8. März

Weltfrauentag: Gleichstellung ist kein Selbstläufer

kna, afp, kmg

Von kna, afp & Konstantin Görlich

Fr, 08. März 2019 um 12:49 Uhr

Deutschland

Mehr als 100 Jahre gibt es den Weltfrauentag. Sozialistinnen hatten ihn ins Leben gerufen, um die Gleichberechtigung voranzutreiben. Doch noch immer sind Frauen benachteiligt.



Zum Weltfrauentag haben Politiker und Verbände Kritik an fehlender Chancengleichheit weltweit geübt. Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte, Frauen seien in vielen Bereichen und in Führungspositionen unterrepräsentiert.





In Deutschland drohten Rückschritte; so sei der Frauenanteil im Bundestag gesunken. "Noch immer haben Frauen nicht die gleichen Verwirklichungschancen wie Männer", sagte die Gleichstellungsbeauftragte des Auswärtigen Amtes, Claudia Böhm: Gleichstellung sei kein Selbstläufer.



Der Paritätische Wohlfahrtsverband drängt darauf, Frauenrechte das ganze Jahr über zu unterstützen, und forderte politische Schritte. "Egal ob Equal Pay, Altersarmut oder die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf – die Politik ist mehr denn je gefragt zu handeln."



In Berlin ist der Weltfrauentag erstmals ein gesetzlicher Feiertag. Das gibt es sonst in keinem anderen Bundesland. Ein Großteil der Deutschen sieht die Geschlechtergerechtigkeit dennoch laut einer Studie noch lange nicht erreicht. 44 Prozent der Befragten meinen, dass es auch heute noch von Vorteil ist, ein Mann zu sein, wie die am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos anlässlich des Weltfrauentags am Freitag zeigt. Nur zwölf Prozent halten es demnach für vorteilhafter, eine Frau zu sein.

Gender Pay Gap als größtes Problem

Mehr als jeder Vierte ist aber auch der Überzeugung, dass das Geschlecht kaum einen Unterschied macht. Zwei Drittel gaben an, dass das Erreichen von mehr Gleichberechtigung ein wichtiges persönliches Anliegen sei. Jeder dritte Befragte kritisierte die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Beruf, das Gender Pay Gap, als größtes Problem.



Auf Platz zwei rangiert sexuelle Belästigung mit 17 Prozent, sexuelle Gewalt halten 15 Prozent für das wichtigste Problem beim Thema Gleichstellung. Dennoch bezeichnen sich weniger als drei von zehn deutschen Frauen als Feministinnen. Unter den Männern bezeichnet sich nicht einmal jeder Fünfte als Feminist. 43 Prozent der befragten Männer sind der Ansicht, dass in Deutschland hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter ausreichend getan wurde. Bei den Frauen liegt dieser Wert bei 28 Prozent.

In Zusammenarbeit mit dem International Women’s Day und dem Global Institute for Women’s Leadership befragte Ipsos vom 21. Dezember 2018 bis zum 4. Januar 2019 18.800 Menschen aus 27 Ländern.

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