Elsässer Gemeinderätin

"Die Begabtesten müssen in Führungsämter kommen"

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

Di, 26. März 2019 um 08:00 Uhr

Elsass

Die Elsässerin Catherine Graef-Eckert ist Gemeinderätin von Lingolsheim und Departementsrätin und spricht im Interview über das französische Gleichstellungsgesetz – und seine Folgen in Gemeinden.

In Frankreich müssen seit 2013 alle Listen für die Räte in Gemeinden über 1000 Einwohner paritätisch mit Männern und Frauen besetzt sein. Für die Räte der Departements treten ein Mann und eine Frau im Doppelpack an. Annemarie Rösch sprach darüber mit Catherine Graef-Eckert, Gemeinderätin von Lingolsheim und Departementsrätin.

BZ: Frau Graef-Eckert, was hat sich seit Inkrafttreten des Gesetzes verändert?

Graef-Eckert: Seit der Wahl 2014 sind die Gemeinderäte der größeren Orte und die Departementsräte in etwa gleich stark mit Männern und Frauen besetzt. In Frankreich kommen die Bewerber in der Reihenfolge der Parteienliste in die Räte. Wenn eine Liste nicht paritätisch besetzt ist, weigert sich die Präfektur, sie zu registrieren. Mit den kleinen Gemeinden eingerechnet, beträgt der Frauenanteil in den Räten in Frankreich 40,3 Prozent.

BZ: Wie wirkt sich das auf die Arbeit aus?

Graef-Eckert: Da ich 20 Jahre lang Gemeinderätin bin, sehe ich die Unterschiede zu früheren Zeiten. Mit dem Einzug der Frauen hat sich ein Generationswechsel vollzogen. Viele ältere Männer mussten jüngeren Frauen weichen. Die Frauen in den Gemeinderäten arbeiten viel pragmatischer als die Männer, sie bleiben nicht so in allgemeinen Debatten stecken. Bei den Frauen geht es dann zum Beispiel konkret darum, wie man die Stadt verschönern könnte. Oder wie die Öffnungszeiten von Kindergärten besser gestaltet werden können. Und Frauen schmieden auch nicht so gerne Allianzen, um etwas durchzusetzen. Ihnen geht es oft um die konkrete Sache. Da kann es dann auch mal passieren, dass ich als Konservative mit den Frauen anderer Parteien ein Projekt angehe, das mir wichtig ist.

BZ: Was hat sich nicht geändert?

Graef-Eckert: Obwohl in den Räten so viele Männer wie Frauen sitzen, sind die Führungspositionen oft noch in Männerhand. Dazu gibt es kein Gesetz. Auch die Frauen in den Räten wählen oft noch die Männer in die Führungspositionen, die dort schon lange sitzen und natürlich oft viel Erfahrung haben. Bei den Bürgermeistern, die von den Räten gewählt werden, gibt es zum Beispiel deutlich mehr Männer. Das Gesetz hat sich geändert, die Mentalitäten aber nicht unbedingt. Wir müssen dahin kommen, dass die Begabtesten in die Führungsämter kommen und nicht vor allem diejenigen, die schon lange dort sind.

BZ: In die Räte der Departements sind je ein Mann und eine Frau im Doppelpack angetreten. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Graef-Eckert: Ich habe mit meinem Kollegen sehr gute Erfahrungen gemacht im Team. So können wir uns auch die Arbeit gut aufteilen. Voraussetzung ist, dass man sich versteht und ähnliche politische Positionen hat. Ist das nicht der Fall, kann es kompliziert werden. Aber ich würde sagen, in 95 Prozent der Fälle klappt es gut in unserem Departement.

Catherine Graef-Eckert (42) ist seit 2001 Gemeinderätin und seit 2015 Mitglied des Departementrats Bas-Rhin. Sie gehört der konservativen Partei Les Républicains an.