Die Arbeiterwohlfahrt blickt mehr zurück als voraus

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mi, 18. September 2019

Denzlingen

Denzlinger Akteure feiern den 100. Geburtstag des Dachverbandes und ehren die Verdienste von Jochen Himpele.

DENZLINGEN. 100 Jahre Arbeiterwohlfahrt: Das Jubiläum der Gründung der sozialdemokratischen Wohlfahrtspflege war jüngst auch für den Denzlinger Ortsverband, der erst 67 Jahre alt ist, Anlass zum Feiern. Dabei stand deutlich mehr die Rückschau als der Blick nach vorn im Mittelpunkt und fast wäre auch völlig in den Hintergrund getreten, dass es mit Marie Juchacz, eine Frau war, die den Impuls zur Gründung gab. Zum Interview-Gespräch mit dem Thema "Echt AWO" wurden jedenfalls nur Senioren gebeten, auf dem roten Sofa Platz zu nehmen.

Dass der Wohlfahrtsverband auf die Initiative von Frauen zurückgeht, machte indes Anna Agatiev deutlich. Sie übernahm zum Auftakt die Rolle von Maria Jucharz und trug eine mit vielen programmatischen Tönen gespickte Rede vor, die die AWO-Gründerin so zwar nie gehalten, aber durchaus hätte halten können, und die an Aktualität nicht viel eingebüßt hat. Die Lösung sozialer Probleme und die echte Gleichstellung der Geschlechter stehen immer noch auf der Agenda. Die Aufforderung, die Herausforderungen der Zukunft intensiver zu thematisieren, verhallte jedoch.

Die Antworten des Sofagesprächs, für das Hansjörg Seeh, Peter Dreßen und anfangs Detlef Behnke, für ihn dann Jochen Himpele auf den Sofa Platz nahmen, waren eher rückwärtsgewandt. Betont wurde, was in den zurückliegenden Jahrzehnten vor allem von der hiesigen Ortsgruppe erreicht wurde. "Die AWO-Denzlingen ist ein von Personen geprägtes Erfolgsmodell", betonte denn auch Bürgermeister Markus Hollemann.

Der Festakt zum Jubiläum wurde zum Ehrenakt für Jochen Himpele, dem der Ortsverein eine kleine Broschüre – "das Gesicht der Denzlinger AWO" – widmete und der das Ehrenzeichen der AWO verliehen bekam. Der Geehrte selbst erinnerte an Hort, Mensa, Hausaufgabenbetreuung. Bewusst habe sich der Ortsverein unter seiner Führung entschieden, seinen Schwerpunkt bei den Kindern und Jugendlichen zu sehen, "da schon viele auf dem Feld der Seniorenarbeit tätig waren".

Zum Abschluss stellte Moderator Detlef Berger doch noch die Frage nach der Zukunft der AWO. "Viele unserer Ehrenamtlichen sind im Rentenalter oder darüber", machte Detlef Behnke auf die Problematik der Altersstruktur aufmerksam.

Hansjörg Seeh, selbst über 80 Jahre alt, sieht einen Weg, jüngere für ein Engagement gewinnen zu können, dadurch, dass Ehrenamt anders aufgeteilt, auf viele Schultern verteilt wird. "Es wird die AWO-Denzlingen in 50 Jahren noch geben", sagte Jochen Himpele. Die Arbeit jedenfalls werde ihr nicht ausgehen, meinte Peter Dreßen.

Eine Antwort nach der Zukunft hat Anna Agatiev, Mitte 30 und Vorstandsmitglied der AWO, bei Marie Juchacz gefunden. "Unser Grundsatz soll sein: Der Arbeiter ist nicht nur Objekt, sondern auch Subjekt der Wohlfahrtsarbeit."