Badespaß mit Risiken

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Mo, 22. Juni 2020

Waldshut-Tiengen

Der Rhein wird zur Alternative zu den geschlossenen Freibädern / Das Schwimmen im Fluss birgt jedoch auch viele Gefahren.

. In der Corona-Zeit haben viele Menschen den Wassersport neu entdeckt. Welche Freizeitmöglichkeiten der Rhein bietet, was erlaubt ist und, welche Gefahren lauern zeigen wir im Überblick.

"Gesetzlich besteht grundsätzlich kein Badeverbot", sagt Jens Czechtizky, Pressesprecher der deutschen Wasserschutzpolizei. Allerdings sei es durch Schilder an vielen Stellen des Rheins – auf Deutscher wie auch auf Schweizer Seite – verboten. In der Schweiz gilt: "Wo nicht explizit Naturschutzgebiete oder Verbotszonen sind, darf man schwimmen. Ob man soll, ist wieder etwas anderes", so Philipp Binaghi von der der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). Das Problem beim Rheinschwimmen während der Corona-Pandemie erläutert Helmut Weber, Vorsitzender des DLRG-Bezirks Hochrhein: "Wenn jemand Hilfe braucht, bringen wir uns selbst in die Gefahr einer Ansteckung, wir können ja bei der Rettung keinen Abstand einhalten." Deshalb appelliert er: "Leute seid vorsichtig, achtet auf die Gegebenheiten im Gewässer wie etwa Rückströme!" Es sei nicht auszuschließen, dass diesen Sommer mehr Menschen im Rhein schwimmen, Weber möchte aber nicht spekulieren. "Wir sind aber darauf vorbereitet", sagt er.

Die Schweizer hingegen gehen klar davon aus, dass das Ertrinkungsrisiko in offenen Gewässern dieses Jahr steigen wird. Zum einen verbringen viele Menschen mit Corona im Hinterkopf den Urlaub dieses Jahr eher zu Hause. Zum anderen seien auch die Schweizer Freibäder nur eingeschränkt geöffnet. Zudem gebe es in der Schweiz eine zunehmende Beliebtheit des Schwimmens in Seen und Flüssen, wie eine Bevölkerungsumfrage der gfs-Zürich im Auftrag der SLRG zeigt. An Pfingsten wurden laut Binaghi in der Innerschweiz "die Strände geflutet" und einige Unfälle registriert. Die SLRG hat ein Präventionsprojekt "Corona Sommer 2020" aufgestellt. Eine Präventionspatrouille soll Badeplätze aufsuchen und dort mit den Badenden das Gespräch suchen. "Wir wollen informieren, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger", so Binaghi.

"Auch ein augenscheinlich noch so friedlich fließender Fluss weist in der Regel eine so hohe Strömungsgeschwindigkeit auf, dass selbst ein geübter Schwimmer nicht dauerhaft gegen diese anschwimmen kann", erklärt Jens Czechtizky. An Brückenpfeiler, Buhnen, Wehranlagen oder Hafenein- und ausfahrten könnten nicht sichtbare Wirbel und Strudel entstehen. "Dies sind dann quasi Stromschnellen – oft mit darunter liegenden Felsen – die ein Schwimmer erst erkennt, wenn es schon zu spät ist." Zuflüsse, Abwasserrohre, Kraftwerke und Wehre könnten die Strömung beschleunigen. "Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist auch der Sog- und Wellenschlag der auf dem Rhein fahrenden Schiffe", so Czechtizky.

Weitere Gefahren sind Verletzungen bei Sprüngen in flaches Wasser, die Kollisionen mit Treibgut, Steganlagen oder ein Verfangen in starkem Pflanzenbewuchs. "Immer wieder gibt es bei Badenden und Schwimmern auch Fälle von Muskelkrämpfen und Schockreaktionen durch die unterschiedlichen Wassertemperaturen", erklärt Czechtizky. "Jeder Wassersportler sollte sich den Gefahren bewusst sein und den Rhein mit Bedacht nutzen", so der Pressesprecher der Wasserschutzpolizei.

Die Arbeit der DLRG-Ortsgruppen am Hochrhein sei durch Abstandsregeln gerade in der Ausbildung eingeschränkt, so Helmut Weber. "Doch wir sind einsatzbereit – der Wasserrettungsdienst läuft nach wie vor.". Neuschwimmerkurse können zurzeit nicht gegeben werden, da die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Mit der Schwimmausbildung wie etwa dem Konditionstraining, wobei es vom Beckenrand Anweisungen gibt, fängt die DLRG langsam wieder an. Laut Jens Czechtizky von der Wasserschutzpolizei sind alle Wassersport-Aktivitäten auf dem Rhein erlaubt. Dort gilt die Hochrheinverordnung für die Schifffahrt.

Auch die Wassersportvereine am Hochrhein nehmen ihren Betrieb wieder auf. "Auf dem Wasser ist alles erlaubt bis auf Mannschaftssport", sagt Matthias Eschbach, Vorsitzender der Hochrheinpaddler. Normalerweise sind diese mit ihrem Drachenboot auf dem Rhein unterwegs und bei Wettbewerben erfolgreich. Nun muss dieses aber weiter in der Garage stehen bleiben. Denn der Mindestabstand kann nicht eingehalten werden. Aber die Hochrheinpaddler trainieren in Kleingruppen in Einer- und als Familien auch in Zweierbooten, wie Eschbach erzählt. Auch Standuppaddling macht ihnen Spaß. "Wir sind eher noch aktiver als die Jahre zuvor", so Eschbach. "Und weil viele in diesem Jahr Wassersport für sich neu entdecken, konnten wir sogar fünf Neumitglieder gewinnen." Auch die Hochrheinsegler dürfen seit dem 11. Mai ihrem Hobby nachgehen, wie der Vorsitzende Phillipp Heimann sagt. Das Segeln sei nie verboten gewesen, jedoch seien die Stege gesperrt und somit der Sport nicht möglich gewesen. Den Platz dürften die Vereinsmitglieder nur betreten, um ihrem Hobby nachzugehen. Gemeinsame Abende oder Sonnenbaden bleiben vorerst aus.