Sparkasse Freiburg

Denker wider den Extremismus: Ausstellung zur Freiburger Schule

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Mo, 01. November 2021 um 19:28 Uhr

Wirtschaft

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat in Freiburg eine Ausstellung zur Freiburger Schule eröffnet. Die Ausstellung ist bis 3. Dezember in der Sparkasse zu sehen.

Der Denker Erasmus von Rotterdam (1466-1536), der berühmteste Bewohner der Räumlichkeiten der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, und die führenden Köpfe der Freiburger Schule wie den Ökonomen Walter Eucken (1891-1950) verbindet viel. Erasmus nahm die Menschen, wie sie sind. Die radikalen Bilderstürmer der Reformation sah er zum Beispiel skeptisch, weil er zwar die Heiligenverehrung als unvernünftig ablehnte, sie aber tolerieren wollte, weil sie die Frömmigkeit der einfachen Leute ausdrückte, die der Gelehrte schätzte. Dem Glauben an ein postrevolutionäres Paradies auf Erden konnte der Realist und Reformer nichts abgewinnen.

"Die Inflation ist die größte Gefahr für die soziale Gerechtigkeit." Wolfgang Schäuble

Eucken und seine Mitstreiter der Freiburger Schule wie Franz Böhm (1895-1977) oder Leonhard Miksch (1901-1950) hatten genug von den Verheißungen des Faschismus und Kommunismus, die den Menschen statt Milch, Honig und Glück Tod, Verderben und Zwang bescherten. Die Wissenschaftler setzten vielmehr auf die althergebrachte Marktwirtschaft, für die sie aber einen klaren Regelrahmen forderten. Die Angehörigen der Freiburger Schule waren zwar zutiefst vom ungeheueren Potenzial überzeugt, dass die Menschen über freie Märkte entfalten konnten. Sie wussten aber auch angesichts ihrer Erfahrungen, dass ohne Ordnung, ohne Regeln, wegen Gier und Egoismus unter anderem schädliche Monopole drohten. Eine Konzentration von Macht, die weder der Wirtschaft noch der Gesellschaft nützlich war.

Die Ausstellung wurde vier Jahre lang vorbereitet

Angesichts dieser Gemeinsamkeiten von Erasmus und der Freiburger Schule passt es gut, dass die Ausstellung zu dieser Denkrichtung in der Meckelhalle der Freiburger Sparkasse stattfindet. Sie ist nah an jenem Büro, wo heute Sparkassen-Chef Marcel Thimm arbeitet und einst Erasmus Zuflucht vor dem Extremismus seiner Zeit suchte. Auch die Mitglieder der Freiburger Schule waren zum Ende der Nazi-Zeit Verfolgte.

Auf die zwei Gesichter der menschlichen Natur verwies der südbadische CDU-Politiker und frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, als er am Samstag die Ausstellung "In welcher Ordnung wollen wir leben?" eröffnete. An ihr hatten der Aktionskreis Freiburger Schule unter Leitung von Margot Selz, das Walter Eucken Institut mit Direktor Lars Feld und Dutzende von Mitstreitern mehr als vier Jahre gearbeitet. Ausstellungsschirmherr Schäuble sagte in Anlehnung an den Philosophen Kant, die Menschen seien zur Freiheit begabt, aber auch aus krummem Holz geschnitzt. Weil sich daran nichts geändert hat, habe auch die Freiburger Schule nichts von ihrer Bedeutung verloren. Sie stehe für ein Leben in Wohlstand und Würde. Der frühere Bundesfinanzminister verwies auf den Kampf gegen die Inflation. Eucken hatte stabile Preise einst als Eckpfeiler der Wirtschaftsordnung ausgemacht. Schäuble sagte: "Die Inflation ist die größte Gefahr für die soziale Gerechtigkeit." Kleinsparer und Geringverdiener seien die Verlierer der Geldentwertung. Der CDU-Politiker geht davon aus, dass die höhere Inflation noch eine Weile bleiben wird.

"Wir müssen Ökologie und Wohlstand in eine bessere Balance bringen." Wolfgang Schäuble

Als bestes Mittel gegen wirtschaftliche Instabilität betrachtet der südbadische Politiker eine solide Finanzpolitik. Man solle in guten Zeiten sparen, um in Phasen der Not Geld zur Verfügung zu haben, ist seine Position. Milliardenschweren, schuldenfinanzierten staatlichen Investitionspaketen für den Klimaschutz erteilte Schäuble eine Absage. Vielmehr müsse die Wirtschaft produktiver werden, um jene Mittel zur Verfügung zu stellen, die für den Klimaschutz nötig seien. "Wir müssen Ökologie und Wohlstand in eine bessere Balance bringen. Eine schwarze Null im Staatshaushalt und eine grüne Null in Sachen Ökologie müssen aber kein Gegensatz sein", sagte Schäuble. Als sinnvollen Ansatz betrachtet er die "Internalisierung externer Kosten."

Anders gesagt: Wer zum Beispiel über die Verbrennung fossiler Brennstoffe das Klima belastet, soll dafür in Form höherer Preise bezahlen. Damit bliebe es den Menschen selbst überlassen, wie sie ihr Verhalten anpassten. Das sei besser, als wenn der Staat den Bürgern bis ins kleinste Detail vorschriebe, was sie dürfen und was nicht. Schäuble betrachtet diesen Weg auch als Fortentwicklung der Freiburger Schule. Der Staat gebe einen Rahmen vor, in dem Menschen das Beste aus ihrer Situation machten. Dass die Freiburger Schule alles andere als altmodisch ist, zeigt auch die Ausstellung, die noch bis zum 3. Dezember während der Öffnungszeiten der Sparkasse zu sehen ist.

Das Video zur Ausstellungseröffnung finden Sie unter mehr.bz/ordnung. Am Mittwoch, 3. November, wird die Podiumsdiskussion "Nützt die Freiburger Schule noch heute" ab 19 Uhr live im Internet übertragen. Die Links: infreiburgzuhause.de badische-zeitung.de Mehr Infos zur Freiburger Schule finden Sie unter : mehr.bz/eucken2021