3. Bundesliga

Der zweiten Mannschaft des SC Freiburg steht ein großer Umbruch bevor

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 22. Mai 2022 um 09:13 Uhr

SC Freiburg

Der Sonntag Der SC Freiburg II hat in seiner ersten Drittliga-Saison Bemerkenswertes geleistet. Die Herausforderung war riesig: Am letzten Spieltag hat der Verein gleich zehn Spieler verabschiedet.

In Deutschland hat das zweite Team des SC Freiburg fast ein Alleinstellungsmerkmal. Nur noch die Reserve-Mannschaft von Borussia Dortmund spielt – wie der SC II – in der dritten Liga. Die Herausforderung ist riesig: Die U 23 will für die erste Bundesliga ausbilden und dabei gleichzeitig in der dritthöchsten bestehen. Dieses Jahr ist dem Sportclub dieses Kunststück gelungen.

Dreisamstadion an der Schwarzwaldstraße war mehrere Jahrzehnte lang die Pracht des SC Freiburg, dessen Bundesliga-Mannschaft am Samstagabend in Berlin erstmals im DFB-Pokalfinale stand und RB Leipzig im Elfmeterschießen unterlag. Ohne Pomp und Glanz, einfach aber durchaus mit Qualität. Und dabei mit ganz besonderem Charme: Der Platz im alten Stadion war fünf Meter zu kurz, der Höhenunterschied zwischen den Toren betrug einen Meter. Hier durfte jahrzehntelang nur mit Sondergenehmigung gekickt werden.

Thomas Stamm kennt die Arena gut. Sieben Jahre lang hat er als Cheftrainer der SC-U-19 die Spiele der Profis dort verfolgt. Seit vergangenem Sommer hat er selbst hier im Trainerstuhl gesessen. Denn vor der aktuellen Drittliga-Saison, die vor einer Woche endete, hat Stamm das Traineramt der U 23 übernommen.

Sein Arbeitsplatz an der Dreisamstraße glich seitdem fast schon einer Jobbeschreibung. Denn die U 23 kickt nun in einem richtigen Stadion. Und das in der dritthöchsten Spielklasse. Dabei aber bleibt die Reserve eine Art Durchlauferhitzer. Der Blick geht stets in Richtung des neuen Stadions im Nordwesten der Stadt. "Das Ziel ist es, jedes Jahr zwei bis drei Spielern zu ermöglichen, Erfahrung im Bundesliga-Team zu sammeln. Nicht in jedem Jahr gelingt das wie vergangene Saison gleich sechs Spielern", sagt Stamm.

Will heißen: In Stamms Team werden die Bundesliga-Kicker von morgen ausgebildet. Beispiel gefällig: Beim Halbfinal-Erfolg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV (3:1 für den Sportclub) standen bei den SC-Profis sechs Eigengewächse auf dem Platz, die einst in der Zweiten kickten. Und zuletzt sammelten in Kevin Schade, Kiliann Sildillia, Yannik Keitel, Noah Weißhaupt und Nishan Burkart gleich fünf Spieler der neuen U-23-Generation aus der Fußball-Schule Bundesliga-Erfahrung.

Für Stamm aber ergeben sich dadurch große Herausforderungen. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten in der dritten Liga muss der 39-Jährige ganz anders arbeiten. "Wir müssen sehr flexibel sein, trainieren oft die ganze Woche nicht mit dem Personal, mit dem wir dann am Wochenende spielen", erklärt der Fußball-Lehrer.

Probleme ergeben sich dadurch aber nicht nur für seine Trainingsgestaltung: "Viele Spieler erhalten erst knapp vor dem Spieltag die Information, ob sie im Kader der Bundesliga- oder Drittliga-Mannschaft sind. Auch das muss man eng begleiten." Dopamintechnisch kickt die Nachricht, ob man im Dreisamstadion oder im Europa-Park-Stadion spielt, ganz anders.

Und für den Verein ist die Weiterführung des Spielbetriebs in der alten Heimspielstätte für die U 23 und das Frauen-Bundesligateam eine gewaltige Aufgabe. "Bundesliga, dritte Liga, Frauen-Bundesliga, Stadionneubau: Durch diese Belastung sind wir in den vergangenen beiden Jahren hart an der Kante gegangen", sagt Sportvorstand Jochen Saier.

Zehn Spieler wurden verabschiedet

Neben diesen kniffligen Aufgaben muss Stamm diesen Sommer noch einen gewaltigen Wandel moderieren. "Der Umbruch wird groß sein, am letzten Spieltag haben wir zehn Spieler verabschiedet", sagt Stamm.

Johannes Flum (Karriereende), Alexander Bazdrigiannis (1. FC Schweinfurt), Enzo Leopold (Hannover 96), Claudio Kammerknecht, Sascha Risch, Stefan Ilic, Lars Hunn, Julius Tauriainen, Jakob Engel und Patrick Kammerbauer (alle Ziel unbekannt) werden in der kommenden Saison nicht mehr zum Drittligakader zählen.

Stamm gesteht, wie anstrengend die Spielzeit für den Aufsteiger war: "Nach der langen und kräftezehrenden Saison freue ich mich jetzt erstmal auf ein paar ruhigere Tage, in denen wir alle die Batterien aufladen und uns sortieren können. Danach setzen wir uns – wie das so üblich ist – zusammen."

Die U23 des SC hat die Runde 2021/22 auf einem stabilen elften Platz abgeschlossen. "Insgesamt ist das Fazit positiv. Wir hatten sehr stabile Phasen, dann Phasen, in denen wir etwas geschwommen sind, und dann wieder Phasen, in denen wir sehr beißen mussten", findet der Trainer.

Wenn es nach ihm ginge, dürften die stabilen Phasen in den nächsten Jahren länger andauern. Das würde zur Entwicklung der vergangenen Spielzeiten passen. Und wäre der neuen Heimspielstätte im Dreisamstadion angemessen.

Ob Thomas Stamm dann noch den Wandel moderiert? In der zurückliegenden Woche gab es Gerüchte, der Schweizer könnte als Coach bei den Young Boys Bern anheuern. Die Badische Zeitung berichtete, womöglich hätte auch Erstliga-Aufsteiger Schalke 04 ein Auge auf Stamm geworfen. Ob es stimmt? Der Verein teilte – wie stets – mit, dass er sich nicht an Spekulationen beteilige.