Schiltach / Herbolzheim

Der südbadische Autozulieferer BBS streicht 160 Arbeitsplätze

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Mi, 28. April 2021 um 13:05 Uhr

Wirtschaft

Abschied vom Massengeschäft: Der südbadische Autozulieferer BBS richtet sich neu aus. Bei dem insolventen Unternehmen werden voraussichtlich 160 Arbeitsplätze verloren gehen.

Wie Stefan Prutscher, Gewerkschaftssekretär der IG Metall in Freudenstadt mitteilte, will sich der Radbauer nach der geplanten Übernahme durch die schwäbische KW-Automotive-Gruppe im Juni auf das Aftermarket-Geschäft konzentrieren. Im Aftermarket-Geschäft werden Räder im Fachhandel oder im Onlinehandel angeboten, mit denen Autoliebhaber ihre Fahrzeuge im Nachhinein aufrüsten können.

Bislang ist BBS auch im Erstausrüstungsgeschäft von Autoherstellern tätig. Es werden also Räder produziert, die von den Autobauern direkt bei der Herstellung der Fahrzeuge verwendet werden. Nach Einschätzung von Experten war dieser Geschäftszweig jedoch nie dauerhaft gewinnbringend. Den guten Ruf und die lange positive wirtschaftliche Entwicklung bis zu Beginn des neuen Jahrtausends verdankte BBS dem Aftermarket-Geschäft und der Entwicklung neuer Technologien.

Abschied vom Massengeschäft

Der Abschied vom Massengeschäft mit den Autobauern bedeutet aber, dass weniger Mitarbeiter benötigt werden. Laut IG Metall sollen deshalb 160 Arbeitsplätze abgebaut werden. 280 Beschäftigungsverhältnisse bleiben dagegen bestehen. An beiden Standorten in Schiltach und Herbolzheim wird weiter produziert, teilte Stefan Prutscher mit.

Angesichts der Jobstreichungen haben Betriebsrat, IG Metall und Insolvenzverwaltung einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt. Er sieht unter anderem eine Transfergesellschaft vor, in die alle von den Jobstreichungen Betroffenen wechseln können. Die Transfergesellschaft hat eine Laufzeit von sieben Monaten. Die dort Beschäftigten erhalten 85 Prozent ihres ursprünglichen Netto-Entgelts.

Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag

Außerdem verhandelt die IG Metall mit dem Erwerber Klaus Wolfarth über einen Sanierungstarifvertrag. In ihm soll ein finanzieller Beitrag der verbliebenen Beschäftigten zur BBS-Sanierung geregelt werden.

"Eine Verweigerung der IG Metall einen Sanierungstarifvertrag zu verhandeln, könnte das Aus von BBS bedeuten, da dies ein klare Kaufbedingung darstellt.

Der Erwerb von BBS durch die KW Gruppe ist für BBS die einzige und letzte Chance wieder ein erfolgreiches Unternehmen zu werden. Es wird weiterhin an den beiden Standorten Schiltach und Herbolzheim produziert. Andere Interessenten wollten einzig und allein den Markennamen BBS um dann irgendwo in der Welt Räder mit diesem Namen zu produzieren. Für die beiden Standorte, hätte dass das sichere Aus bedeutet", sagte Prutscher.

Für die BBS ist das derzeit laufende Insolvenzverfahren das dritte in der Unternehmensgeschichte.
Die Insolvenzgeschichte der BBS

2020 hat der südbadische Felgenhersteller BBS Insolvenz angemeldet, zum dritten Mal nach 2007 und 2010. Fehler in der Unternehmenssteuerung und steigende Kosten bei der Herstellung von Leichtmetallfelgen hatten zur ersten Zahlungsunfähigkeit geführt. Ende 2010 folgte der nächste Insolvenzantrag. 2012 stieg die österreichische Beteiligungsgesellschaft Tyrol Equity ein. Drei Jahre später kam die 1970 gegründete BBS in asiatische Hand. Aber die Südkoreaner wurden mit BBS ebenfalls nicht glücklich. bkr/bz