BZ-Interview

Freiburger Moraltheologe Schockenhoff: "Euphorie ist unangemessen"

Gerhard Kiefer

Von Gerhard Kiefer

Fr, 02. Oktober 2015

Deutschland

BZ-INTERVIEWmit dem Freiburger Moraltheologen Eberhard Schockenhoff über die Herausforderungen der Familiensynode der katholischen Kirche in Rom.

FREIBURG. Es ist ein wegweisendes Ereignis der jüngeren Kirchengeschichte: An diesem Sonntag beginnt im Vatikan die Familiensynode der katholischen Kirche. Papst Franziskus wird mit mehr als 300 Bischöfen über Themen rund um Ehe, Familie und Sexualität sprechen. Sebastian Kaiser und Gerhard Kiefer haben mit dem Theologen Eberhard Schockenhoff über die Tragweite der Beratungen und ein mögliches Scheitern gesprochen.

BZ: Herr Professor Schockenhoff, teilen Sie die Erwartungen, ja die Euphorie mit Blick auf die Familien-Synode, die am Sonntag im Vatikan beginnt?
Schockenhoff: Euphorie ist sicherlich unangemessen, zumal die Positionen in der katholischen Kirche seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus eher noch auseinandergedriftet sind. Aber es ist meine Hoffnung, dass diese Synode nicht nur zur Frage der geschiedenen und wieder verheirateten Katholiken eine Lösung findet, sondern dass sie auch Grundaussagen zu Ehe und Familie, Liebe und Partnerschaft formuliert.

BZ: Was bedeutet das konkret?

Schockenhoff: Die Distanz vieler Gläubiger zu den Lehrmeinungen der Kirche ist ja sehr deutlich geworden bei der großen Umfrage, die Papst Franziskus zur Vorbereitung der Synode gestartet hat. Einmal ist es meine Hoffnung, dass die Synode nicht nur von den internen Quellen der Lehre der Kirche ausgehen, sondern auch die Erfahrungen der Menschen berücksichtigen möchte, nicht nur die empirischen Erfahrungen der Wissenschaft, sondern auch die authentischen biographischen Erfahrungen der Menschen. Deshalb hat Papst Franziskus ja auch Ehepaare als Beraterinnen und Berater zu dieser Synode eingeladen. Und das Zweite ist – man nennt das in der Theologie das Gesetz der Gradualität –, dass es nicht nur um das Optimum geht, um das vollständige Übereinstimmen mit einem für viele unerreichbaren Ideal, sondern dass das menschliche Leben überhaupt, vor allem aber das partnerschaftliche Leben, als ein Prozess gesehen wird, der auch Annäherungen an das Ideal kennt, aber auch das Zurückbleiben, und dass dieses Zurückbleiben nicht sofort als schwere Schuld disqualifiziert wird. Ich glaube, das ...

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