Die Betreuung wird individueller

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Fr, 21. Februar 2020

Efringen-Kirchen

Das Seniorenzentrum hat mit dem Co-Care-Pilotprojekt gute Erfahrungen gemacht, das Krankenhauseinweisungen reduzieren will.

EFRINGEN-KIRCHEN. In Efringen-Kirchen will sich ein Seniorenrat gründen, der sich für Senioren in der Gemeinde einsetzt und ihnen ein möglichst langes, selbständiges Leben daheim ermöglicht. Allerdings: Wenn der Hilfebedarf wächst, stößt man dabei an Grenzen. Von Vorteil ist es daher, dass Efringen-Kirchen ein Seniorenzentrum hat, das über Pflegeplätze und Tagesangebote verfügt. Und das Heim entwickelt sich in seiner Arbeit ständig weiter – in dem Bestreben, den individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Senioren so gut wie möglich gerecht zu werden.

Wenn die Betreuung daheim schwieriger wird, bietet sich die Tagespflege an, wie die Leiterin des Seniorenzentrums Martina Bivort deutlich macht. So könnten pflegende Angehörige kurzzeitig entlastet werden. Letztlich tue das allen gut und helfe, die Betreuung daheim weiter gut sicherstellen zu können. Weil es derzeit aber nur neun Plätze im Haus gibt, aber viel mehr Nachfrage, schwebt Bivort eine Erweiterung der Tagespflege vor. Sie hält bereits in der Gemeinde Ausschau nach geeigneten Räumen dafür.

Auch die Nachfrage nach Pflegeplätzen ist groß, wie die Leiterin berichtet. Das vom St. Josefshaus in Herten getragene Seniorenzentrum bietet 54 Plätze. Martina Bivort ist es in ihrer Arbeit ein besonderes Anliegen, wie sie deutlich macht, die Spielräume zu nutzen, die Rahmenbedingungen und Pflegegesetze lassen, um eine möglichst individuelle Betreuung zu gewährleisten. So hat sich im Wohnbereich eins ein "rollendes Frühstück" etabliert. Statt jedem einfach etwas hinzustellen, fährt jemand von der Küche mit einem Servierwägelchen von Tisch zu Tisch und fragt, was die Bewohner möchten. "Das kommt sehr gut an", sagt sie und: "Das Essen soll Freude machen."

Deshalb hat man auch reagiert, als sich die Beschwerden über das Mittagessen häuften. Nun wechselt das Seniorenzentrum den Lieferanten. Das Essen kommt künftig aus der Küche des St. Josefshauses, berichtet Martina Bivort. Es gab Probeessen, die Bewohner fanden die Speisen frischer und schmackhafter, so wurde der Wechsel beschlossen.

Im Wohnbereich zwei, der sich – ohne dass es beabsichtigt war – zum Bereich für Demenzkranke entwickelt hat, wird eine neue Essensform ausprobiert. "Man sitzt in Wohnzimmerecken und wie am Familientisch kommt die Schüssel auf den Tisch", erklärt die Leiterin. Derzeit teste man dies zweimal die Woche und stelle fest, dass dies entspannter und ruhiger sei und die Leute offenbar lieber äßen. Zur Unterstützung sind weitere Betreuer, sogenannte 43-b-Kräfte, mit am Tisch. Die Form des Mittagstischs soll ausgebaut werden.

Die 43-b-Kräfte sind im Übrigen vielseitig im Einsatz. Sie gehen mit Bewohnern spazieren, helfen beim monatlichen Begegnungscafé und begleiten die Fasnachtsfans unter den Senioren jetzt auch zur Isteiner Fasnacht. Zudem leisten ehrenamtliche Helfer den Senioren wertvolle Dienste, die Frauen mit ihren Besuchshunden etwa. Als Dankeschön für die Ehrenamtlichen wird es im März wieder einen Ehrenamtsabend geben. Als Anregung für alle mit einem Thema: "Selbsterfahrung" heißt es diesmal. Die Helfer sollen erleben, wie es ist, wenn man im Rollstuhl gefahren wird oder Suppe in Schnabeltassen bekommt.

Eine sehr positive Entwicklung setzte, wie Martina Bivort schildert, auch das deutschlandweit laufende Co-Care-Projekt der Kassenärztlichen Vereinigung in Gang. Das Pilotprojekt wird von der Uni Freiburg begleitet und ausgewertet. Bivort hatte sich für das Projekt beworben, bei dem sie mit Gerhard Kienle zusammenarbeitet, dem Hausarzt des Seniorenzentrums. Ziel des Pilotprojektes ist es, unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und den Senioren dennoch eine optimale Gesundheitsversorgung zu bieten. Fachärzte, etwa Urologen, kommen jetzt ins Heim. "Wir hoffen, dass sich das fest etabliert." Viel tut sich auch für eine bessere Palliativversorgung, eine optimale Betreuung bei nicht heilbaren Beschwerden und in der letzten Lebensphase. Eine Palliativ-Care-Fachkraft im Team arbeitet mit an Vorsorgeplänen, die in behutsamen Gesprächen mit den Senioren entwickelt werden und in die auch die Angehörigen eingebunden sind, berichtet die Leiterin. Die Hospizgruppe Kandern unterstütze dabei ehrenamtlich.

Was Martina Bivort noch wichtig ist: dass das Heim nicht als etwas Fremdes am Rande gesehen wird, sondern als Teil von Efringen-Kirchen. Schließlich seien es ja fast ausschließlich die alten Leute der Gemeinde, die dort wohnen. Um die Verbindung zu betonen, ist das Seniorenzentrum auch gestern Abend gern Gastgeber der närrischen Schlüsselübergabe von Bürgermeister Schmid gewesen – sehr zur Freude der Senioren.