Staufermedaille

Der Naturschutz ist für Martin Neub ein Lebensinhalt

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 14. Mai 2022 um 12:00 Uhr

Emmendingen

Martin Neub wurde für seine Verdienste vom Ministerpräsidenten mit der Staufermedaille des Landes ausgezeichnet. Für den Naturschützer ist sein Engagement ein Lebensinhalt.

Knapp sechs Jahrzehnte ist es her, doch wenn Martin Neub davon erzählt, dann ist es, als ob es gerade geschieht. "Es war der 15. Januar 1963, da saß ein Rotkehlchen knapp 15 Zentimeter vor mir", sagt der heute 72-Jährige, er noch genau weiß, wann er erstmals so eine Begegnung mit Vogel erlebte. Von da an sei es um ihn geschehen gewesen, fand er im Naturschutz seinen Lebensinhalt. Und weil er diesen auf vielen Ebenen intensiv betrieb, wurde er nun mit der Staufermedaille des Landes ausgezeichnet.

Weltweite Vogelbegegnungen

Ganze Bücher füllte der damals 13-Jährige seither mit den Notizen zu seinen weltweiten Vogelbegegnungen. "Inzwischen bin ich bei Buch Nummer 37", erklärt er. Die Zahl der von ihm beobachteten Arten geht in die tausende, doch es blieb nicht beim Schauen. Schon bald war der gebürtige Stuttgarter beim Bund für Vogelschutz, der Vorgängerorganisation des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) aktiv und übernahm als Jugendleiter Verantwortung.

Das Studium der Biologie führte Neub nach Freiburg. Der neuen Heimat blieb der promovierte Biologe verbunden. Beruflich bekleidete er jahrzehntelang eine verantwortliche Position bei Gödecke, später Pfizer, ehrenamtlich blieb der Naturschutz sein Steckenpferd. "Martin Neub ist das Gesicht des Naturschutzbunds im Landkreis Emmendingen", betont Landrat Hanno Hurth die Schlüsselrolle von Neub. Im Bewusstsein, dass Naturschutz eine Gemeinschaftsaufgabe ist, hat Neub 1983 die Kreisgruppe des Nabu gegründet und 38 Jahre als Vorsitzender geführt. Auch beim Aufbau des Bezirksverbandes wirkte er 2001 mit, seit 2009 war er dessen Vorsitzender.

Motor und Mitinitiator unzähliger Projekte

"In all diesen Jahren waren sie Motor und Mitinitiator verschiedenster Naturschutzprojekte", versuchte Hurth "mit Mut zur Lücke" das Wirken des Geehrten zu bilanzieren. Erinnerte an die Ökotürme und das Gewann See bei Teningen-Nimburg, wo aktuelle ein Verfahren laufe, Teile der Landschaft als Naturschutzgebiet auszuweisen. Motor sei Neub auch bei der Nachnutzung der ehemaligen Zollstation an der Rheinfähre bei Kappel-Grafenhausen zum Naturschutzzentrum Taubergießen in Verbindung mit der französischen Partnerorganisation des Nabu. Er habe sich daneben für den Schwarzwaldzoo in Waldkirch engagiert und auch bei der Städtepartnerschaft zwischen Denzlingen und North Hykeham. Nicht zu Unrecht habe die Badische Zeitung Neub als "Patron der Vögel und der Natur" betitelt.

Konflikten des Naturschutzes, ob mit Landwirtschaft oder Siedlungsentwicklung, seien unvermeidlich. "Sie sind diesen nie ausgewichen, haben jedoch immer den Ausgleich und nie die Konfrontation gesucht", würdigte Hurth den Brückenbauer Neub. Er besitze die Fähigkeit, gegensätzliche Meinung zu hören und sich in Andere hineinzudenken, wodurch er nicht nur Anerkennung erworben, sondern auch vieles für den Naturschutz erreicht habe. "Sie haben nachhaltig gewirkt", so Bürgermeister Markus Hollemann mit Stolz auf den Denzlinger Bürger. "Ihnen ist es gelungen, Menschen anzustecken, deren Liebe zur Natur zu wecken", so Uwe Prietzel, Landesgeschäftsführer des Nabu.

"Natur und Umweltschutz haben an Wertigkeit gewonnen", so Neub im Rückblick auf die Zeit seines langen Wirkens. Nicht nur an der wachsenden Zahl der Mitglieder des Nabu mache er das fest, sondern auch am zunehmenden Interesse an Waldkindergärten. "Es gibt ein positives Grundempfinden gegenüber der Natur", so der Geehrte, der sich aus Anlass der persönlichen Ehrung bei allen Mitstreitern bedankte. Ganz besonders bei seiner Frau Brigitte und den drei Kindern, "die mein Engagement nicht nur mental, sondern auch ganz konkret aktiv unterstützt haben", so Neub.

Die Staufermedaille ist eine besondere, persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten für Verdienste um das Gemeinwohl durch über viele Jahre erbrachtes ehrenamtliches, gesellschaftliches oder bürgerschaftliches Engagement.