Der pure Spaß am Musizieren

Paul Eischet

Von Paul Eischet

Mo, 04. November 2019

Schönau

Projekt X setzt besondere musikalische Akzente und zugleich den Schlusspunkt hinter die 5. Wiesentäler Kulturwochen.

SCHÖNAU. Mit einem Auftritt der Band Projekt X fanden am Samstag die 5. Wiesentäler Kulturwochen ihren Abschluss. Das ungewöhnliche Trio begeisterte mit seinem über zweistündigen Konzert im Schönauer Bürgersaal die zahlreichen Besucher.

Die Kulturwochen: Am 18. Oktober hatten die in Schönau veranstalteten "Wiesentäler Kulturwochen" begonnen. Eine Ausstellung mit Bildern von Malerin Angelika Hammerlik, Valentina Reiter und Bernd Götz konnten besichtigt werden. Neben einem Kasperletheater wurden Konzerte des Schopfheimer Duos "D’Knaschtbrüeder" und der deutsch-mexikanischen Mezzosopranistin Carolina Bruck-Santos geboten. Einen musikalischen Schlusspunkt setzte nun das dreiköpfige Ensemble Projekt X.

Die Band: Projekt X, das sind Heiko Schöne (Gitarre, Gesang), Simone Strohmeier (Violine, Gesang) und Sascha Eichin (Cajon, Gesang). Simone Strohmeier, der einzige professionelle Part der Band, studierte an den Hochschulen für Musik in Basel und Luzern. Sie ist eine gefragte Kammermusikerin und unterrichtet an der Kreismusikschule Pratteln. Bis 2010 leitete sie den Musikverein Fröhnd. Bei ihrem Abschlusskonzert gastierte Heiko Schöne als Sänger, der zu dieser Zeit in der im Wiesental recht erfolgreichen Coverband "Just Listen" spielte. So begann eine zunächst sporadische Zusammenarbeit. Später kam Schönes Arbeitskollege Sascha Eichin als Cajon-Spieler hinzu, und eine kleine Band war geboren.

Der Name Projekt X entstand spontan auf einer der Proben und wurde seitdem beibehalten. Das X steht für die gewollte Ungewissheit, wohin die musikalische Reise geht. Am 14. Februar 2014 hatte das Trio Projekt X seinen ersten Auftritt in Badenweiler. Fortan spielte man vornehmlich auf Hochzeiten und Familienfesten. Die Auftritte im Rahmen der Wiesentäler Kulturwochen – bereits im Vorjahr war Projekt X mit von der Partie – sind die ersten größeren Konzerte der Band.

Das Konzert: Projekt X greifen beherzt in den unerschöpflichen Fundus populärer Musik und entnehmen für sich, was gefällt. Auch wenn Eigenkompositionen in Planung sind, beinhaltet das derzeitige Repertoire des Trios ausnahmslos Coverversionen bekannter Hits. Hier vermochte die Band bislang sehr Unterschiedliches für sich zu entdecken. So reihte sich in ihrem Konzert denn auch Pop an Irish Folk, Filmmusik an Schlager und Rock an Volksmusik. Los ging es mit "Viva La Vida" von Coldplay – und gleich zu Beginn ließ Heiko Schöne mit seiner warmen Tenorstimme aufhorchen. Es folgten bekannte Titel von Mark Forster, Lewis Capaldi, Die Ärzte, Adel Tawil, Foreigner und der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, allesamt Songs mit hohem Wiedererkennungswert. Sowohl "La Pastorella" – angekündigt als ein Lied "aus Zeiten ohne Handy auf der Alm" – als auch "Ich wollte nie erwachsen sein" aus Peter Maffays Drachengeschichte "Tabaluga" sorgten für melancholische Momente.

Erst Howard Carpendales "Hello Again" verleitete die Zuhörer zu spontanem Mitsingen. Überhaupt war der erste Konzertteil hauptsächlich von Balladen und besinnlichen Titeln geprägt. Die Zuhörer lauschten still und versonnen der Musik, was die drei Musiker – nach eigener Aussage an eine so aufmerksame Zuhörerschaft nicht gewöhnt – kurzzeitig sogar ein wenig aus dem Konzept brachte.

Beschwingter ging es nach der Pause zur Sache. Bei "Lieblingsmensch" von Namika und dem Filmsong "Shallow (A Star Is Born)" konnte Simone Strohmeier neben ihren instrumentalen Fähigkeiten auch ihre gesanglichen Qualitäten eindrücklich unter Beweis stellen. Einen von ihr auf der Geige temperamentvoll gespielten Jig honorierte das Publikum mit lautstarkem Beifall. Lieder von The Hooters, Mumford & Sons und Udo Jürgens verführten das Publikum immer wieder zu eifrigem Mitklatschen und Mitsingen.

Ohne Zugaben wollten die begeisterten Besucher Projekt X nicht davonkommen lassen. In einer interpretierte Heiko Schöne einen Titel des belgischen Songwriters Milow, und das auf überraschende Weise: Er hatte den im Original englischsprachigen Text umgeschrieben und sang den Song auf Alemannisch.

Projekt X präsentierte sich mit ihrem Auftritt in Schönau allein schon aufgrund ihrer außergewöhnlichen Besetzung als eine interessante und in ihrer Art einzigartige Band. Da sind drei Musiker, die einfach mal was ausprobieren. Mut zu unbedarftem Experimentieren und Andersklingen, eine wohltuende Respektlosigkeit gegenüber den Originalen, und der pure Spaß am Musizieren sind Markenzeichen des Wiesentaler Trios. Und dafür bedankten sich die Zuhörer mit herzlichem und lang anhaltendem Applaus.