Aufatmen an der Weltcupschanze

Der Schneekontrolleur war da

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Do, 09. Januar 2020 um 17:43 Uhr

Titisee-Neustadt

Der Schneekontrolleur des DSV bestätigt, dass es reichen müsste für das Weltcupwochenende

TITISEE-NEUSTADT. Punkt 11.22 Uhr wird Joachim Häfkers Lächeln immer breiter. Joachim Bruder, Schneekontrolleur des Deutschen Skiverbands (DSV), zückt das Telefon und ruft Rudi Tusch an. Dass der DSV-Funktionär, offizieller Schneebeauftragter, gerade keine Zeit hat für ein ausführliches Gespräch, spielt keine Rolle: Der Neustädter Skisprung-Weltcup ist gesichert, im grünen Schmiedsbachtal sollte der Schnee reichen zur Ausrichtung der Wettkämpfe.

Generalsekretär Häfker hatte sowieso keine Zweifel daran. Morgens saß er auf dem Bock des Pistenbullys, der neben dem Funktionsgebäude den Schneeberg auf gut 1,60 Meter Höhe niederwalzte, zwölf Meter tief und 32 "große Schritte" lang ergab eine einfache Rechnung: Ergibt satte 650 Kubikmeter, von denen noch 300 Kubikmeter benötigt werden, um die Schanze samt Anlauf vollends zu belegen. Der Auslauf ist angefüllt und auch der Aufsprung von unten nach oben geweißelt bis zur Marke 90 Meter, auf die restliche Strecke kommen die 300 Kubikmeter. Die übrigen 350 Kubikmeter verbleiben als Reserve. Wobei: "Es gibt diesmal kein ’für den Fall der Fälle’", gemeint ist, falls es unter einem Wärmeeinbruch und Regen doch noch eng werden sollte, wie ein der Helfer des Schanzenteams im Brustton der Überzeugung gesagt hat.

Die beiden Joachims sind sich gleich einig. Bruder bestätigt Häfkers Einschätzung, im Notfall bekäme man einen Haufen Weiß aus Hinterzarten spendiert. Der 79-Jährige aus Bad Griesbach ist Skisprung-Urgestein, hat den jungen Häfker als Springer erlebt, war fast alles, vom Sprungrichter bis zum Technischen Delegierten, und reist noch als Tuschs rechte Hand von Schanze zu Schanze: Neustadt, Hinterzarten, Schonach.

Die Neustädter ernten die Früchte der vergangenen zwei Wochen, die nachts so kalt waren, dass es reichte, um die Schneilanzen einzusetzen. Heute wird der Schnee vom Depot auf die Schanze gebracht, am Samstag der Anlauf angelegt, dann ist die Herkulesarbeit geschafft und folgen bis Mittwoch Restarbeiten.

Am Donnerstag wurden gleich die Nationen informiert, damit sie von Predazzo im Val de Fiemme, wo sie am kommenden Wochenende im Grünen springen werden – wie überall, selbst bei der Vierschanzentournee –, direkt in den Hochschwarzwald anreisen können.

Auch wenn der Donnerstag gefühlt ein Feiertag war und die Wetterprognose für die nächsten zehn Tage ordentlich erscheint: Gebangt hatten Häfker & Co schon. "Wir sind uns dessen bewusst, was auf dem Spiel steht", sagt der Generalsekretär. Der Weltcup im Dezember 2018 weggespült bei 60 Liter Regen pro Quadratmeter, für den Continentalcup vor wenigen Tagen reichte der Schnee nicht. Eine neuerliche Absage hätte nicht nur die Helfer in ein Motivationsloch gerissen, wie er vermutet, nach erneut viel Arbeit erneut enttäuscht zu werden. Es wäre dann auch wieder losgegangen, wie sehen die Verbände die Lage. Obwohl: Skispringen in dieser Saison ist bisher ja durchweg Wintersport im Grünen.

Die Vorzeichen sonst für das Weltcupwochenende: 800 Helfer strengen sich an, 10 000 bis 11 000 Zuschauer über alle drei Tage würden Häfker freuen, mehr noch mehr, versteht sich. Für die Zuschauer ändert sich nichts an den Preisen, nicht einmal beim Wurstwecken. Und Neustadt wird zwei Premieren erleben, nämlich Bürgermeisterin Meike Folkerts als Präsidentin des Organisationskomitees, die wie ihr Vorgänger in Gesprächen mit den Vertretern des DSV und des Landessportverbands um Unterstützung verhandeln wird, und das Schwarzwaldhaus, die warme Stube, in der die Athleten warten, bis sie auf den Happlebalken dürfen, kann erstmals genutzt werden. Beim letzten Weltcup versaute das Wetter die Inbetriebnahme. Diesmal sollte nichts schiefgehen, "schließlich ist das Haus von den Pfarrern gesegnet worden", sagt Häfker – und lächelt ganz breit.

Weltcupskispringen Titisee-Neustadt: Freitag, 17. Januar, 18 Uhr: Qualifikation. Samstag, 18. Januar, 16 Uhr: 1. Weltcup-Einzelspringen. Sonntag, 19. Januar, 15.15 Uhr: 2. Weltcup-Einzelspringen. : Freitag, 17. Januar: 14 Uhr Stadionöffnung, 16 Uhr offizielles Training, 18 Uhr Qualifikation