Der Greyhound wird zum Flixbus

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Von dpa

Do, 21. Oktober 2021 um 19:11 Uhr

Wirtschaft

Das Münchner Unternehmen Flixmobility, die Flixbus-Mutter, wird durch den Kauf der Kultfirma zum Fernbus-Marktführer in den USA.

Der Münchner Fernbus- und Zuganbieter Flixmobility (Flixbus) wird mit einem Schlag Marktführer in den USA. Für rund 172 Millionen Dollar (148 Mio Euro) kauft das Unternehmen Greyhound Lines, den größten Anbieter von Fernbusreisen in Nordamerika, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten. Statt den bisher 195 Zielen hat Flixmobility in den USA damit künftig rund 2400 Fernbus-Destinationen im Angebot.

"Gemeinsam werden Flixbus und Greyhound der gestiegenen Nachfrage nach umweltfreundlicher Mobilität in den USA Rechnung tragen", sagte Flixmobility-Mitgründer André Schwämmlein. Sein Unternehmen, das in Deutschland vor allem für die Marken Flixbus und Flixtrain bekannt ist, ist in den USA seit 2018 aktiv und hat das Angebot innerhalb von drei Jahren deutlich ausgebaut.

Greyhound ist Symbol der US-Popkultur

Mit Greyhound übernehmen die Münchner eine US-Ikone: Das 1914 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz im texanischen Dallas ist ein fester Bestandteil der US-Popkultur – häufig besungen und in Hollywood-Filmen gezeigt. 1967 schaffte es der "Windhund"-Bus mit seinem silbernen Design ins New Yorker Museum of Modern Art. Doch in den vergangenen Jahrzehnten ist der Glanz verblasst. Greyhound blieb zwar die Nummer 1 im US-Fernbusmarkt, entwickelte sich aber von einem Symbol des Aufbruchs zu einem von Image-Problemen geplagten Beförderungsmittel der Unterschicht.

Zuletzt hatte der Ruf stark gelitten

Ramponierte Sitze und stinkende Bordtoiletten machten die langen Fahrten durch das weite Land häufig schwer erträglich und brachten dem Greyhound unangenehme Spitznamen wie "Dirty Dog" (Dreckiger Hund) oder "Hell Hound" (Höllenhund) ein. Allerdings hat die Busbranche im Autoland Amerika traditionell einen schweren Stand – wer es sich leisten kann, fliegt auf längeren Strecken oder nimmt den Zug.

Greyhound gehörte bislang zum britischen Transportkonzern Firstgroup. Mit dem Verkauf stärke das Unternehmen seinen Fokus auf öffentliche Verkehrsangebote in Großbritannien, teilte Firstgroup mit. Firstgroup hatte Greyhound 2007 übernommen. Greyhound betreibt mit dem kleineren Partner Peter Pan nebenher auch die derzeit wegen der Pandemie geschlossene Billiggesellschaft Boltbus.

Greyhound unterhält eine eigene Busflotte

Anders als Flixmobility unterhält Greyhound eine eigene Busflotte mit rund 1300 Fahrzeugen. Die Fahrerinnen und Fahrer sind direkt beim Unternehmen angestellt. Die deutsche Plattform hingegen hat keine eigenen Busse oder Züge, sondern vermittelt in der Regel die Fahrten an externe Anbieter. Deren Fahrzeuge werden dann im grünen Flixbus-Design beklebt. Die Fahrer sind bei den Auftragnehmern beschäftigt. Ob Flixmobility dieses Modell auch bei Greyhound einführen wird und was die Übernahme für die 2400 Beschäftigten bedeutet, blieb zunächst offen.