Dear Germany

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Sa, 28. März 2020

Literatur & Vorträge

Das Literaturhaus Freiburg reagiert mit der Zeitschrift "Wurfpost" auf die Coronakrise.

Viele gehen jetzt ins Netz. Das Freiburger Literaturhaus nicht. Das sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Leiter Martin Bruch. Beflügelt wurde sie von der japanischen Schnelldruckmaschine, die das Haus seit seinen Anfängen begleitet. Das Haus an der Bertoldstraße ist geschlossen, die Maschine kann arbeiten. Deshalb hat sich das Team eine Zeitung für Coronazeiten ausgedacht. Eine gedruckte Zeitung, die es nur in dieser Form geben wird – und die man gegen einen Unkostenbeitrag von fünf Euro bestellen kann, auch um die Autoren zu unterstützen, die in Freiburg in diesem und im nächsten Monat nicht lesen können.

Das Literaturhaus hat das aus der Not geborene Produkt flugs zur "Hauszeitung" gemacht und ihm den Namen "Wurfpost" verpasst. So gut wie alle Autorinnen und Autoren, die im März und April zu Gast gewesen wären, haben sich bereit erklärt, einen Beitrag zu leisten –auch um auf diese Weise in Kontakt mit ihren potenziellen Zuhörern zu bleiben, die sich einstweilen mit der Rolle der Leser begnügen müssen. Die Lyriker Marion Poschmann und Alexandru Bulucz, die Anfang der Woche gemeinsam mit ihren neuen Bänden hätten auftreten sollen (BZ vom 23. März), tragen unveröffentlichte Gedichte bei. Auch Henning Ziebritzki, der amtierende Huchel-Preisträger, der seine Auszeichnung erst 2021 in Staufen in Empfang nehmen kann – es kommt wie beim Literaturnobelpreis zur Doppelehrung – steuert einen lyrischen Text bei. Wie jeder Preisträger hätte er am Abend der Preisverleihung in Freiburg gelesen. Poetische Post kommt ebenso von dem in Horb lebenden Walle Sayer, der am morgigen Sonntag gemeinsam mit Jürgen Lodemann und Manuela Fuelle im Rahmen der Reihe "Heimatkunde" einen Auftritt im Literaturhaus gehabt hätte.

Den weitesten Weg legte die Wurfpost von Rebecca Makkai zurück. Statt aus ihrem Roman "Die Optimisten" zu lesen (BZ vom 13. März), hat sie aus Chicago einen Brief an "Dear Germany" adressiert, in dem es um die verschlungenen Lebensläufe ihrer Vorfahren geht. Der französische Autor Eric Vuillard, der aus seinem Essay "Der Krieg der Armen" über den von Luther abgefallenen Theologen, Sozialrevolutionär und Utopisten Thomas Müntzer lesen sollte, blickt von Paris aus auf die vorreformatorische Zeit in Zwickau. Der in Bagdad aufgewachsene Autor Abbas Khider ("Die Ohrfeige"), dessen Freiburger Lesung am 31. März anberaumt war, trägt eine Leseprobe aus seinem neuen Roman "Palast der Miserablen" bei.

Vertreten sind außerdem Jürgen Reuß und Stephan Kuss, die Initiatoren der beliebten Reihe "Art of Being...", deren jüngste Ausgabe ebenfalls der Absage aller Kulturveranstaltungen bis zum 19. April zum Opfer gefallen ist. Auch die Kinder- und Jugendbuchautorin Dita Zipfel, die ihr jüngstes Buch mit dem rasanten Titel "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte" nicht vorstellen konnte, hat einen Beitrag geliefert.

Wurfpost zu bestellen unter:

info@literaturhaus-freiburg de.