Der rote Faden ist die Liebe

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 30. Oktober 2019

Grenzach-Wyhlen

Premiere in Deutschland: Die Musical-Company und ihre Gäste aus Russland zeigen beeindruckende Revue im Bürgersaal.

RHEINFELDEN. Am Ende stehen 72 junge Musical-Akteure gemeinsam auf der Bühne, bilden eine beeindruckende Einheit und singen stimmstark im Chor "Einer für Alle" aus dem Musical "Drei Musketiere". Dass Musik verbindet und Grenzen überwindet, zeigte sich auf mitreißende Art bei diesem gemeinsamen Auftritt der Musical-Company des Lise-Meitner-Gymnasiums und des Jungen Theaters "Premier" aus dem russischen Twer am Montagabend im Bürgersaal.

"Musik für den Frieden" ist das ungewöhnliche Gemeinschaftsprojekt überschrieben, bei dem die jugendliche Musicalgruppe vom Hochrhein und ihre Gäste aus Russland Auszüge aus verschiedenen Stücken zu einem fantastischen Programm zusammen gemischt haben.

"Musik überwindet Sprachbarrieren", rollte eingangs LMG-Schulleiter Frank Schührer noch mal die Geschichte des Projekts auf, das auf Initiative von Thomas Vogt zustande kam. Im September waren die jungen Musikdarsteller aus Grenzach-Wyhlen in Twer zu Gast (die BZ berichtete), nun kamen die russischen Schüler der Theatergruppe des Gymnasiums Nr. 12 zum Gegenbesuch: ein anregender Austausch zwischen Schülern und Familien aus Russland und Deutschland.

Traut vereint stellten sich Thomas Vogt und sein russischer Kollege Andrej Korjakov dem Publikum vor, wobei Elena Nichiporovich hilfreich dolmetschte. Als roten Faden hat Korkajov eine russisch-deutsche Liebesgeschichte in das Programm hinein gewoben. Da verliebt sich der charmante Kostja (Konstantin Shidlo) aus Russland schwärmerisch in die bezaubernde Isabell (Isabell Schneider), die in den "Drei Musketieren" die Königin spielt, und es entspinnt sich eine zarte Romanze. Rhythmisch voller Verve und mit dynamischem Sound begleitet wurden die jungen Darsteller von Thomas Vogt am Schlagzeug, Ulrike Vogt am Keyboard, Thomas Bergmann an der Gitarre und Maximilian Koppmann am Bass. Auch ein Stromausfall im zweiten Stück brachte die Akteure nicht aus dem Konzept, die technische Panne wurde mit Popsongs zum Mitsingen überbrückt.

Den Besuchern im vollen Saal bot sich ein Bilderbogen an traumhaften Choreografien und starken Songs, angefangen bei der zugkräftigen lebhaften Nummer "Sensation" aus "Canterville". Auch in "Der Traum" und dem Lied der Matrosen aus "Das scharlachrote Segel" harmonierten die beiden Gruppen fantastisch. Wie die Schiffsleute stimmgewaltig mit kraftvollen Bewegungen in dem Matrosenlied agierten, machte ebenso viel Effekt wie die stürmische Szene mit heftig wogendem Schiff in der Nummer "Die Überfahrt". In prachtvollen Kostümen tanzten und sangen die Jugendlichen stilsicher in der höfischen Szene "Vive le Roi".

Das russische Ensemble beeindruckte mit einer märchenhaft getanzten und gesungenen Szene aus "Der Sternenjunge", in der Roman Kolbanov als Sternensohn ein tolles Solo sang. Im Gebet der Mutter aus "Das scharlachrote Segel" zog die Solistin Julia Kovalkova mit expressiver und anrührender Stimme in Bann, begleitet von mönchischen Gestalten in Kapuzen: eine mystische, geheimnisvolle Szene.

Die Sängerin brillierte auch in einem wunderschönen Lied aus "Goldene Feder" mit strahlender Stimme, umgeben von Tänzerinnen in schmucken roten Kostümen mit Blütenkränzen. Auch in Ausschnitten aus "Der wunderbare Ring" und im Requiem aus "Zwei Pfeile", modern getanzt in einer hochexpressiven Choreografie, zeigten die russischen Gäste ihre dynamische Bühnenausstrahlung, Temperament und tänzerische und sängerische Qualität.

Die Musical-Company eroberte die Zuschauer mit Auszügen aus "Drei Musketiere". In "Wer kann schon ohne Liebe sein" bezauberten Isabell Schneider, Maike Lahr und Romina Daszynski, ausstaffiert in prächtigen Reifröcken, mit sehnsuchtsvollem Gesang. In dem schwelgerischen Duett "Alles" legten Chiara Chambers und Sina Kowatzki viel Gefühl in ihre Stimmen. In dem Song "Männer" der Milady de Winter gab sich Maike Lahr herausfordernd und aufreizend. Stimmgewaltig präsentierte sich Solist Thomas Greiner in "O Herr" und "Glaubt mir", Szenen voller Intensität. Im Schlusssong traten alle gemeinsam auf mit den Helden aus den "Drei Musketieren", die ihre Degen zückten und die Freundschaft beschworen: "Einer für Alle – Alle für Einen." Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum die Akteure, die in dieser Woche noch weitere Konzerte in der Region geben.

Aufführungen: Mittwoch, 30. Oktober, 19 Uhr, Kurhaus Badenweiler sowie Freitag, 1. November, Ludwigskirche Freiburg, ebenfalls 19 Uhr.