Das Publikum im Bann

Gert Brichta

Von Gert Brichta

Mi, 27. November 2019

Titisee-Neustadt

Kathinka Marcks beim Förderkreis Kreatives Eisenbach.

EISENBACH. Ein begeistertes Echo erfuhr Kathinka Marcks aus Freiburg bei ihrer Lesung beim Förderkreis Kreatives Eisenbach in Bubenbach. Sie ist eine Erzählerin im wahrsten Sinn des Worts, ihre Geschichten liest sie nicht aus einem Buch, einem Manuskript oder von einem Blatt, sie trägt sie frei vor und vereint die Kunst des Erzählens mit Körpersprache, Mimik und Gestik. Schon als Kind, so erfährt man, habe sie leidenschaftlich gerne zugehört, wenn andere erzählten, vor allem ihre Großmutter. Es habe aber gedauert, bis sie für sich entdeckte, selbst zur Erzählerin werden zu wollen, und zwar während ihres Studiums auf der Insel La Réunion. Ob deutsch, englisch oder französisch, sie beherrscht ihr Metier. In Bubenbach wählte sie das Thema Tod. Mit Hingabe lauschte das Publikum, als sie von einem jungen Mann erzählte, der dem Tod nicht begegnen wollte und von Jedermann wissen wollte, "wo ist das Land, wo man nicht sterben muss?". Er reiste von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, durchquerte Länder, bis er in ein Haus kam, in dem ihm versprochen wurde, hier niemals sterben zu müssen. Er bekam ein weißes Pferd und den Rat, niemals den Boden zu betreten. Eines Tages traf er an einem Fluss auf einen alten Mann in einer misslichen Situation, der ihn um Hilfe bat. Der junge Mann stieg vom Pferd – und der alte Mann sagte: "Nun habe ich dich doch!"

Kathinka Marcks hätte mehr als nur 14 Zuhörer verdient gehabt.