Yacher Novembervorträge

Der Krieg bot die Gelegenheit, einmal im Leben die Heimat zu verlassen

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Di, 07. Dezember 2021 um 12:00 Uhr

Elzach

In der Vortragsreihe des Heimat- und Landschaftspflegevereins Yach referierte Karl Tränkle über die Veteranenvereine, die es seit dem späten 19. Jahrhundert auch im oberen Elztal gab.

Krieger- und Veteranenvereine ? Die sind – nicht nur im Elztal – längst vergangen und vergessen. Doch es gab eine Zeit, da gehörten sie deutschlandweit zum Ortsleben wie selbstverständlich dazu, nach den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71, die zur deutschen Einigung, zum zweiten Kaiserreich führten. Daran erinnerte jüngst ein Vortrag des Heimat- und Landschaftspflegevereins.

In Yach bestand fast 60 Jahre ein Veteranenverein

Über die Yacher Variante dieser Vereine hatte Karl Tränkle akribisch geforscht. "Kreuz-, Fahnen- und Laternenträger! Alle antreten!", zitierte sein Vortragstitel ein Kommando von anno dazumal. In Yach bestand von 1876 bis 1935 ein solcher Krieger- und Veteranenverein; Gründungsvorsitzender war Schmied Josef Schneider, ein Kriegsteilnehmer von 1870/71. Mit Georg Tränkle starb 88-jährig der letzte Yacher Veteran der Kriege 1866 und 1870/71. Der Verein stand in Yach "in gutem Ansehen und gewann Einfluss auf das Dorfgeschehen", so der Referent.

Nach dem Sieg über Frankreich 1871 spielte im gesamten Reich das Militär eine wichtige Rolle und die Gründung von Veteranenvereinen war wie eine "Volksbewegung", so Karl Tränkle. In Preußen gab es schon 100 Jahre zuvor Vereinigungen ehemaliger Soldaten, erst recht nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon ab 1813. Dies färbte später auf andere deutsche Staaten wie das noch neue Großherzogtum Baden ab.

Selbstverherrlichung und nationaler Stolz

Erinnerung an Krieg und Dienstzeit wurde stark nach den erwähnten "Einigungskriegen" gepflegt: "Diese waren ein markantes Erlebnis", so Karl Tränkle: "Krieg wurde zwar als Unglück angesehen, aber in den Krieg musste man, wenn er ‚gerecht‘ war. Die Kriegsveteranen verherrlichten ihre Rolle und durften sich nun friedfertig auf ihren Lorbeeren ausruhen". Zudem war die unabänderliche Militärzeit für viele junge Männer oft der einzige Lebensabschnitt, in dem sie die Heimat verließen: Als Soldat konnte man "mal fort vom Kartoffelacker kommen".

Die Veteranenvereine waren konservativ

Der erste Kriegerverein im Elztal wurde wohl 1866 in Oberwinden gegründet, in Elzach 1872, wo er aber nur bis 1903 bestand; die Statuten sind noch erhalten. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg – wo auch circa 30 Yacher einberufen wurden – entstanden überall Vereine. Mitglieder waren oft die "kleinen Leute". Das Vereinsleben? Viel Geselligkeit, Feiern nationaler Gedenktage (Sedanstag, Kaisers Geburtstag etc.), auch karitative Aktivitäten. "Man fühlte sich als wichtiger Teil des Ganzen", so der Referent. Was sich auch in Mitgliederzahlen widerspiegelte: 1926 waren im Yacher Verein noch neun Mitglieder vom Krieg 1866 dabei, 38 von 1870/71 und mehrere hundert vom Ersten Weltkrieg. Die Veteranenvereine waren konservativ. So bestand zum Beispiel ab 1891 – wohl als Folge der "Sozialistengesetze" der Reichsregierung – die Pflicht, Sozialdemokraten als Mitglieder auszuschließen. In der Weimarer Republik bestand mit dem "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" ein überparteilicher Kriegerverein pro Demokratie, aber damals waren auch die meisten Veteranenvereine "ein fruchtbarer Boden für die Dolchstoßlegende und Kriegsschuldfrage", so Tränkle weiter.

Ein fruchtbarer Boden für die Dolchstoßlegende

In der NS-Zeit wurden dann auch die Kriegervereine durch Nazi-Organisationen übernommen – ihr Ende.

Die Fahne des Yacher Vereins hing einst im Gasthaus "Adler", seit 1941 ist sie verschwunden. In Yach lebt der Verein noch symbolisch fort im Mahnmal für die Opfer der Kriege, welches 1986 eingeweiht wurde – anstelle eines 1921 errichteten und in den 1950er Jahren entfernten Denkmals. Und ein kleines bisschen, wenn man so will, im örtlichen Musikverein: Als dieser 1895 gegründet worden war, beschaffte der Veteranenverein ihm die Instrumente.