IHK-Konjunkturumfrage

Der Pessimismus in der südbadischen Wirtschaft wächst

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Do, 12. Mai 2022 um 18:50 Uhr

Wirtschaft

Die südbadische Wirtschaft schaut sehr besorgt in die Zukunft. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein

"Es regnet zwar noch nicht, aber der Himmel ist voller dunkler Wolken." Mit diesen Worten fasste Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein, die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage zusammen. Die Geschäftserwartungen der Kammerbetriebe in Südbaden sind zum Frühsommer massiv eingebrochen – vergleichbar mit dem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020.

Der Ukraine-Krieg, stark erhöhte Kosten, steigende Zinsen und der fortdauernde Mangel an Fachkräften sind nur einige der Gründe, warum viele Manager in der Region pessimistisch in die Zukunft schauen. Rund 270 Firmen haben bis Mitte April an der IHK-Konjunkturumfrage teilgenommen.

"Der Ukraine-Krieg führt zu großer Verunsicherung. Das ist eine starke Belastung auf der Nachfrageseite, ebenso wie Inflationsängste." Dieter Salomon
Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Aufschwungphase im Anschluss an den Corona-Konjunktureinbruch nun wieder vorbei ist – ohne dass die Dynamik der Vor-Corona-Phase erneut erreicht worden wäre. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der Werte von 0 bis 200 annehmen kann, verlor im Vergleich zum Jahresbeginn 20 Punkte und liegt nun bei 107 Punkten. Werte über 100 Punkte gelten zwar grundsätzlich als positiv, denn von einer Rezession ist erst bei Werten darunter auszugehen. Allerdings ist das Minus ungewöhnlich kräftig.

Ausschlaggebend für den Rückgang ist in erster Linie der Einbruch bei den Erwartungen bezüglich der Geschäftsentwicklung. 31 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass die kommenden zwölf Monate schlechtere Geschäfte für sie bringen, nur 19 Prozent sehen für sich noch eine positive Tendenz.

Geschäftserwartungen in der Baubranche haben sich verschlechtert

"Der Ukraine-Krieg führt zu großer Verunsicherung", sagte Salomon. "Das ist eine starke Belastung auf der Nachfrageseite, ebenso wie Inflationsängste....Der Fachkräftemangel ist nach wie vor ebenfalls ein erschwerender Faktor", so der Hauptgeschäftsführer. Dass die Zentralbanken derzeit dabei sind, die Zinswende zu vollziehen, und somit Kredite künftig wohl wieder teurer werden, entfalte ebenfalls eine Bremswirkung. Die noch immer gestörten Lieferketten seien ein weiterer Problemfaktor auf der Angebotsseite. Markant ist der Einbruch bei den Geschäftserwartungen in der Baubranche in Südbaden. Auch in der Industrie, im Handel und im Gastgewerbe sind die Erwartungen überwiegend negativ. Nur der Dienstleistungssektor bewahrt noch einen leicht positiven Ausblick.

"Wir gelten zwar als systemrelevant und würden wohl weiter Erdgas erhalten – aber das nützt wenig, wenn unsere Lieferanten nicht produzieren und liefern können, etwa Tetrapacks, Becher und Deckel." Andreas Schneider
"Die aktuelle Phase ist auf meiner Sicht die schwierigste Zeit, die ich als Geschäftsführer bei Schwarzwaldmilch bisher erlebe", sagte Andreas Schneider, Chef bei der genossenschaftlichen organisierten Molkerei. Die Kostenbelastungen sowohl für die Milchbauern als auch für die Genossenschaft seien enorm. "Beim Dünger haben wir Preisaufschläge von bis zu 100 Prozent, ähnlich sieht bei uns bei manchen Verpackungsmaterialien aus." Man werde um Preisanpassungen in den Supermarktregalen nicht herumkommen. Eine Gasknappheit könne sich sehr negativ auswirken. "Wir gelten zwar als systemrelevant und würden wohl weiter Erdgas erhalten – aber das nützt wenig, wenn unsere Lieferanten nicht produzieren und liefern können, etwa Tetrapacks, Becher und Deckel."