Zuschauerzahlen

Deutlich weniger Besucher bei Laufenburger Kulturtage

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 17. August 2022 um 21:00 Uhr

Laufenburg

Der Trend war auch bei den Laufenburger Kulturtagen sichtbar: Das Publikum wird weniger. Nach ihrer letzten Veranstaltung blickt Renata Vogt auf ihre lange Kulturarbeit zurück.

"Es war eine lange und sehr schöne Zeit, ich möchte sie nicht missen", sagt Renata Vogt nach den letzten Kulturtagen "Fließende Grenzen", die sie als Vorsitzende des grenzüberschreitenden Kulturausschusses beider Laufenburg organisiert hat.

Nach 23 Jahren Kulturarbeit hört Vogt Ende des Jahres im Kulturausschuss auf.

"Im Nachhinein sind es die vielen Begegnungen mit den Künstlerinnen und den Künstlern, aber auch mit den vielen Menschen im Publikum, die diese Kulturtage so spannend gemacht haben. Es war mit viel Arbeit und viel Engagement verbunden, aber ich habe es immer mit großer Leidenschaft gemacht", resümiert die Kulturmacherin, die viele Jahre das Gesicht, Herz und der Motor dieses Kulturfestivals auf beiden Seiten des Rheins war.

Weniger Veranstaltungen, weniger Zuschauer

Ihre letzten Kulturtage gingen mit weniger Veranstaltungen und mit einem spürbaren Rückgang der Besucherzahlen einher. Dies entspreche, wie Vogt in ihrer Bilanz sagt, einem "allgemeinen Trend" und "gesamtdeutschen und gesamtschweizerischen Phänomen". Die Auslastung bei Häusern im Theater-, Konzert- und Kabarettbereich liege im Moment bei 40 bis 60 Prozent. Diese Zahlen ließen sich auf die Kulturtage übertragen.

Vogt nennt Gründe, warum deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren zu den Veranstaltungen kamen: Zum einen seien viele Besucher gerade aus der älteren Generation wegen Corona noch vorsichtig mit dem Theater-, Kabarett- oder Konzertbesuch. Dazu kämen der Krieg in der Ukraine, die Kostenexplosion bei Energie, Gas, Heizung und die Unsicherheit, was der Herbst bringe. All dies wirke sich auf das Ausgeh-Verhalten des Publikums aus, wie allgemein in der Kulturbranche bemerkt werde. Auch der Faktor Hitze habe eine Rolle gespielt.

Den Auftakt mit "Troubadix auf Touren" und sechs Schweizer Liedermachern auf einer Zirkuswagen-Bühne am Laufenplatz sahen 150 Besucher bei zwei Vorstellungen. "Es war eine super Idee und eine schöne Stimmung", schwärmt Vogt von dem unterhaltsamen Liederspektakel am Rhein.

Publikumsmagnet Pippo Pollina vor halbvoller Halle

Auch bei dem sizilianischen Liedermacher Pippo Pollina, stets ein Publikumsmagnet, war es nicht so voll wie sonst. Immerhin kamen 230 Fans in die Stadthalle im schweizerischen Laufenburg, sodass dieser Auftritt des Sängers und seines Palermo Acoustic Quintetts die bestbesuchte Veranstaltung bei den Kulturtagen war. Früher, so Vogt, hatte er schon vor 400 Leuten gespielt.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Kulturtage fiel das Tango-Wochenende komplett aus, weil zu wenige Anmeldungen für die Kurse vorlagen. Ausgefallen ist auch der geplante Liederabend bei den Mary Codman Classics, allerdings wegen Erkrankung der Sängerin. Beim Erzähltheater von Ferruccio Cainero über die Amerika-Entdeckung von Kolumbus waren 60 Zuschauer im Rehmann-Museum.

Kindertheater litt unter der Hitze

Das Klassik-Publikum war dieses Mal nicht so zahlreich wie sonst zu erreichen. So saßen im Rahmen der "Jungen Klassik" gerade mal 25 Zuhörer beim Liederabend der Sopranistin Rahel Pailer und der Pianistin Julia Pleninger im Schlössle. Doch die wenigen, die da waren, waren restlos begeistert. Rund 30 Kinder verfolgten das Kinderkonzert "Filipp Frosch und das Geheimnis des Wassers" mit Julia Pleninger am Klavier und Sönke Wieck als Erzähler im Schlössle.

Ebenso unter der Hitze litt das Kindertheater "Jona und der Wal" mit Raphael Mürle, das nur 16 Kinder sahen. "Früher hatten wir schon 60 bis 80 Kinder beim Kindertheater", so Vogt. Rund 60 bis 70 Besucher verzeichnete man bei dem "Philosokomiker" Peter Spielbauer zum Abschluss. Bewusst waren bei diesen Kulturtagen weniger Veranstaltungen als vor Corona angesetzt, "um das Risiko etwas zu minimieren", so Renata Vogt. Sie ist den beiden Städten enorm dankbar, dass diese die Kulturtage von Anfang an so großartig unterstützten, und ist zuversichtlich, dass die Kultur trotz aller Krisen weiterlebt.