Missbrauchsskandal

Birnau – Terra Incognita für Zollitsch?

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Mi, 21. Juli 2010 um 07:35 Uhr

Deutschland

Hat Robert Zollitsch im Fall Birnau die Anti-Missbrauchs-Leitlinien der Bischofskonferenz nicht befolgt? Sein Ordinariat redet lieber über andere Dinge.

"Wo immer nämlich ein Verdacht vorliegt, muss es eine lückenlose und absolut transparente Aufklärung geben", hat Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch im Februar bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz erklärt. Er ist ihr Vorsitzender. "Wir deutschen Bischöfe drängen darauf, dass die früheren und teils lange zurückliegenden wie natürlich alle neueren Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen aufgeklärt werden."

Das Drängen ist seither mal mehr, mal weniger deutlich zu spüren. Die Freiburger Pressestelle zum Beispiel ist momentan eher schweigsam. Das war nicht immer so – weshalb es derzeit kaum einen Kirchenredakteur gibt, der nicht weiß, was eine Territorialabtei ist: Die neu benannte "Stabsstelle Kommunikation" hat mit der Erklärung wochenlang Statements garniert. Nur: Wozu?

Im Frühjahr berichteten die BZ und andere Medien über einen Fall von sexuellem Missbrauch, der sich Ende der 60er Jahre am Birnauer Zisterzienserkloster ereignete. Dessen Patres übernehmen seit 1946 rund um Birnau die Seelsorge. In der BZ hieß das Opfer Peter P., der bezichtigte Pater wurde Gregor M. genannt.

2006 meldete P. im Rahmen einer Therapie seinen Fall bei der Erzdiözese. Obwohl der Beschuldigte die Tat schriftlich eingeräumt hatte und P. herausfand, dass der Orden von weiteren Missbrauchstaten wusste, konnte M. bis März 2010 in Schübelbach (Bistum Chur) als Pfarradministrator wirken, Kontakt zu Kindern offenbar eingeschlossen. Zum Rückzug kam es erst, als P. dem Geistlichen gedroht hatte, vor der Kirche zu demostrieren.

Was genau ist eine Territorialabtei?
Wie konnte das passieren? Die Erzdiözese erklärt es mit der Geschichte von der Territorialabtei – einer exotischen Geschichte, die geeignet ist, auch Experten zu verwirren. Weltweit existiert nur noch ein knappes Dutzend solcher Abteien. Und die Erklärung beginnt so: "Die Zisterzienserabtei Mehrerau ist eine ,Territorialabtei‘, die dem zuständigen Abt untersteht. Die Wallfahrts- und Klosterkirche Birnau gehört als Priorat seit 1919 zur Abtei Mehrerau. Bei einer ,Territorialabtei‘ (. . .) handelt es sich ...

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