Rück- und Ausblick

Das waren die Themen des Neujahrsempfang in Gottenheim

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Fr, 10. Januar 2020 um 08:27 Uhr

Gottenheim

Rund 120 Gäste kamen zum Neujahrsempfang der Gemeinde Gottenheim. Bürgermeister Christian Riesterer blickt zurück auf 2019 – und sparte nicht mit Kritik.

Einen umfassenden Blick auf das politische Geschehen gab Gottenheims Bürgermeister Christian Riesterer am Dienstagabend in seiner gut 90-minütigen Ansprache beim Neujahrsempfang. Er sparte dabei auch nicht mit Kritik, etwa an der Bahn, und formulierte klare Ziele für die Zukunft.

Das Ambiente
Mit rund 120 Gästen, unter ihnen die SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Rolland und der neue katholische Pfarrer Christian Heß, war die kleine Festhalle gut gefüllt. An den Wänden hatte die Verwaltung Bilder vom Geschehen im Jahr 2019 aufgehängt. Die Landfrauen und der Heimat- und Trachtenverein sorgten für die Bewirtung. Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom im Herbst 2018 neu gegründeten Frauenchor unter Leitung von Cecile Couron. Die Trachtenträger Christa und Willi Rambach trugen Gedichte der 2019 mit 94 Jahren verstorbenen Heimatdichterin Martha Schmidle vor.

Das Radwegenetz
Mit dem ihm sehr am Herzen liegenden Radwegenetz begann der Bürgermeister seinen Rückblick. Nach Kritik am schleppenden Fortgang des Radwegbaus nach Umkirch habe er schon wenige Tage nach dem Neujahrsempfang 2019 vom Regierungspräsidium die Rückmeldung bekommen, dass der Umbau der Straße aktuell geplant werde. In diesem Jahr solle nun die Abtrennung des Radstreifens von der Fahrbahn erfolgen. Riesterer hofft, dass der Weg auch beleuchtet werden kann. Beim Radweg nach Buchheim laufe derzeit die Planfeststellung, hier könne das mit dem Bau aber noch etwas dauern.

Die Themen
Positiv fürs Dorf sei weiterhin der Wochenmarkt am Dienstag auf dem Rathausplatz. Doch so einen Treffpunkt, betonte Riesterer, könne man nur erhalten, wenn die Einwohner dort auch einkauften. Stolz zeigte er sich über das Engagement der Vereine und Bürgergruppen, ein positives Beispiel sei die neu gegründete Klimaschutzgruppe, die bald eine Photovoltaikanlage auf dem Kindergartendach realisieren werde. Lob gab es auch für den neuen Frauenchor sowie für das Landmädchen-Projekt der Landfrauen. Man müsse als Verein auch mal Neues wagen, meinte Riesterer, der dazu aufrief, sich im Dorf zu engagieren. Wesentlich war 2019 nach Ansicht Riesterers auch die Bautätigkeit, so konnte unter anderem der neue Kindergarten fertiggestellt werden. Der Bürgermeister lobte auch die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde mit ihren gut gehenden Familienbetrieben. Positives konnte er auch von der Kinderbetreuung und vom Engagement des Flüchtlingshelferkreises berichten. 60 geflüchtete Menschen lebten im Dorf.

Die Kritik
"Der Start der neuen Breisgau-S-Bahn war chaotisch und ist es bis heute, das geht so nicht", sagte ein sichtlich verärgerter Bürgermeister. "Auch am heutigen Morgen standen wieder hunderte Pendler am Bahnhof und wussten nicht, was wann wohin fährt. Da muss was getan werden, und ich hoffe, dass hier auch die Politik Druck ausübt."

Der Ausblick und die Ziele
Als anstehende Projekte nannte Riesterer unter anderem die Bebauung der Bahnhofachse und des alten Kindergartengeländes, wo neben Angeboten für Senioren auch bezahlbarer Wohnraum entstehen soll. "Heute haben Sie kaum eine Chance, in Gottenheim eine Mietwohnung zu bekommen. Der Bedarf ist immens. Und trotzdem gibt es auch viel Leerstand im Dorf." Für Kritik und Bedenken an den Bauvorhaben äußerte er Verständnis, aber nicht, "wenn mir Leute von außerhalb Briefe schreiben, wohin sich Gottenheim entwickeln solle. Das entscheiden wir lieber vor Ort." Als weitere Projekte nannte er den Ausbau des Breitbandnetzes, die Ertüchtigung der Abwasserkanäle, den Hochwasserschutz und das Starkregenmanagement, die Erweiterung des Gewerbegebietes und der Weiterbau der B 31 West, wo sich Gottenheim weiterhin für die eigens entwickelte modifizierte Variante stark machen möchte.

Die Ehrenamtlichen
Bürgermeisterstellvertreter Kurt Hartenbach bedankte sich im Namen des Gemeinderates bei der Verwaltung und den Gemeindemitarbeitern. Die Ratsarbeit mache Spaß, die Nachfragen der neuen Ratsmitglieder sorgten dafür, dass man vieles selber nochmal hinterfrage.

Vereinssprecher Clemens Zeissler wiederum informierte über Veränderungen in den rund 25 Vereinen des Orts, zu denen der Radsportverein nicht mehr gehöre, weil er 2019 formell aufgelöst worden sei. Das Hahleraifest am ersten Septemberwochenende werde erstmals von Freitag bis Sonntag stattfinden; am Sonntag sei dann auch Kreistrachtenfest.