Der neue Jugendreferent "sprudelt nur so vor Ideen"

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Fr, 04. Oktober 2019

Staufen

Sascha Buchberger kommt in schwieriger Zeit nach Staufen.

STAUFEN. Mit einem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche ist Sascha Buchberger dieser Tage in sein neues Amt als Gemeindediakon und Jugendreferent der evangelischen Kirchengemeinde Staufen-Münstertal eingeführt worden. Er ist Nachfolger von Florian Böcher, der im Januar als Diakon in die Kirchengemeinde Ihringen gewechselt war. Böcher hatte sieben Jahre lang in gleicher Position in Staufen gearbeitet.

Der neue Jugendreferent tritt sein Amt in einer schwierigen Situation an. Vor einem halben Jahr wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter der Kirchengemeinde, der sich besonders bei den Pfadfindern engagierte, Mitglieder dieser Gruppe missbraucht hatte.Das sei ihm natürlich bei seiner Bewerbung bekannt gewesen, sagte Buchberger. Er habe mehrere Stellen zur Auswahl gehabt; die Entscheidung, gerade in dieser Lage nach Staufen zu kommen, habe er aber ganz bewusst getroffen. "Ich habe den Eindruck, der Missbrauchsfall liegt wie ein Schatten über der Gemeinde", sagte er. "Vorher war ich darüber betrübt, jetzt bin ich dankbar, dass die Fälle aufgedeckt wurden und wir eine neue Perspektive gewinnen können. Früher wurde geschwiegen, jetzt ist es draußen – und es muss Konstruktives geschehen."

Es habe mehrere Bewerber für die Stelle gegeben, teilte die Kirchengemeinde mit; man habe sich dann für Sascha Buchberger entschieden, weil man überzeugt sei, dass er gut in die Gemeinde passe und man durch ihn und seine Arbeit gute und neue Impulse erhalten werde.

Als seine Hauptaufgabe in den ersten Monaten sieht Buchberger, die Lage zu sondieren und vor allem wieder Vertrauen aufzubauen – sowohl zu den Leidtragenden, den Kindern, wie zu deren Eltern, denn auch deren Vertrauen sei missbraucht worden. Und dann werde er mit der Gemeinde daran arbeiten, dass so etwas nicht mehr passiert. "Das wird Zeit brauchen."Interessiert an der Aufgabe in Staufen habe ihn auch, dass er unter Pfarrer Theo Breisacher als Berufseinsteiger von dessen Organisationstalent profitieren könne, dass er aber auch Gelegenheit bekommen werde, seine Kreativität und verrückte Ideen einzubringen. "Ich sprudele nur so vor Ideen, vielleicht hat das den Ausschlag gegeben, mich einzustellen", sagte Buchberger. Als ein kreatives Projekt schilderte Buchberger, wie er ohne Kenntnis von Pfadfinderarbeit eine solche Gruppe in einer Gemeinde von Anfang an aufgebaut habe. "Ich konnte nicht mal Feuer machen", sagte er, "aber ich schaue, was die Menschen brauchen." Eine besondere Passion hat er für das Schachspielen; vom Schach sei es ein kurzer Weg zur Bibel: "Denn ich frage mich: Wer ist mein König?"

Rainer Heimburger führte Buchberger offiziell und mit einem Segen ins neue Amt ein. Er riet ihm: "Geben Sie sich als Person in der Öffentlichkeit zu erkennen. Und nehmen Sie sich Zeit für die Menschen. Das macht die Gemeinde reich."

Was sich nicht ändern wird, ist die Finanzierung der Stelle: Die Kirchengemeinde muss weiterhin sämtliche Arbeitgeberkosten der 75-Prozent-Stelle von Sascha Buchberger über Spenden finanzieren.Positiv wird gesehen, dass Buchberger mehr Zeit für die Arbeit in der Gemeinde hat als Florian Böcher: Denn der war noch mit einer 25-Prozent-Stelle für Öffentlichkeitsarbeit beim Kirchenbezirk angestellt; in den restlichen 75 Prozent seiner Stelle waren bei ihm noch sechs Stunden Religionsunterricht enthalten. Sascha Buchberger dagegen kann sich voll der Kinder- und Jugendarbeit in Staufen und Münstertal widmen.

Sascha Buchberger, geboren 1996 in Augsburg, machte nach dem Abitur zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr am Theologischen Seminar Adelshofen in Eppingen, danach dort die Ausbildung zum Jugendreferenten, seit 1. September ist er neuer Jugendreferent der Evangelischen Kirchengemeinde Staufen-Münstertal. Buchberger hat eine 75-Prozent-Stelle für die Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde. Berufsbegleitend wird er zwei Jahre lang Theologie und Pädagogik studieren, um dann auch als Religionslehrer arbeiten zu können.