Auszeichnung

Der Freiburger Autor Klaus Theweleit erhält den Adorno-Preis 2021

kna

Von kna

Mi, 14. April 2021 um 14:20 Uhr

Kultur

Er sei "einer der einflussreichsten und originellsten deutschsprachigen Kulturtheoretiker": Die Stadt Frankfurt ehrt Klaus Theweleit mit dem mit 50000 Euro dotierten Adorno-Preis.

Der Theodor-W.-Adorno-Preis 2021 der Stadt Frankfurt am Main geht an Klaus Theweleit. Der 1942 in Ostpreußen geborene Autor gehöre zu den "einflussreichsten und zugleich originellsten deutschsprachigen Kultur- und Literaturtheoretikern", teilte die Stadt am Mittwoch mit. Sein Werk "Männerphantasien" über die Körperpolitik des Faschismus gelte als Standardwerk kritischer Gesellschaftstheorie. Neben der Literatur gehörten auch Psychoanalyse, Film und Popkultur zu seinem "produktivem Bezugssystem". Die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 11. September, dem Geburtstag des Philosophen, Soziologen, Komponisten und Musikkritikers Theodor W. Adorno (1903-1969), in der Paulskirche überreicht.

"Wuchernde Narrative" der Befreiung

Theweleit arbeite seit den 1970er Jahren konsequent an Themen, die bis in die unmittelbare Gegenwart hineinwirkten, lobte das Kuratorium des Preises. Die Verpanzerung des soldatischen Körpers als Abwehr des Weiblichen sei der Kern seines auch von der eigenen Generationserfahrung geprägten Denkens. Von diesem soldatischen Körper des Faschismus bis zum gegenwärtigen Rechtsradikalismus zeichne Theweleit Kontinuitätslinien nach. "Wie Adorno überschreitet er, so spielerisch wie ernst, die Grenzen der Wissenschaft." Sein "wucherndes Narrativ" ziele letztlich auf einen Akt der Befreiung, die das Bekenntnis zu Kunst und Sinnlichkeit einschließe.

Klaus Theweleit studierte Germanistik und Anglistik in Kiel und Freiburg. Mit seiner Dissertation "Freikorpsliteratur: Vom deutschen Nachkrieg 1918-1923" wurde er 1976 promoviert. Die Arbeit war die Grundlage für das 1977/1978 erschienene zweibändige Werk "Männerphantasien". Theweleit lehrte unter anderem an der Universität Freiburg und leitete Seminare an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Von 1998 bis 2008 war er Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

Der Theodor-W.-Adorno-Preis wird seit 1977 alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt zum Gedenken an den Frankfurter Philosophen und Hauptvertreter der sogenannten Kritischen Theorie vergeben. Die Auszeichnung dient der Förderung und Anerkennung hervorragender Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film. Vorherige Preisträger waren unter anderen die Literaturwissenschaftlerin Judith Butler (2012), der französische Kunsthistoriker Georges Didi-Huberman (2015) und die Schauspielerin und Regisseurin Margarethe von Trotta (2018).