Die ambulante Pflege hat eine große Bedeutung

Wilfried Dieckmann

Von Wilfried Dieckmann

Sa, 16. März 2019

Grafenhausen

Zur Finanzierung des Systems sind auch weiterhin die Fördervereine wichtig / Rolf Steinegger informiert in Grafenhausen.

GRAFENHAUSEN. Noch steht der Förderverein St. Elisabeth mit rund 180 Mitgliedern auf finanziell gesunden Beinen. Angesichts der aktuellen Schieflage, in die die katholische Kirchengemeinde in Bonndorf geraten ist, blicken die Verantwortlichen des Vereins recht sorgenvoll in die Zukunft. Wie Vorsitzende Anita Fehrenbach den Mitgliedern im Rahmen der Hauptversammlung jedoch versicherte, werden Spenden und Beiträge zu 100 Prozent zweckgebunden eingesetzt. "Die Menschen wollen wissen, wie ihre Fördergelder verwendet werden", stellte die Vereinschefin fest.

Dies bestätigte auch Rolf Steinegger von der Geschäftsführung Caritasverband Hochrhein in seinem Bericht zur derzeitigen Situation. Wie Rolf Steinegger informierte, werden die Sozialstationen nicht nur von der Kirche, sondern auch von den politischen Gemeinden finanziell unterstützt. Weiterhin sind es die Fördervereine, die mit den Beiträgen ihrer Mitglieder zur Finanzierung des Systems einen nicht unerheblichen Anteil leisten.

Entstehung der Sozialstationen
Auf Wunsch des Vorstandes des Fördervereins St. Elisabeth rief das Vorstandsmitglied des Caritasverbandes in seinem Referat die Entstehungsgeschichte der Sozialstationen in Erinnerung. Demnach waren seit rund 250 Jahren Ordensschwestern um kranke Menschen in den einzelnen Gemeinden besorgt. In Grafenhausen waren dies Franziskanerinnen aus Gengenbach und insbesondere auch Schwestern aus dem Hegau. Die Letzte wurde in Waldshut erst vor drei Monaten in den Ruhestand verabschiedet. Es war die Josefsschwester Jacintha Kaiser aus Herrischried, die als junge Frau in den Orden St.Trudberg eingetreten war und jetzt ins Mutterhaus zurückgekehrt ist. "Es ist bewundernswert, wenn jemand mit 85 oder 86 Jahren noch in der Sozialstation mitarbeitet", meinte Steinegger. In den 1960er Jahren konnten die Orden die Aufgaben nicht mehr erfüllen. Es gab zu wenig Nachwuchs, Krise war angesagt. So wurde nach staatlichen Lösungen gesucht, an der sich federführend Heiner Geißler beteiligte. So wurde vor 40 Jahren das Modell Sozialstationen erfunden, das von den Kirchen umgesetzt wurde. Seit der Gründung waren nach Angaben von Steinegger überwiegend nur noch weltliche Schwestern in der Tradition der Ordensschwestern unterwegs. Dann kamen die Krankenpflegevereine ins Spiel, deren Anfänge rund 120 Jahre zurückliegen. Es waren genau diese Fördervereine, wie auch St. Elisabeth in Grafenhausen, die mit Geld dafür gesorgt haben, dass diese Mammutaufgabe von den Kirchengemeinden auch bewältigt werden konnte. "Dies ist bis heute der Beweis dafür, dass sich Menschen um die Sorgen anderer Menschen kümmern", betonte der Geschäftsführer von der Caritas. Diese Finanzmittel haben seither dazu beigetragen, dass früher die Ordensschwestern und heute die Mitarbeiterinnen der Sozialstationen bezahlt werden können.

22 000 Hausbesuche
"Im Jahr 2018 kam gemäß den statistischen Zahlen 90 000 Mal eine Krankenschwester oder ein Pfleger an eine Haustür, hat einen guten Morgen gewünscht und gefragt, wie geht es ihnen heute", schilderte Rolf Steinegger eindrucksvoll. Im Team Ühlingen-Birkendorf und Grafenhausen sind in der enormen Zahl 22 000 Hausbesuche enthalten. Beeindruckend auch, dass davon 9400-mal im Sinne der Pflegeversicherung eine Grundpflege mit kompletter Körperpflege und Anziehen enthalten war. Hinzu kamen nur im Oberen Schlüchttal 12 600-mal eine zusätzliche medizinische Behandlungspflege wie beispielsweise Insulinspritzen, Medikamentengaben oder Verbandswechsel. "Und dies an 365 Tagen rund um die Uhr", ergänzte Steinegger. Um diese enormen Leistungen weiterhin zu erfüllen, müsse die Solidarität nicht nur der Bürgerinnen und Bürger in den Kranken- und Fördervereinen aufrechterhalten werden, sondern darüber hinaus auch verstärktes Engagement der Politik eingefordert werden. Als es vor Jahren den Sozialvereinen finanziell nicht so gut ging, habe er an Heiner Geißler geschrieben und um beratende Unterstützung gebeten. Nach vier Wochen Funkstille habe der ehemalige Politiker dann bei Steinegger angerufen und Unterstützung angeboten. Als er kam, habe er "seine Bundespolitik" deutlich angemahnt, Sorge zu tragen für die ambulante Pflege mit den Worten: "Wer die ambulante Pflege kaputt macht, handelt dumm und es ist ökonomischer Blödsinn!" Geißler habe auch hervorgehoben, dass bei Daseinsvorsorge nicht alles dem freien Markt überlassen werden könne, dazu gehörten nach seiner Überzeugung auch Krankenhäuser oder die Wasserversorgung. Dies habe bei der ambulanten Krankenversorgung doppelte Bedeutung, weil, so Steinegger, Krankenpflege nur noch dann stattfinden würde, wenn es sich wirtschaftlich rechnet.

Angesichts der enormen Belastung gingen die Sozialstationen "enorm in die Knie". Er ist sich aber sicher, dass die großen Leistungen dank der Unterstützung der Fördervereine und der Gemeinden auch bewältigt werden. In seinem Referat versicherte Rolf Steinegger, dass die Beitrags- und Spendengelder zu 100 Prozent zweckgebunden bei den Sozialstationen ankommen.