Trotz Boutique-Schließung

Der Freiburger Verein OFF hilft Frauen in Not auch in der Pandemie

Thomas Jäger

Von Thomas Jäger

Mi, 10. Februar 2021 um 00:02 Uhr

Altstadt

Die regelmäßigen Öffnungszeiten der "Boutique la Sac" müssen entfallen, doch der Verein "OFF – Obdach für Frauen" bietet auch in der Coronazeit Frauen in Not finanzielle Unterstützung.

Die Corona-Pandemie schränkt das öffentliche Leben massiv ein, stark betroffen sind unter anderem die Vereine. Die BZ fragt in einer Serie nach den bisherigen Corona-Konsequenzen und dem aktuellen Ausblick. Heute:  Veronika Lehmann von "OFF – Obdach für Frauen".

Wie hatte sich die Corona-Pandemie in den ersten Monaten auf das Vereinsleben ausgewirkt?
Die Corona-Pandemie hat uns auf verschiedenen Ebenen getroffen. Schon die für März geplante Mitgliederversammlung war durch die Begrenzung der Teilnehmerzahl nicht mehr möglich. Auch unsere Hoffnung, sie im Herbst nachzuholen, hat sich leider zerschlagen. Die Vernetzung und der Austausch mit anderen Institutionen war im vergangenen Jahr schwierig bis unmöglich. Alle geplanten Veranstaltungen – auch die im Zuge der 900-Jahr-Feier Freiburgs – fanden nicht statt. Ganz besonders betroffen war unsere "Boutique Le Sac". Dort können sich alle Frauen einkleiden, einrichten, sich verschönern, Nützliches wie Kurioses finden. Alle Dinge in der Boutique werden von der Bevölkerung gespendet. Bedauerlicherweise mussten wir die Boutique im Frühjahr bis in den Mai und auch wieder seit Mitte Dezember schließen. Während der Schließzeit können wir leider keine Sachspenden annehmen. Dabei hatte das Angebot von Sachspenden 2020 deutlich zugenommen: Die Menschen räumen aus und auf. Von der Schließung sind ganz besonders unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betroffen, für die die "Boutique Le Sac" auch ein sozialer Treffpunkt bedeutet. Sofort nach der Öffnung im Mai kamen die Frauen wieder zahlreich zu uns in den Keller und freuten sich, dass wir wieder für sie da sind. Wir haben die Anzahl der Frauen, die sich gleichzeitig im Keller aufhalten durften, auf ein Minimum begrenzt, dies war jedoch für die Frauen ein positiver Aspekt: Sie konnten in Ruhe stöbern. Um die Gesundheit der Frauen bestmöglich zu schützen, haben wir den Keller mit Luftreinigungsgeräten aufgerüstet. Die alle zwei Jahre in der Wodanhalle stattfindende Modenschau konnte ihm Frühjahr ebenfalls nicht stattfinden. Alle Karten waren schon verkauft, als wir kurzfristig absagen mussten. Erfreulich ist, dass viele auf die Rückerstattung ihrer Ausgaben verzichtet haben. Der Corona-Pandemie ist auch unser Sommer-Flohmarkt auf dem Kartoffelmarkt zum Opfer gefallen. Den Vorstandsfrauen ist es wichtig, dass wir weiterhin für Frauen in Not erreichbar sind – auch deshalb, weil die Spendenbereitschaft der Bevölkerung nicht wesentlich nachgelassen hat. Dafür sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Es ist uns gelungen, die Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Beratungsstelle Freiraum für wohnungslose Frauen während der Corona-Pandemie aufrechtzuerhalten.

Und was bedeutet die aktuelle Lockdown-Situation für Sie?  
Ich vermisse unsere kreative Frauengruppe. Die Kommunikation läuft nur per Handy, Telefon oder Laptop. Dies ist kein guter Zustand. Ich freue mich, wenn ich wieder auf die Menschen zugehen kann und sie nicht meiden muss. Durch die ausfallenden Veranstaltungen fühle ich mich ausgebremst. Zu unserem Vereinsleben gehört auch, gemeinsam zu feiern. Wir haben bereits ein Fest für nach der Pandemie geplant – wann dies auch immer sein wird.

Wie soll es jetzt weitergehen?
In der Hoffnung, dass es uns allen gelingt, diese schwere Zeit zu überwinden, planen wir für Sommer unseren großen Flohmarkt. Auch werden wir alles daransetzen, Mitgliederversammlung und Modenschau zu veranstalten. In Kleingruppen nutzen wir die Schließzeit, um den Keller aufzuräumen, zu putzen und auszumisten. Gleichzeitig bemühen wir uns weiter, für Frauen in Not ansprechbar zu bleiben und Hilfe im Rahmen unserer Möglichkeiten zu gewähren. Dazu gehören weiterhin Kleinkredite, etwa für die Übernahme von Kautionen, Mietschulden, Krankenkosten oder Hilfe bei Wohnungseinrichtungen. Hier bewährt sich unsere enge Vernetzung mit dem Verein Brotzeit. Wir lassen uns von der Pandemie nicht unterkriegen!
Veronika Lehmann (68) ist seit Frühjahr 2019 Vorsitzende von OFF und war vorher bereits als Beisitzerin im Vorstand aktiv.

"OFF – Obdach für Frauen" hat rund 195 Mitglieder sowie etwa 450 Gönner. Kontakt ist möglich über Tel.  0761/2178683, info@off-freiburg.de. Die "Boutique Le Sac", Sedanstraße 22, wird nach dem Lockdown wieder dienstags von 15 bis 19 Uhr und donnerstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet sein.