank des erstaunlich professionellen Spiels der Schauspieler. Alles stimmt zueinander: ihre Körpersprache, ihre Bewegungen auf der kleinen Bühne, ihre Mimik, ihr Sprechen (wenn gelegentlich auch arg laut) und ihre bis zur Schlussszene nicht nachlassende hohe Konzentration.

Hat Spaß gemacht, sie zu erleben! Zu erwähnen sind noch Wolfgang Künzel, Jochen Graf und Cornelia Claas, die die Bühne mit Hockern möblierten, die an Schachfiguren (für die Bauern gibt es kein Zurück, für die Dame schon) erinnerten. Die Licht-und Tontechnik besorgte Jochen Gräf. Langer Schlussbeifall für einen rundum geglückten Theaterabend.
Nikolaus Cybinski
Biografie: EIn Spiel von Max Frsich. Spielbühne Schopfheim, Heubühne auf dem Bruetschi-Hof in Schopfheim-Enkenstein. Weitere Termine: 24., 29., 30. und 31. März sowie 3., 5., 6. und 7. April jeweils 20 Uhr. Karten 16, ermäßigt 10 Euro bei der Regio-Buchhandlung Schopfheim, Telefon 07622/668000.