Alter Ara

Der Papagei aus einem alten Langstrumpf-Film soll eingeschläfert werden

Sigrid Harms

Von Sigrid Harms (dpa)

Sa, 09. April 2016

Panorama

Der Vogel aus einem alten Langstrumpf-Film soll eingeschläfert werden, weil sein Käfig zu klein ist.

MALMÖ. In dem Film "Pippi in Taka-Tuka-Land" ist der Papagei Rosalinde ein Spion und Verräter. Nun ist der 49 Jahre alte Vogel selbst vom Tode bedroht. Weil sein Käfig zu klein ist, wollen ihn die Behörden einschläfern. Noch fristet er sein Dasein in einem schwedischen Zoo.

"Du bist ein Kürbis, ein Kürbis", krächzt der dreijährige Papagei, der gemeinsam mit dem Vater von Pippi Langstrumpf im Turmverlies eingesperrt ist. Nicht, um ihm Gesellschaft zu leisten, sondern um ihn auszuspionieren. Denn Kapitän Efraim Langstrumpf hat einen Schatz versteckt und seine Peiniger hoffen, dass er im Traum den Ort ausplaudert.

46 Jahre ist diese Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Astrid Lindgren inzwischen alt; Rosalinde ist 49 Jahre alt. Der Vogel, der mit bürgerlichem Namen Douglas heißt und männlich ist, verbringt seinen wohlverdienten Ruhestand in einem kleinen Tropenhaus im schwedischen Malmö. Doch mit der Ruhe ist es jetzt vorbei, denn die Bürokratie will ihm an den Kragen.

Das schwedische Landwirtschaftsamt ist der Auffassung, dass der drei Quadratmeter große Käfig, in dem Douglas mit der gleichaltrigen Papageiendame Gojan lebt, zu klein ist. Die Vögel könnten darin nicht fliegen und bräuchten eine Volière von mindestens 30 Quadratmetern; wenn das nicht möglich ist, müssten die Vögel eingeschläfert werden. Zoodirektor Frank Madsen ist verzweifelt. "So ein großer Käfig ist nur im Außengelände möglich", sagt er. "Draußen würden die beiden erfrieren". Normalerweise werde ein Ara dieser Art nicht mehr als 28 Jahre alt. Dass Douglas nicht mehr fliegen könne, liege also nicht am mangelnden Freiraum sondern an seinem Alter. "Es ist doch Quatsch, sie umzusiedeln, wenn sie sowieso nur noch drei bis vier Jahre zu leben haben." Doch der Umzug scheint die einzige Rettung. Denn die Behörden seien stur und wollten keine individuelle Betrachtung des Falles, sagt Madsen. Also hat er sich an die Presse gewandt. Als das Skånska Dagbladet am Donnerstag über die Todesdrohung gegen Douglas/Rosalinde berichtet, steht im Büro des Zoodirektors das Telefon nicht mehr still. "Es haben bestimmt schon 100 Leute angerufen", sagt er am Mittag. "Aus Spanien, aus Norwegen, alle wollen Douglas retten."

Doch über das Schicksal der Vögel müssten die Behörden entscheiden. "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen", beschwichtigt ein Sprecher des Landwirtschaftsamtes. "Wir suchen Alternativen."

Madsen würde Douglas am liebsten behalten, denn neben Tieren wie Spinnen, Schlangen und Krokodilen sei der leuchtende Papagei wegen seiner Filmkarriere die Attraktion des kleinen Reptilienzoos. Sein Schauspielertalent sei auch heute noch bemerkbar. Er höre gut auf Anweisungen, könne 50 Wörter sprechen und sogar singen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Douglas in Schweden Probleme hat. Die Behörden wollten ihn schon früher einmal töten, weil er nicht die nötigen Herkunftspapiere hatte. 50 000 Menschen hatten damals aber mit einer Unterschriftenaktion dagegen protestiert, darunter auch die Pippi Langstrumpf-Darstellerin Inger Nilsson. Erst als der erste Besitzer nachweisen konnte, dass er den Papagei 1967 aus Brasilien legal importierte, ließ man ihn am Leben.