Schießen, Schippen, Schweigen

In Deutschland stehen sich Befürworter und Gegner des Wolfes unversöhnlich gegenüber

Sascha Lübbe

Von Sascha Lübbe

Mi, 01. Januar 2020 um 16:06 Uhr

Deutschland

BZ-Plus Teile der CDU und die AfD sind für eine Obergrenze beim Wolf. Bei dem Streit geht es auch um verletzten Stolz und um Bauern, die sich alleingelassen fühlen. Ein Besuch in Brandenburg zeigt die Konfliktlinien.

André Pfeiffer bleibt plötzlich stehen, tippt mit seinem braunen Trekkingschuh gegen eine kleine Pflanze auf dem Waldboden; ein graues Büschel hängt daran. "Fell", sagt Pfeiffer ruhig und bestimmt. "Von einem Wolf, ganz sicher." Etwa 20 Menschen scharen sich um ihn. Fotoapparate hängen um ihre Hälse, Ferngläser. Ein paar Rentnerinnen sind dabei, eine Verwaltungsangestellte mit Sohn, drei Studenten, angereist aus Berlin. Der BUND hat zu einer Wolfsexkursion in die Slamener Heide, südliches Brandenburg, geladen. Pfeiffer, 52, ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter aus Spremberg, ein sportlicher Mann mit gesunder Gesichtsfarbe, ist ihr Guide.
Sieben Stunden führt er die Gruppe durch den Forst. Referiert im Plauderton über das Jagdverhalten der Wölfe, ihre Nahrungssuche, über Parallelen zum Hund, und immer wieder über ihre Bedeutung für das Ökosystem Wald. "Der Wolf", sagt Pfeiffer, "sucht sich instinktiv leichte Beute. Tiere, die krank, verletzt oder schwach sind." Er reguliere das Wild. Ob es gut ist, dass er wieder da ist? "Auf jeden Fall."
Brandenburg hat 38 Wolfsrudel
Rund 200 Jahre lang war der Wolf in Deutschland so gut wie ausgestorben. In Osteuropa hielt er sich, vor allem in Rumänien und im Baltikum. In der DDR wurde er, sobald er von Polen über die Grenze kam, geschossen. Aus Westdeutschland hielt ihn die Mauer fern. Mit der Wende änderte sich das. Der Wolf stand jetzt unter Naturschutz. Im Jahr 2000 siedelte sich das erste Rudel in Sachsen an, sechs Jahre später in Brandenburg. 38 Rudel gibt es laut BUND heute im Bundesland, mit zwischen zwei und zehn Tieren. Mehr als im Rest ...

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