"Der Körper will nicht nur Sofa"

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Di, 07. April 2020

Gottenheim

Das Gottenheimer Paar Manuela Schraut-Keppeler und Dieter Keppeler ist neuer Landesmeister in den Standardtänzen.

GOTTENHEIM. Der Monat März begann für Manuela Schraut-Keppeler und Dieter Keppeler mit einem großen Erfolg: Sie siegten bei den Landesmeisterschaften in den Standardtänzen. Dieses Tanzsportereignis, ausgetragen in Dellau bei Mosbach, konnte noch stattfinden, bevor sich die Corona-Pandemie ausbreitete. Seit Mitte März ist, wie in allen Sportarten und kulturellen Bereichen, auch das Tanzparkett für Veranstaltungen mit mehreren Teilnehmern tabu. Um so größer wiegt für das Tanzpaar vom Tuniberg die Freude, ihrem geliebten Hobby noch einmal die Krone eines Turniersieges aufgesetzt zu haben.

Dieter Dieter Keppeler und Manuela Schraut-Keppeler üben ihren Sport in der Tanzsport-Gemeinschaft Freiburg aus. Für diesen Verein traten sie am 7. März in Dellau in der Sonderklasse S IV Standard an. In dieser messen sich Tanzpaare im Alter von 60 Jahren an. Unter den 21 angetretenen Paaren dominierten die Gottenheimer von der ersten Runde an das Feld und belegten in allen fünf Tänzen – Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep – den ersten Platz. Damit holten sich das Paar bereits ihren siebten Landesmeistertitel in ihrer sportlichen Karriere.

Das Paar betreibt den Tanzsport schon mehr als 35 Jahre und hat somit bereits mehrere Altersklassen turniermäßig durchgetanzt. "Dieses Jahr hat es uns besonders gefreut, auch mal wieder zu gewinnen und auf dem Treppchen ganz oben zu stehen beim letzten Turnier vor der Corona-Pause", erzählt Manuela Schraut-Keppeler.

Den langsamen Walzer trainiert das Paar häufig

Gerne wären die beiden im Anschluss auch beim Deutschlandpokal in Hamburg angetreten. Doch dieser Wettbewerb, bei dem sich die Breisgauer durchaus Finalchancen ausrechneten, wurde wegen der Corona-Krise abgesagt. Der Flug war schon gebucht, "ob es Entschädigung von der Fluggesellschaft gibt, muss man abwarten", erklärt die Gottenheimerin. Nächstes Event wäre die Weltmeisterschaft der Senioren im Juni in Spanien. Ob diese stattfinden kann, stehe allerdings in den Sternen, bis jetzt sei sie aber noch nicht abgesagt.

Das Tanzen ist für das Paar ein Vergnügen, aber auch ein intensiv betriebener Sport. Zu normalen Zeiten wird fünf Mal die Woche im Tanzzentrum des Vereins in Freiburg trainiert, natürlich auch in Gemeinschaft mit anderen Tanzpaaren sowie mit Trainern. "Jetzt trainieren wir dort halt alleine spät abends und merken, wie wichtig es ist, einmal am Tag rauszukommen und sich zu bewegen. Der Körper will nicht nur Sofa", erklärt die Tänzerin. Die Trainer stellen auch Videos fürs Hometraining zur Verfügung.

So wird mit Wasserflaschen die Rückenmuskulatur gekräftigt, um die Tanzhaltung zu stärken. Andere Übungen leiten an, wie man tänzerische Choreografien im Stand nur mit dem Oberkörper üben kann, durch shapen, swayen – einer Art dreidimensionalem neigen – und schwingen. Außerdem, so erklärt Manuela Schraut-Keppeler weiter, könnten sie und ihr Partner sich auch mit Tanzvideos auf Youtube fortbilden. Diese anzuschauen, dafür bliebe im normalen stressigen Alltag sonst gar keine Zeit.

Am häufigsten und besonders gerne trainiert das Paar den Langsamen Walzer, wofür es alleine mindestens 2000 Tanztitel zur Auswahl hat, um die gefühlvollen Bewegungen dieses klassischen Tanzes zu unterstützen. Gute Koordination und Paarabstimmung brauche viele Wiederholungen. Das Ziel sei es, so erklärt Manuela Schraut-Keppeler, "dass es sich auch als Paar harmonisch anfühlt – falls man das überhaupt je erreicht".