Literatur

Wie die berühmte englische Schriftstellerin Sybille Bedford ihre Kinderjahre im südbadischen Feldkirch erlebte

Martin Halter

Von Martin Halter

Sa, 05. September 2009

Deutschland

Wie die berühmte englische Schriftstellerin Sybille Bedford ihre Kinderjahre im südbadischen Feldkirch erlebte – und erlitt / Von Martin Halter

Das Feldkircher Schloss hat viele große Geister beherbergt; der größte war womöglich ein richtiger Geist. Ignaz Heinrich von Wessenberg, Schöngeist, Pädagoge, Dichter, Konstanzer Generalvikar; nur seine von keinem Geringeren als Kardinal Ratzinger gerühmte kirchenreformerische Kühnheit verhinderte, dass er der erste Bischof von Freiburg wurde. Sein Nachfahr, Professor Peter Heinrich von Wessenberg, verwahrte sich in einem genealogischen Vortrag in Feldkirch zwar energisch gegen das Geschwätz von einem "Wessenberggespenst", aber für Sybille Bedford (1911–2006) war der Bischof jedenfalls der Schrecken ihrer Feldkircher Kindheit. Wenn sie abends für ihren Vater Wein aus dem Keller holen musste, so erzählt sie in ihrer (soeben neu übersetzten) Autobiografie "Jigsaw", wurde ihr immer angst und bange: "Zwei Treppen vom Morgenzimmer hinunter, durch die große Halle voller Kruzifixe und Statuen, noch eine Treppe hinunter in den Keller; in der einen Hand trage ich die Kerze, aber wenn ich in der anderen gleich die Flasche trage (behutsam!), habe ich keine frei, um mich zu bekreuzigen, falls der Geist erscheint. Es war ein Bischof von Wessenberg, der angeblich in eben dieser Halle eine schändliche Tat verübt hat. Lina hat mir den Bannspruch beigebracht für den Fall, dass ich – Gott behüt! – ihn sehe. Ein deutsches Verslein: Alle guten Geister / loben Gott, den Herrn. Lebenswichtig aber ist es, sich zu bekreuzigen." Wenn sie den richtigen Wein heil nach oben brachte, gab ihr der Vater einen Lebkuchen oder ein paar Münzen als Gefahrenzulage.

Ein alter Exzentriker, der mit seiner achtjährigen Tochter Bordeauxweine verkostet ...

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