Freiburg-St. Georgen

Demonstranten wehren sich gegen geplante Einfachwohnungen

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 06. April 2019 um 18:07 Uhr

Freiburg

Die Bewohner der Freiburger Stadtteils St. Georgen machen weiter mobil gegen die geplanten Einfachwohnungen für Familien mit und ohne Fluchthintergrund am Fuße des Schönbergs.

Am Samstag haben rund 500 Teilnehmer bei einer Protestkundgebung symbolisch eine "Rote Linie" entlang des Zwiegerackerwegs gezogen – "bis hierhin und nicht weiter" lautet die damit verbundene Botschaft an die Stadtverwaltung. Das Rathaus prüft unterdessen alternative Flächen, hält aber nach Auskunft des Bürgervereins aktuell am Zwiegeracker-Gelände fest.

Bürgerinitiative wird von Vereinen unterstützt

Daniel Augustin rammt den ersten Pflock in die Wiese, an dem das rote Flatterband befestigt wird. Er ist Vertreter der Bürgerinitiative "Rettet die Schönbergwiesen", die sich gegen den Bau der Einfachwohnungen am Oberen Zwiegeracker einsetzt und die die Protestkundgebung gemeinsam mit dem "Verein zum Erhalt der Schönbergwiesen" organisiert hat. Unterstützung kommt vom Bürgerverein St. Georgen und vom Naturschutzbund Nabu, auch die Bürgerinitiative "Pro Landwirtschaft", die vom Dietenbach-Bürgerentscheid bekannt ist, ist mit einem Traktor vor Ort. Andere der rund 500 Teilnehmer haben Kuhglocken dabei. Eifrig tragen sich die St. Georgener in Unterschriftenlisten ein, auch eine Onlinepetition läuft und hat derzeit 680 Unterzeichner (Stand Samstag, 18 Uhr).

Demonstranten: Streuobstwiesen müssen tabu bleiben

Ausgangspunkt für die Aktion "Rote Linie" war das Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Martin Horn Mitte Februar. Auch dort haben schon 350 St. Georgener ihrem Unmut gegen die Einfachwohnungen Luft gemacht (die BZ berichtete). Auf Plänen der Stadtverwaltung war damals der vorgesehene Bebauungsbereich rot umrandet – woraufhin der Bürgervereinsvorsitzende Martin Maier gegenüber OB Horn betonte, dass "die rote Linie für St. Georgen" am Zwiegerackerweg sei.
Bei der Protestkundgebung berichtet Maier den Teilnehmern vom aktuellen Stand: Es habe Gespräche mit der Stadtverwaltung gegeben, im Moment prüfe das Rathaus sechs alternative Flächen, darunter sei das Baugebiet Innere Elben. Um welche weiteren Standorte es geht, will Maier auf Nachfrage der BZ nicht verraten.

"Aber der Bürgerverein lehnt dieses Angebot der Stadtverwaltung ab." Vorsitzender Maier
Wegen dieser Gespräche mit der Stadtverwaltung und der damit verbundenen Hoffnung, dass das Rathaus vom Zwiegerackergelände abrückt, ist die Protestveranstaltung auch verschoben worden: Sie sollte ursprünglich bereits am 23. März stattfinden. Doch das Rathaus halte aktuell am umstrittenen Standort fest, berichtet Maier. Ähnlich wie im Ortsteil Munzingen, wo ebenfalls Einfachwohnungen geplant sind, habe die Stadtverwaltung zwar angeboten, die Zahl der Flüchtlingswohnungen zu reduzieren und statt mit einer Sonderregelung des Bundes, die nur noch bis Jahresende gilt, ein herkömmliches Bebauungsplanverfahren zu starten, so Maier. Einbezogen werden könnten dann auch angrenzende Flächen bis zur Ecke Zwiegerackerweg/Insbruckerstraße – damit private Eigentümer ebenfalls zum Zug kommen, die schon länger auf den Flächen bauen wollen, was bislang nicht möglich war. "Aber der Bürgerverein lehnt dieses Angebot der Stadtverwaltung ab", sagt Maier.

Die Schönbergwiesen dürften generell nicht bebaut werden, betont Christiane von Spiessen, Vorsitzende des Vereins für den Erhalt der Schönbergwiesen. "Wir werden alles dafür tun, dass das Gelände frei bleibt", sagt auch Stadtrat Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert/Für Freiburg), der genauso wie sein Fraktionskollege Karl-Heinz Krawczyk, Freie-Wähler-Stadtrat Manfred Stather und Christoph Glück (FDP) bei der Protestdemo anwesend ist.
Für die Einfachwohnungen vorgesehen ist ein rund 5000 Quadratmeter großer Streifen direkt am Zwiegerackerweg. Östlich davon stehen bereits Häuser, weshalb die Stadtverwaltung von einer Arrondierung spricht. Für die Gegner ist das Gelände jedoch Teil des Naherholungsgebiets am Schönberg, das ökologisch streng geschützt ist.