Tennis

Der Ortenauer Zweitligist TC Blau-Weiß Oberweier steigt in die Regionalliga ab

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

So, 11. August 2019 um 20:19 Uhr

Tennis

Tennis-Zweitligist TC Blau-Weiß Oberweier unterliegt TC Ludwigshafen 4:5 und muss den bitteren Weg in die Regionalliga antreten. Das ganze Wochenende über wurde gebangt.

Alles lief gegen den TC BW Oberweier. Gegen den stark angetretenen Aufstiegsaspiranten TC Ludwigshafen gab es eine 4:5-Niederlage. Am Sonntag um 17.03 Uhr wurde sportlich das Kapitel zweite Bundesliga mit dem Abstieg abgeschlossen. "Oje, wie es laufen kann", kommentierte Trainer Oliver Killeweit beim 2:4 vor den Doppeln das Fernduell um den Klassenerhalt mit dem Erstligisten TC Weinheim.

Die Entscheidung fiel nicht in Oberweier

Die Entscheidung fiel nicht auf dem Platz in Oberweier. Dort schüttete es gerade aus Kübeln. Im Clubheim verfolgten Fans und Aktive per Liveticker, wie der TC Weinheim das entscheidende Doppel im Match-Tiebreak mit 8:10 verlor, damit absteigt und den TCBW aus der Liga verdrängt.

Schon früh am Mittag richtete sich das zentrale Interesse aller auf die Bundesliga. Nach dem 0:3 in der ersten Runde auf der Anlage an der Palmengasse war klar, dass nur ein Erfolg reichen würde, um den TC Amberg am Schanzl noch in der Tabelle abzufangen. In der zweiten Einzelrunde entwickelte sich vor der Rekordkulisse in dieser Saison – mehr als 600 Zuschauer kamen – zwei Matches, die alleine den Besuch wert waren. Adrian Obert hatte es wie Omar Salman mit den jeweils erfolgreichsten Akteuren aus den Reihen der Pfälzer zu tun. Der Lahrer Obert stemmte sich nach dem Verlust des ersten Satzes vehement gegen sein Schicksal: Satzausgleich und Match-Tiebreak.

Den Betrachtern stockt der Atem

Und der ließ nicht nur den Betrachtern den Atem stocken. Erst mit dem sechsten Matchball stand der Sieg für den Südbadener fest. Zuvor wehrte er drei Matchbälle von Denis Gremelmayr ab, der bereits in den Top 50 der Tenniswelt geführt worden war. Sein Erfolgsrezept verriet Obert: "Ich gab mir immer eine Aufgabe vor und versuchte, sie zu erfüllen." Unabhängig vom Spielstand. Da interessierte es ihn nicht, ob er einen Matchball gegen sich oder für sich hatte. "Daran darfst du nicht denken."

Das Spiel von Omar Salman für die Ortenauer hatte schon fast tragische Züge angenommen. Der junge Mann aus Belgien stand zwar im Kader, aber eigentlich plante Killeweit ursprünglich mit Felipe Mantilla. So sagte er im Juni Omar Salman für diese Saison ab. Eine Nachricht, die er wenige Wochen später revidieren musste. Mantilla hatte sich verletzt. So kam der Belgier zu sechs Einsätzen. Dem Rechtshänder ging rein gar nichts leicht von der Hand.

Es sah vor dem vergangenen Freitag danach aus, dass der 23-Jährige die tragische Rolle spielen würde. Bei der 4:5-Niederlage gegen den Wiesbadener THC hatte er gegen Artem Smirnov im Match-Tiebreak von 5:8 auf 8:8 ausgeglichen. Einen unglaublichen Fehler des Belgiers nutzte sein Gegenüber zum 11:9-Erfolg. Ein Punkt, der in der Schlussabrechnung fehlen sollte. Am Sonntag darauf kam es in Hainsacker erneut zum Entscheidungssatz – wieder hatte Salman das Nachsehen (7:10).

Salman soll den Tränen nahe gewesen sein

Oliver Killeweit berichtete, hernach sei Salman den Tränen nahe gewesen. Doch für Gefühle gibt es im Profisport kaum Raum. Killeweit sagte ihm noch nicht für das Heimwochenende zu. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich am Montag für den Akteur, den er als "Supertyp" charakterisiert, der sich selbst den größten Druck gemacht habe. Und Salman selbst unternahm alles, um sich selbst etwas von dem Druck des Gewinnen-wollens zu befreien. Er reiste mit seiner zukünftigen Frau an und wirkte lockerer.

Den Lohn ernteten er und der Verein auf dem Tenniscourt. Als der an Nummer drei aufschlagende Spieler am Freitag erneut in den Match-Tiebreak musste, stockte manchem auf der Anlage der Atem. Mit 10:5 löste er die Aufgabe aber souverän, gewann sein erstes Einzel für den TCBW und schrie sich danach erst einmal den Frust aus dem Leib. Im darauffolgenden Doppel nahm der 23 Jahre alte Profi den hippeligen Kollegen Baptiste Crepatte unter seine Fittiche. Der zweite Erfolg des Tages.

Der Belgier trumpfte auch am letzten Spieltag auf. "Es waren am Freitag und heute zwei sehr harte Matches", ordnete er ein. "Ich spielte gut. Das hat auch damit zu tun, dass ich mich immer wohler in der Mannschaft fühlte." Das belegte der 6:3, 6:4-Erfolg gegen Benjamin Hassan bei dessen zweiter Einzelniederlage der Spielzeit.

Am Ende nur Resultate für die Statistik

Doch letztendlich waren es nur Resultate für die Statistik. Als um 16.35 Uhr der große Regen kam, passte sich die Stimmung der Lage an. Kapitän Philipp Bauer tigerte mit verschränken Armen durch das Clubhaus. Er steckte immer wieder den Kopf in eine der zahlreichen Gruppen, die sich um einzelne Handys gruppiert hatten. Allein die Kunde, die ins Clubhaus drang, war nicht gut. Und als die Schiedsrichter auf Fortsetzung der Partie in der Tennishalle entschieden, packten Akteure und Helfer deren Stühle und trugen sie zum neuen Spielort. Dort wurde noch der letzten Hoffnung gefrönt: Der Gewinn von drei Doppeln. Die zerschlug sich früh, als Crepatte/Salman verloren. Der TC BW Oberweier spielt fortan wieder in der Regionalliga.