Das Versprechen einer Pool-Party bringt den Wahlsieg

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Do, 09. September 2021

Offenburg

Im 27. Jahr findet das Sozialexperiment "Kleine Stadt" für Grundschulkinder des Stadtteil- und Familienzentrums Albersbösch statt.

. In der "Kleinen Stadt" wurde am Mittwoch der siebenjährige Raphael Renel zum Bürgermeister gewählt. Die quirlige Spiel-, Spaß- und Arbeitswoche für Kinder wurde bereits zum mindestens 27. Mal in der letzten Ferienwoche vom Stadtteil-und Familienzentrums Albersbösch (SFZ) veranstaltet.

Noch bis Donnerstag können Kinder bei der "Kleinen Stadt" auf dem Gelände der Heilig-Geist-Pfarrei wieder lernen, wie ein Gemeinwesen funktioniert. Schuhe wurden schon selber gebastelt, Pizzaschnecken gebacken und lebendige Bilderrahmen hergestellt, außerdem wurden Arbeiten vergeben, die in der Stadt anfallen. Mit einem lautstarken Gruß eröffnete Veronique Noel vom SFZ mit einer Bürgerversammlung den dritten Tag der Aktionswoche. Erwachsenen-Bürgermeister Hans-Peter Kopp war persönlich gekommen, um das Wahlergebnis zu verkünden und seinem jungen Bürgermeisterkollegen die Medaille zu überreichen. Sechs Kandidatinnen und ein Kandidat aus dem Gemeinderat der kleinen Stadt hatten sich zur Wahl gestellt, Raphael Renel wurde mit 20 von 54 Stimmen zum Stadtoberhaupt gewählt. Einen dermaßen weiblich dominierten Gemeinderat habe man bei der Stadt noch nicht hinbekommen, witzelte Kopp und gratulierte den Kandidatinnen und Kandidaten für ihren Mut, sich aufstellen zu lassen.

Der neugewählte Bürgermeister nahm den Vertrauensbeweis stolz entgegen und ließ durch seine "Pressesprecherin" Veronique Noel verkünden, er freue sich sehr. Die Gunst des Wahlvolks hatte er nach seiner Meinung seinem Vorschlag zu verdanken, im nächsten Jahr eine Pool Party zu veranstalten. Bis Donnerstag wird er zusammen mit dem Gemeinderat Entscheidungen für die in "Wichernstädtler und Heimburger" unterteilte Kinderstadt treffen und das Event für den letzten Tag der Woche mit planen.

Täglich von 10 bis 17 Uhr sind die Kinder auf dem Gelände der Heilig Geist Pfarrei aktiv. Rund 20 erwachsene Haupt- und Ehrenamtliche unterstützen die Kinder dabei, die Kinderstadt am Laufen zu halten. Statt der sonst bis zu 300 Teilnehmenden haben die Coronabestimmungen nur 60 erlaubt, sie mussten getestet sein.

Beim "Arbeitsamt" lassen sie sich einen Job geben. Ihren Lohn können sie sich mit ihrer Arbeitskarte bei der Bank abholen und damit im Kiosk oder in der Bäckerei einkaufen, im Spielkasino oder beim Lotto zocken. In Werkstätten wird gebastelt. "Das Prinzip ist, Verantwortung zu übernehmen und das echte Leben einer demokratischen Gesellschaft einer Stadt zu gestalten und zu erleben", so Barbara Klement, Leiterin des SFZ Albersbösch. Dazu gehören auch Dinge, die einfach gemacht werden müssen, wie beispielsweise die Müllabfuhr. Auch wie man mit Geld haushaltet, kann eingeübt werden. Gerald Greschel von der Gemeinwesenarbeit des SFZ erwähnt einen weiteren pädagogischen Faktor: "Wir wollen vermitteln, dass man auch aus alten Dingen schöne Sachen machen kann", deshalb sei vieles, aus recyceltem Material. Barbara Klement dankte der Kirchengemeinde Heilig Geist. Unterstützung geben auch die Sparkasse und die Firma "Kinderland". Hauptsponsor ist das E-Werk Mittelbaden.