Niedersachsen

So ergeht es osteuropäischen Arbeitern in der Schweinemast-Branche

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Mo, 14. April 2014

Deutschland

Im Oldenburger Land und im Emsland leben Tausende Schlachter aus Rumänien und Bulgarien unter erbärmlichen Verhältnissen – wer darüber redet, wird bedroht.

So lange hat Daniela Reim ihre Stelle noch nicht, sieben Monate genau, aber seit sie diesen neuen Job hat in Oldenburg, fragt sie sich jeden Tag, ob sie noch in Deutschland lebt. In dem Deutschland jedenfalls, das sie schätzte, als sie vor 14 Jahren aus Rumänien kam: fortschrittlich, gesetzestreu und ordentlich.

Eigentlich ist die junge Frau Geschichtslehrerin, aber seit Oktober 2013 hat sie diesen neuen Job, weil sie Rumänin ist und die Sprache spricht. Eine Stelle, welche die Landesregierung in Hannover im vergangenen Herbst neu einrichtete. Reim soll sich um Vertragsarbeiter kümmern, mobile Arbeitskräfte, rumänische, bulgarische, polnische, ukrainische. Es gibt Tausende von ihnen im Oldenburger Land und im Emsland, eine anonyme Geisterarmee. Die allermeisten arbeiten auf Schlachthöfen, zerlegen im Akkord Schweine, Rinder, Hähnchen.

Reim sitzt in ihrem kleinen Büro in der Nähe des Oldenburger Bahnhofs, es ist das Ende eines langen Arbeitstages. Meistens fährt sie mit ihrer bulgarischen Kollegin im VW-Bulli durchs Land, um mit Schlachtern zu reden. Anonym, irgendwo. Man verabredet sich. Manchmal steht sie dann allein herum, weil der Anrufer nicht kommt, sich doch nicht traut. "Die reden nicht viel", sagt sie. "Mit der Presse und Gewerkschaft schon gar nicht. Wenn herauskommt, dass einer geredet hat, fliegt er sofort raus."

Ihr Diensttelefon klingelt mindestens dreimal pro Stunde. Sie erzählt: Ein Schlachtarbeiter aus Emstek ist dran. Er wollte Urlaub nehmen, aber sein albanischer Vorarbeiter verlangte 400 bis 500 Euro. Sonst gäbe es keinen Urlaub. "Ein wirklich aggressiver Typ."

Noch ein Fall, ein Pole, seine Frau ist schwer krank. Er will heim, sie im Krankenhaus besuchen. Man lässt ihn nicht. Mal sehen, was sie machen kann.

Ein Rumäne, ...

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