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Arbeit

Dialekt im Berufsleben: Unprofessionell oder nur symbadisch?

  • Andrea Bühler, Vanessa Heizmann &

  • Do, 17. September 2015, 08:27 Uhr
    Emmendingen

     

Verstohsch mi nit? Dialekt ist Teil der Identität, aber in der Arbeitswelt nicht unbedingt gerne gesehen – auch in Emmendingen? Wie halten es Banken, Hotels und Schulen damit?

Muttersprache oder Kauderwelsch? Bei M... in Bad Bellingen ist das keine Frage.  | Foto: Archivfoto: Jutta Schütz
Muttersprache oder Kauderwelsch? Bei Mundarttagen wie hier in Bad Bellingen ist das keine Frage. Foto: Archivfoto: Jutta Schütz
Die Hotelchefin

Elisabeth Real ist Inhaberin des Hotels Windenreuter Hof. Sie ist in Emmendingen geboren und spricht selbst Dialekt. Das Hotel ist ein Ort, wo sehr viele Menschen aus verschiedenen Regionen zusammenkommen – und somit unterschiedliche Dialekte gesprochen werden. "Der Gast muss abgeholt werden, genau da, wo er sich befindet", sagt sie. "Dazu gehört auch seine Sprache, dann fühlt er sich gleich viel wohler". Elisabeth Real, die bereits ihre Ausbildung im Windenreuter Hof absolvierte, sagt, dass sie inzwischen gut abschätzen könne, bei welchem Gast Dialekt angebracht ist und bei welchem nicht. Dazu müsse man stets den ganzen Menschen, der vor einem stehe, betrachten. Dazu sei eine gute Menschenkenntnis nötig. "Sprache ist halt Kommunikation, egal ob mit oder ohne Dialekt", sagt Real. Sie möge es, wenn man bei Menschen den Dialekt raus höre. Sie selbst falle dann wie automatisch in die jeweilige Mundart hinein. Die Mitarbeiter im Hotel sprechen untereinander auch den ihnen geläufigen Dialekt, in Anwesenheit der Hotelgäste werde jedoch zunächst immer Hochdeutsch gesprochen – um sich dann gegebenenfalls der Sprache des jeweiligen Gasts anzupassen. Für Real gehört Dialekt ein Stück weit zum Kulturgut, das durchaus gelebt werden dürfe.

Der Einzelhändler

Marcel Jundt ist seit sechs Jahren Inhaber des Emmendinger Modehauses Blum-Jundt. Für ihn spielt Dialekt eine große Rolle. Sowohl seine Mitarbeiter als auch er selbst sprechen geschäftlich und privat Dialekt, "wie man es halt von daheim gewohnt ist", erzählt er.

Mit Unprofessionalität habe das nichts zu tun. Er findet, dass Dialekt wichtig ist und man sich davor auch nicht verstecken müsse. Meist komme Dialekt bei den Mitmenschen sogar positiver an als Hochdeutsch, wenn man sich dabei zu sehr verstellen müsse. Bei Menschen, die die hiesige Mundart nicht so gut verstehen oder die deutsche Sprache erst noch lernen, werde bewusster Hochdeutsch gesprochen, als bei Kunden, die aus der Gegend stammen.

Der Bankdirektor

Karl-Heinz Dreher ist Sprecher des Vorstandes der Volksbank Breisgau Nord und dort seit 20 Jahren tätig. Da er in einer Regionalbank arbeite, sei die Sprache sehr wichtig, man wolle mit den Kunden auf einer Ebene kommunizieren, sagt er.

Trotzdem werde in der Bank darauf geachtet, dass Kunden, die von auswärts zugezogen, anders angesprochen werden als Menschen aus der Region. "Dialekt könne alle, und des sogar sehr gut", sagt Dreher, der aus Elzach stammt und privat Alemannisch spreche. In bestimmten Situationen müsse immer die richtige Mischung zwischen Hochdeutsch und Mundart gefunden werden. Sogar Führungskräfte sprächen fast nie reines Hochdeutsch, meist sei die Sprache leicht vermischt.

Unprofessionell ist Dialekt für Dreher nicht, ganz im Gegenteil: "Vor allem in ländlichen Regionen gehören unsere Redensarten einfach zur Kultur", sagt Dreher und betont, dass auch einiges an Selbstbewusstsein dazugehöre, um im jeweiligen Dialekt vor anderen zu sprechen.

Der Schulleiter

Ganz anders wird es im Goethe-Gymnasium in Emmendingen gehandhabt: Direktor Christoph Grießhaber, gebürtig aus dem Schwabenland, ist seit zehn Jahren dort Schulleiter.

"Beim Unterrichten spricht jeder Lehrer an der Schule Hochdeutsch", erklärt er, "auch die Schüler reden bei Referaten und Vorträgen fast nie im Dialekt. Untereinander ist Mundart natürlich gang und gäbe." Dadurch, dass es immer mehr Schüler mit einer nicht-deutschen Muttersprache gibt, sei es besonders wichtig auf verständliche Sprache zu achten, sodass jeder im Unterricht alles verstehe, erklärt Grießhaber. Daher würde er auch von seinen Kollegen Hochdeutsch im Unterricht verlangen, sollte dies einer der Lehrer nicht sowieso von sich aus so handhaben. Grießhaber ist jedoch der Meinung, dass generell Dialekt im Beruf durchaus professionell eingesetzt werden könne − gerade, um Sympathien aufzubauen. Jedoch, so schränkt Grießhaber abschließend ein, werde nicht jeder Dialekt von allen immer positiv angenommen.
Was ist Dialekt?

Die meisten deutschen Dialekte, auch "Mundarten" genannt, sind im späten Mittelalter entstanden. Damals haben die germanischen Stämme ihre eigenen Sprachen entwickelt, als sie sesshaft wurden. Im Laufe der Zeit und mit zunehmendem Handel verbreiteten sich die Dialekte. Durch die modernen Medien, wie zum Beispiel Fernsehen oder Radio werden sie immer mehr durch Hochdeutsch ersetzt. So spricht heute nur noch jeder fünfte Deutsche Dialekt. Der "Badische Dialekt" ist eigentlich keine eigene Mundart, sondern dem Fränkischen zugeordnet und im südlichen und nördlichen Schwarzwald verbreitet.

Mehr zum Thema:

Ressort: Emmendingen

Dossier: Dialektserie

  • Artikel im Layout der gedruckten BZ vom Do, 17. September 2015: PDF-Version herunterladen

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