Porträt

Wie ergeht es dem Whistleblower im Gammelfleisch-Skandal?

Julia Prosinger

Von Julia Prosinger

Mo, 30. September 2013

Deutschland

Der Whistleblower Miroslaw Strecker hat den Gammelfleischskandal aufgedeckt – und es erging ihm wie vielen: Er wurde gemobbt, gekündigt, gejagt.

Der Absturz der Concorde hätte verhindert werden können. Der Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall auch. "Wenn nur jemand den Mund aufgemacht hätte oder man auf jene, die sprachen, gehört hätte", sagt Professor Johannes Ludwig. Der 64-Jährige mit Halbglatze, Dreitagebart und Plastikuhr am Arm zeigt an diesem Abend im Berliner "Haus der Demokratie" die passenden Bilder zu den Katastrophen. "Aber weil das niemand tat, ist es so, wie es ist", fügt er hinzu. Ludwig senkt seine Stimme selten am Ende eines Satzes, er hebt sie an zu neuen Beispielen. Er hätte so viele mehr.

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er sich mit sogenannten Whistleblowern – anständigen Menschen, die Geheimnisse ausgeplaudert haben. Sie waren seine Informanten, als Ludwig in den 80er Jahren investigativer Journalist war. Damals deckte er für das Magazin Stern Bauskandale auf. Die Schicksale seiner Informanten berührten ihn. Vor ein paar Jahren gründete er deshalb den Verein Whistleblower-Netzwerk. Mit seinen Medienstudenten aus Hamburg macht er ihre Fälle öffentlich.

Seit der junge US-Gefreite Bradley Manning geheime Dokumente per Wikileaks veröffentlichte und spätestens seit Edward Snowden das Ausmaß der amerikanischen Überwachung offenlegte, ist Professor Ludwig ein gefragter Redner.

Er kann atemlos erklären, was Whistleblower tun. "Sie decken auf, bevor etwas zu spät ist." Das kann Leben retten oder die Umwelt, es kann schwerwiegende Folgen verhindern. Sie schlagen Alarm oder, wie er gern niederländisch sagt: Sie sind Klokkenluider, also Glockenläuter. Oft glaubt ihnen niemand, und fast immer werden sie gemobbt, gekündigt, gejagt wie Snowden und verurteilt wie Manning. 35 Jahre Gefängnisstrafe hat Letzterer gerade bekommen. Viele brechen darunter zusammen. "Es gibt nur wenige Ausnahmen, die das gut überstehen." Einer ist Miroslaw Strecker.
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