Tiere in der Stadt (3)

Der Steinmarder ist ein unbeliebter Nachbar

sge

Von sge

Fr, 20. Mai 2016 um 00:00 Uhr

Freiburg

Er durchbeißt Bremsschläuche und macht nachts Lärm. Weder im Motorraum noch im Dachstuhl ist der Steinmarder als Nachbar beliebt.

Autofahrer mögen ihn nicht besonders gern, und auch Hausbesitzer freuen sich nicht, wenn es sich der laute Mitbewohner im Dachstuhl gemütlich gemacht hat. Denn vergrämen lässt sich der Steinmarder nur selten. Schließlich bietet die Stadt dem scheuen Tier alles, was es braucht: Unterschlupf, Nahrung und viele Möglichkeiten, seinen Spieltrieb auszuleben.

Warum kommt der Steinmarder in die Stadt?

Egal ob im Wald, in den Bergen, auf dem Land oder mitten in der Stadt – der anpassungsfähige Steinmarder fühlt sich überall wohl und kann als "Nahrungs-Opportunist" bezeichnet werden. Auf der Internetseite "Wildtiere in der Stadt" der Universität Freiburg ist der Speiseplan aufgelistet. Neben Obst und Beeren ernährt sich der Kulturfolger von Mäusen, Ratten und Insekten. Wenn es ihm möglich ist, erbeutet er auch gerne Vögel oder Vogeleier.

Zu Gesicht bekommt man das kleine Raubtier nur nachts, tagsüber zieht es sich in ein Versteck zurück, das es regelmäßig wechselt. "In Dachstühlen alter Häuser fühlt er sich besonders wohl", sagt Fanny Betge, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Studiengangs Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Uni Freiburg. Und er kommt auch fast überall hin: Marder können gut klettern, schwimmen und springen und zwängen sich auch durch schmale Ritzen.

Das alles machen sie im Alleingang, nur Jungtiere kommen in der Nacht raus und tollen miteinander. Später markieren sie ihr Gebiet mit einem Duftsekret und verteidigen es auch gegenüber Artgenossen.

Wie läuft das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier?
Beim Kaputtmachen ist das kleine Tier ganz groß: So hat ein Marder beispielsweise den größten Teilchenbeschleuniger der Welt lahmgelegt, indem er einen Kurzschluss auslöste. Wie er in die Riesenmaschine gekommen ist, bleibt ein Rätsel. Laut dem Europäischen Kernforschungszentrum Cern war allerdings von dem Tier am Ende nicht mehr viel übrig, es überlebte die Entdeckungstour nicht.

Dass es immer wieder zu Problemen zwischen Mensch und Marder kommt, weiß auch Andreas Schäfer vom städtischen Forstamt. Denn dort können sich besorgte oder genervte Bürger melden, bei denen sich ein Steinmarder im Dachstuhl eingemietet hat, der nachts Lärm macht oder alles verdreckt. "Viel kann man da meist nicht machen", sagt Schäfer. Experten könnten zwar das Tier mit einer Lebendfalle fangen und alle Hohlräume dicht machen, doch: "Das ist ein riesiger Aufwand." Meist bliebe nur, den Dreck zu entfernen und eine wasserdichte Auflage auszulegen, damit Urin und Kot nicht durch den Boden sickern. "Man kann sich mit dem Tier arrangieren."

Die Sache selbst in die Hand zu nehmen und das Tier mit einer Lebendfalle zu fangen, ist laut Schäfer nicht erfolgsversprechend. "Ein anderes Tier wird das Revier danach wieder besetzen." Außerdem könnte sich der Steinmarder bei der Fangaktion verletzen.

Wie kann das Auto mardersicher gemacht werden?
Steinmarder suchen das Innere von Autos nicht nur auf, weil es dort warm und trocken ist, sondern auch weil sie dort ihren Spieltrieb ausleben können. "Sie wollen alles erkunden", sagt Wissenschaftlerin Fanny Betge, "und knabbern dann eben auch an Schläuchen." Wenn eines der Raubtiere in ein Fahrzeug kriecht, in dem zuvor ein anderes seine Duftmarken hinterlassen hat, werde es aggressiv – ein Verhalten von Revierverteidigung, sagt Betge. Das Resultat sei dasselbe: kaputte Kühlwasserschläuche und Zündkabel.

"Die meisten Vergrämungsversuche wie Duftsprays nützen nichts", sagt Betge. Wirksam sei dagegen Maschendraht, den man unter dem Motorraum auslegt. "Der Marder erschrickt, wenn er drüber läuft", so Betge. Auch von Elektroschocks – dafür gibt es spezielle Geräte – lasse sich das Tier meist vertreiben.
Informationen & Hilfe

Weitere Infos gibt es entweder online auf Wildtiere in der Stadt: Steinmarder oder beim Forstamt unter Tel. 0761/201-6201.

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