Vereint im Verein

Der Verein Resqship kämpft gegen das Sterben im Mittelmeer

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 14. Februar 2018 um 00:00 Uhr

Freiburg

Die Freiburger Gruppe des Vereins Resqship ist eine der aktivsten bundesweit und will Menschen retten. Sie wollen das Elend, das sich im Mittelmeer abspielt, an die Öffentlichkeit bringen.

Das Mittelmeer ist von Freiburg aus weit weg. Doch die überwiegend jungen Mitglieder und Engagierten in der Freiburger Gruppe des bundesweiten Vereins Resqship wollen das Elend, das sich dort abspielt, auch hier in die Öffentlichkeit bringen. Sie kämpfen dafür, dass in Zukunft keine Flüchtlinge mehr ertrinken müssen.

Immer wieder taucht jemand auf im großen Foyer beim "Treffpunkt", der Anlaufstelle für Engagierte am Schwabentor, und schaut sich suchend um: "Raum sechs", sagen Julian Feigl (20), Alexander Supady (37) und Laura Fabich (20) dann. Dort hat sich der Verein Resqship am Montagabend zum ersten Mal getroffen, bisher war die Gruppe auf Kneipen ausgewichen. Dass es jetzt einen festen Ort gibt, finden alle gut – er steht symbolisch für ihr Ziel, sich in Freiburg immer fester zu verankern.

Dafür, dass es sie erst seit ein paar Monaten gibt, haben sie viel auf die Beine gestellt: Beispielsweise, als sie im Dezember beim Tag der Menschenrechte von der Stadtverwaltung einen Raum im Historischen Kaufhaus für ihren Vortrag bekamen oder wenn sie so oft wie möglich mit ihren Info-Ständen in Erscheinung traten. Zu den Aktivitäten für Geflüchtete, die es in Freiburg gebe, seien sie eine wichtige Ergänzung, betont Alexander Supady. Die anderen kümmern sich meist um diejenigen, die irgendwann am Ende ihrer Flucht in Freiburg gestrandet sind.

Die Resqship-Leute dagegen wollen die Bevölkerung wachrütteln, damit die humanitären Katastrophen auf dem Mittelmeer gestoppt werden. Als Arzt fühlt Alexander Supady, der in der Kardiologie an der Uniklinik arbeitet, eine besondere Verpflichtung. "Wir können doch nicht akzeptieren, dass Menschen ertrinken, nur weil wir sie nicht aufnehmen wollen", sagt er, und betont: "Es ist selbstverständlich, dass man Menschen in Lebensgefahr rettet – wie wir das auch bei jedem Autounfall tun."
Resqship

Gegründet:
Juni 2017
Mitglieder: 10, außerdem gibt es rund 25 Aktive in Freiburg, die keine Mitglieder sind, zum Mitarbeiten ist kein Beitritt nötig
Mitgliedsbeitrag: 24 Euro/Jahr
Aktivitäten: Treffen an jedem zweiten Montag im Monat, 18 Uhr, im "Treffpunkt", Schwabentorring 2; Öffentlichkeitsarbeit zu den Hintergründen von fliehenden Menschen auf dem Mittelmeer, mit Info-Ständen, Veranstaltungen, Vorträgen; Spendenkampagne für das Ziel, ein Schiff zu kaufen und dauerhaft einzusetzen, das Menschen im Mittelmeer vor dem Ertrinken rettet
Kontakt: http://www.resqship.org

Dass das in den vergangenen Jahrzehnten nicht funktioniert habe, zeige, wie nötig die Arbeit von Resqship sei. Erst recht, weil sich die politischen Tendenzen durch das Erstarken der AfD und dessen Auswirkungen auf die anderen Parteien immer stärker auf die Abwehr von geflüchteten Menschen richten würden. Alexander Supady hat das Ohnmachtsgefühl erlebt, wenn man das Sterben von Menschen auf der Flucht nicht nur weit weg auf dem Fernsehbildschirm beobachtet: Er war im vergangenen Sommer zwei Wochen bei einem Seenotrettungseinsatz dabei.

Dort hat er Menschen vor seinen Augen ertrinken sehen, weil nicht alle rechtzeitig ins Boot gezogen oder mit Schwimmwesten versorgt werden konnten. An der Uniklinik erzählte er viel davon, so kam auch Julian Feigl dazu, der eine Ausbildung zum Krankenpfleger macht.

Irgendwann möchte Laura Fabich an einem Rettungseinsatz teilnehmen. Ihr ist klar, dass sie sich darauf vorbereiten muss – auch psychisch. Deshalb ist sie froh, dass es die Freiburger Gruppe gibt, in der sie sich neben ihrem Studium der Kulturanthropologie und Kommunikationswissenschaften engagiert. Die meisten sind Studierende, alle sind jung. Freiburg sei einer der aktivsten Orte, sagt Alexander Supady, der nach seinem Rettungseinsatz mit anderen Mitstreitern den Verein gegründet hat, andere Gruppen sind zum Beispiel in Bochum und Hamburg. Das eigene Schiff, das sie anstreben, koste 400 000 Euro, dazu kämen mindestens 40 000 Euro Unterhaltskosten im Monat. Da gibt’s noch viel zu tun. Das gilt erst recht für das viel größere Ziel einer gerechteren Welt, in der Menschen nicht fliehen oder zumindest nicht bei einer Flucht ihr Leben riskieren müssen.
Freitag, 23. Februar, 19.30 Uhr: "Beyond Borders", im Kulturaggregat, Hildastraße 5. Ein Abend mit der Ethnologin Corinna Rauer und dem Filmemacher Dschafar El Kassem über ihren Filmtrailer, der im Sommer 2017 an EU-Außengrenzen entstand. Daraus soll ein Dokumentarfilm werden. Außerdem gibt’s Vorträge von Alexander Supady und Veit Cornelis von Resqship. Eintritt frei.