Ein Kraftakt, der sich gelohnt hat

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Di, 22. Oktober 2019

Lahr

Der Abschlussbericht zur Landesgartenschau wird im Gemeinderat positiv aufgenommen – nur Lukas Oßwald übt Kritik.

LAHR. Die Landesgartenschau hat viel Geld gekostet, aber das Geld ist gut angelegt. So sehen es die meisten Lahrer Stadträte. Am Montagabend ist im Rathaus der vorläufige Schlussbericht vorgestellt worden. Kritische Worte gab es wie gewohnt nur von Linken-Stadtrat Lukas Oßwald. Zustimmung gab es anschließend für den Jahresabschluss 2018 der Landesgartenschau GmbH.

61 Millionen Euro für Investitionen auf dem Areal, 7,5 Millionen Euro für die Ausrichtung der Schau, elf Millionen Euro Fördergelder, keine sätdtische Neuverschuldung. So lautet die finanzielle Bilanz der Landesgartenschau (die BZ hat berichtet). Bei den Besuchern blieb sie unter den Erwartungen. Das ist der Hauptgrund, dass sich der städtische Zuschuss für die Ausrichtung von fünf auf 7,5 Millionen erhöht hat. Erhöht haben sich im Lauf der Jahre auch die Investitionen in Parks und Neubauten wie Sporthalle, Kita und Haus am See. 2014 hatte der Gemeinderat noch einen Kostenplan in Höhe von 43 Millionen Euro beschlossen. Dabei ist es längst nicht geblieben. Die große Mehrheit ist sich dennoch einig: Der Kraftakt hat sich gelohnt – und die Stadt kann ihn sich leisten.

"Die Landesgartenschau war ein großer Erfolg mit großen Nachwirkungen", sagt Annerose Deusch (Freie Wähler). Sie meint das positiv: "Das Gelände wird sehr gut angenommen." Die Mehrkosten seien stets kommuniziert worden. Dass nun noch einmal 1,2 Millionen Euro obendrauf kommen, trübe die positive Bilanz nicht.

"2014 hätten wir längst nicht gedacht, dass wir alles ohne Neuverschuldung stemmen können", bilanziert Sven Täubert (Grüne). Mit der konjunkturellen Entwicklung habe man einerseits Glück gehabt, andererseits habe sie (zusammen mit dem Zeitdruck) für Mehrkosten bei den Bauprojekten gesorgt. Die Schau hätte mehr Zuschauer verdient gehabt, findet Täubert. "Wir haben es nicht geschafft, die Elsässer zu erreichen." Wichtig sei aber, dass das Gelände jetzt angenommen werde.

Roland Hirsch (SPD) spricht von einem "Musterbeispiel für Stadtentwicklung, Sozialarbeit und Naherholung". Er ist sicher: "Der Stadt hätte nichts Besseres passieren können." Nicht umsonst habe sich auch Offenburg um die LGS beworben. Die Schau habe dazu beigetragen, die Identifikation mit der Stadt zu fördern. "Das lässt sich nicht mit Geld aufwiegen." Die 60 Millionen – wenn auch deutlich mehr als geplant – hätten der Stadt einen riesigen Mehrwert gebracht.

"Wir haben die Landesgartenschau immer als Stadtentwicklungsprogramm gesehen", sagt Ilona Rompel (CDU). Angesichts der Neubauten, der Parkanlagen und der Investitionen in begleitende Projekte wie Bahnhof oder Kanadaring könne man die fehlenden Besucher verkraften – zumal die Konjunktur der Stadt in die Karten gespielt habe.

Auch Manfred Himmelsbach (AfD) lobt den Schlussbericht: "Man klopft sich nicht nur auf die Schulter, sondern spricht auch Probleme an." So frage er sich, wie es mit dem See weitergeht. Zum Jahresabschluss 2018 der LGS GmbH fand er weniger lobende Worte und enthielt sich als einziger seiner Stimme. Himmelsbach hätte sich genauere Aussagen zu Umsatzerlösen und Verlusten gewünscht.

"Ohne die Landesgartenschau wären wir vieles nicht angegangen, allein schon deswegen hat es sich gelohnt", findet Jörg Uffelmann (FDP). Mit dem Seepark sei ein neues Naherholungsgebiet im Lahrer Westen entstanden. Die Mehrkosten könne die Stadt stemmen, ist Uffelmann sicher.

Einzig Lukas Oßwald (Linke Liste Lahr & Tierschutzpartei), der das Projekt schon früh kritisiert hatte, findet keine lobenden Worte. "Die LGS ist wesentlich teurer geworden, die Sporthalle ist das Paradebeispiel", sagt er. Vor allem die Planung für den Seepark ist ihm ein Dorn im Auge. "Da wurden jahrelang Risiken verschwiegen und Tatsachen vorenthalten." Mit Blick auf den Untergrund stelle sich nun die Frage, ob der See überhaupt erhalten werden kann. Derzeit läuft ein Beweissicherungsverfahren, um Ursache und Verursacher zu bestimmen. Aus Oßwalds Sicht waren die Investitionen in die Schau zu hoch. "Das Projekt war und ist eine Nummer zu groß."

Für Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller, der am Montag seine letzte Gemeinderatssitzung leitete, ist indes klar: "Wir können mit Genugtuung zurückschauen." Die Stadt habe das Projekt ohne Neuverschuldung gestemmt. Sein Fazit: "Wir hinterlassen keine Bürde, sondern ein Guthaben." Und eine Stadt, die sich dynamisch und positiv entwickelt hat – gerade auch durch die Gartenschau.