Ökosystem für Schmetterlinge bereits gekippt

epd

Von epd

Fr, 18. Oktober 2019

Südwest

Artensterben fortgeschritten.

KARLSRUHE (epd). Der flächendeckende Rückgang von Schmetterlingen in Baden-Württemberg könnte nach einer Studie eines europäischen Wissenschaftlerteams auf ein für ihre Lebensbedürfnisse bereits gekipptes Ökosystem zurückzuführen sein. Nach einer Mitteilung des Naturkundemuseums Karlsruhe, das in dem Forschungsprojekt beteiligt ist, könnte dies in Baden-Württemberg bereits vor etwa 20 Jahren passiert sein. Die Artenvielfalt bei Schmetterlingen befinde sich seitdem "in freiem Fall". Sie verweisen dazu auf die von ihnen erstellte erste flächendeckende Langzeitstudie, die Daten über die tagaktiven Schmetterlinge in Südwestdeutschland bis zurück in das 18. Jahrhundert nutzt.

Sowohl die Zahl der Individuen wie auch der unterschiedlichen Schmetterlingsarten sei deutlich gesunken. Das sei ein Trend, "der auch vor Naturschutzgebieten und extensiv genutzten Flächen nicht haltmacht". Die Forscher warnen: "Dies sollte äußerst nachdenklich und besorgt stimmen, da sich offensichtlich die Landschaft in einer so schlechten allgemeinen Verfassung befindet, dass überregional Populationen verschwinden."

Die Wissenschaftler fordern unter anderem ein Messprogramm für Insektizide, aber auch den verstärkten Schutz von Magerrasen, Feuchtwiesen und Mooren. Grundsätzlich müssten die Lebensräume der Schmetterlinge stärker vor "atmosphärischer Düngung" durch Ammoniak und Stickoxide und vor dem Eintrag schädlicher Stoffe geschützt werden. Zudem litten standorttreue Arten unter der voranschreitenden Verinselung ihrer Lebensräume. Zwar seien von 163 untersuchten Schmetterlingsarten bisher nur sechs komplett verschollen, doch viele andere Arten überlebten in nur wenigen und dazu sehr kleinen und isolierten Populationen in besonders geschützten Gebieten. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch sie verschwinden.