Der Tanz als Ritual

Michael Baas

Von Michael Baas

Mi, 14. April 2021

Theater

Der brasilianische Tänzer Ismael Ivo ist gestorben.

Ismael Ivo war einer der Großen im zeitgenössischen Tanz. Sein Gastspiel im Lörracher Burghof 2002 mit einer Choreografie zu Jean Genets Stück "Die Zofen" blieb nicht nur durch die skulpturale Körperlichkeit in Erinnerung, die der brasilianische Tänzer auf die Bühne brachte. Haften blieb auch, wie Ivo im Duo mit Koffi Kôkô unterschiedliche Emotionen und Affekte in ritualisierte Bewegung übersetze. Dieses aufgeladene Spiel mit Ritualen war typisch für den Tänzer, Choreografen und späteren Direktor der Tanz-Biennale von Venedig. Ivo verortete die Ursprünge des Tanzes im Ritual und hat dieses Verständnis seit den 80er-Jahren in Europa vermittelt und verbreitet. Vergangene Woche ist er im Alter von 66 Jahren in seiner Geburtsstadt São Paolo an Covid-19 gestoben. Dorthin war dieser "Protagonist des postmodernen Tanzes", wie ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrem Nachruf nennt, 2017 zurückgekehrt – nach 30 Jahren in Europa, darunter von 1996 an für rund zehn Jahre als Leiter der Tanzsparte des deutschen Nationaltheaters in Weimar.