Der Papst im Schwarzwald

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Mo, 12. August 2019

Klassik

Der Organist Ben van Oosten in der Barockkirche in St. Peter.

Weltweit ist dieser 1955 in Den Haag geborene Interpret inzwischen der Papst der französischen Orgelsinfonik. Zu der stilistisch auch César Franck gehört. An der Cavaillé-Coll-Orgel der Abteikirche St-Ouen in Rouen hat Ben van Oosten zuletzt die Orgelwerke Francks auf CD eingespielt – exemplarisch, versteht sich (wir berichteten). Der a-Moll-Choral von 1890, dem Todesjahr des Komponisten, stand jetzt am Ende von Ben van Oostens Auftritt bei den Internationalen Orgelkonzerten in der Barockkirche St. Peter.

Bei dieser Musik war der Gast aus Rotterdam natürlich vollends in seinem Element. Zungenkraft und Dramatik gleich zu Beginn. Plastisch das untextierte Choral-Idiom. Die Franck-Maxime des Organisten zeigte sich am signifikantesten beim Trompetensolo: Weder distanziert noch manieriert wirkte da die Musik, sondern sie war mit einem sehr feinen, persönlichen Rubato geradezu geadelt. Ganz hervorragend! Franck, dargeboten von diesem ungemein werkdienlichen, absolut showfreien Könner: Eine idealere Konstellation ist kaum denkbar. Werkimmanente Dramatik bis zum Ende – wo die Sixte ajoutée ins erlösende A-Dur des Finalklangs überleitet. Der Darbietung fehlte nichts, obwohl in St. Peter kein 32-Fuß-Bassfundament vorhanden ist.

Sein komplettes Konzert absolvierte der Organist vorn am elektrischen Spieltisch. Auch Bachs g-Moll-Paar BWV 542. Sehr expressiv die in der Harmonik kühne Fantasie, die wohlige Prinzipalmomente erhielt. Die knifflige Fuge, deren Thema auf ein niederländisches Lied verweist: Hier klang sie mixturig und damit silbrig. Zudem hatte sie einen großen Atem. Bearbeiteter Bach war mit der Arie "Schafe können sicher weiden, wo ein guter Hirte wacht" aus der weltlichen Jagdkantate BWV 208 vertreten. Der Flötensound des Originals blieb erhalten; das Solo war leicht kornettig gefärbt. Apropos Solo: Bei Camille Saint-Saëns’ "Bénédiction nuptiale" von 1859 hätte man sich die Cantabile-Aufgaben auch anders vorstellen können – sofern eine Klarinette zum Fundus zählt... Vom Organisten sehr schön gestaltet war der entrückte Schluss. Überhaupt die Gestaltung: Bei Ben van Oosten hat sie Priorität. Liebevoll Händels d-Moll-Orgelkonzert op. 7 Nr. 4 in der Version Alexandre Guilmants.

Mit das bedeutendste Klavierwerk Mendelssohns sind die "Variations sérieuses" op. 54. Die ja auch auf der Orgel keine schlechte Figur machen. Ben van Oostens Konzert in St. Peter war hochkarätig und in höchstem Maße seriös. Aus den Variationen des Mendelssohn-Werks machte er gleichsam ein Orgelporträt. Arioses, Virtuoses, Skurriles, Scherzonahes, Solozunge: Alles war da. Grundstimmig, leise und in Moll der Kehraus. Keine Frage: Man hatte in St. Peter einen großen Organisten gehört.

Weitere Konzerte: 18. August: Thomas Ospital (Paris) / 25. August: Nathan Laube (Rochester) / 1. September: Simon Johnson (London), jeweils Sonntag, 17 Uhr,
Barockkirche, St. Peter. BZ-Kartenservice Tel. 0761/4968888 sowie bz-ticket.de
Weitere Infos unter:
http://www.barockkirche-st-peter.de