In engstem Kreis

Die Corona-Krise verändert das Leben in Deutschland auch bei Trauerfeiern

epd

Von epd

Do, 19. März 2020 um 10:55 Uhr

Panorama

Wegen der Corona-Krise sind Beerdigungen nur noch im eingeschränkten Umfang möglich.Kirchen, Bestatter und Behörden ringen darum, die Würde der Verstorbenen und Angehörigen zu achten.

Wegen der Corona-Krise sind Beerdigungen und Trauerfeiern nur noch im eingeschränkten Umfang möglich. Bundesweit rufen Kirchen, Bestatter und Behörden zur Vorsicht auf. Sie geben Tipps, die vor Ansteckung schützen sollen. Allerdings seien die Regelungen von Bundesland zu Bundesland und in den Kommunen vor Ort noch höchst unterschiedlich, erklärte der Bundesverband Deutscher Bestatter am Dienstag in Düsseldorf. Inzwischen wurden viele Trauerhallen geschlossen, Beisetzungen müssen im Freien stattfinden. Zudem wird empfohlen, die Anzahl der Trauergäste so weit wie möglich zu reduzieren.

Trauerfeiern auf Friedhöfen würden zurzeit in einigen Bundesländern noch als "private" Veranstaltungen angesehen, erklärte der Bestatterverband. Sie fielen damit nicht unter das generelle Verbot von "öffentlichen" Versammlungen. Dennoch würden Städte und Kirchengemeinden die Trauerhallen schließen und Trauerfeiern untersagen – wie auch schon Gottesdienste untersagt sind.

"Eine würdevolle Grablegung ist vom postmortalen Persönlichkeitsrecht geschützt." Hans Michael Heinig, Kirchenrechtler
Bestattungen müssen nach Einschätzung des Göttinger Kirchenrechtlers Hans Michael Heinig weiter möglich sein. "Eine würdevolle Grablegung ist vom postmortalen Persönlichkeitsrecht geschützt", sagte er. Man könne Bestattungen im Rahmen der technischen Möglichkeiten eine Zeitlang aufschieben und sie auf den allerengsten Familienkreis begrenzen. "Aber es wäre nicht hinnehmbar, die leiblichen Überreste Verstorbener teilnahmslos verscharren lassen zu müssen", sagte er dem epd.

Elke Herrnberger vom Bundesverband Deutscher Bestatter erklärte, die Trauerfeier sollte im privaten Bereich weiter möglich sein, aber es sollten durch die Bundesländer eindeutige Vorgaben erfolgen, wie viele Trauergäste maximal teilnehmen dürfen. Aktuell fänden teilweise noch Trauerfeiern mit Trauerkaffee mit zahlreichen Trauergästen statt. Besonders bei alten und kranken Menschen bestehe sehr große Ansteckungsgefahr, "weil natürlich Umarmungen erfolgen und Tränen fließen. Hier werden somit unmittelbar Körperflüssigkeiten ausgetauscht", hieß es weiter.

Friedhöfe sollen Teilnehmerlisten auslegen

Der Bundesverband Deutscher Bestatter empfiehlt bis zu 25 Personen bei einer Trauerfeier, um das Risiko der Ansteckung zu verringern. Sofern die Friedhofsverwaltung noch Trauerfeiern zulässt, solle diese vor Ort ab sofort bei Trauerfeiern Teilnehmerlisten auslegen, in der durch einen Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung oder einen Mitarbeiter des Bestatters die Teilnehmer inklusive Kontaktdaten eingetragen werden, hieß es. Auch die Mitarbeiter des Bestatters und die Träger sollten auf diesen Listen erfasst werden.

Dadurch könnten Teilnehmer schneller identifiziert werden, sollte zu einem späteren Zeitpunkt einer der Trauergäste positiv auf das Coronavirus getestet werden. Die Teilnehmerlisten sollten von der Friedhofsverwaltung verwahrt und nach rund vier Wochen vernichtet werden. Der größte Berufsverband der Bestatter in Deutschland empfiehlt, Trauerfeiern bis auf weiteres zu erlauben. Sollte sich die Risikoeinschätzung ändern, "können Trauerfeiern aber ebenfalls kurzfristig untersagt werden".

Der Bundesverband Deutscher Bestatter repräsentiert mehr als 3100 Bestattungsunternehmen in ganz Deutschland. Das seien mehr als 80 Prozent aller deutschen Bestatter. Zu seinen Aufgaben zählen der Erhalt und die Förderung der Bestattungskultur und des Berufsethos.
Das gilt bei Bestattungen in südbadischen Gemeinden

Waldkirch: Nur mit neun Personen
Bei Trauerfeiern sind in der Katholischen Seelsorgeeinheit Waldkirch zur Zeit nicht mehr als neun Personen zugelassen. Das schrieb Pfarrer Thomas Braunstein an seine Gemeinde mit über 10 000 Katholiken.

Neustadt: Nur noch im Freien
In Neustadt dürfen Trauerfeiern nur noch im Freien stattfinden, nicht mehr dagegen in Kirchen, Kapellen oder Einsegnungshallen. Nicht mehr als ein halbes Dutzend Menschen der engsten Familie sollten daran teilnehmen. Diese sollten möglichst weit auseinanderstehen, Kleinstgruppen bilden und auch dann im Abstand von einem bis zwei Metern zueinander. Urnenbestattungen sollen verschoben werden.

Ortenau: Im engsten Kreis
Für die 55 evangelischen Kirchengemeinden der Ortenau gilt ebenfalls eine Beschränkung der Teilnehmerzahl bei Beerdigungen. Trauerfeiern im engeren Kreis der Angehörigen können stattfinden, teilte die Leitungsrunde der Evangelischen Ortenau mit. Größere Trauerfeiern sollen zu einem späteren Zeitpunkt als Gedenkgottesdienste nachgeholt werden. In den fünf Seelsorgeeinheiten des katholischen Dekanats Lahr dürfen Trauerfeiern und Beerdigungen nur noch im engsten Angehörigenkreis stattfinden. Maßgebend seien die jeweils behördlichen Anordnungen.

Rheinfelden: Verschärfungen möglich
Die Stadt Rheinfelden bittet Angehörige aktueller Trauerfälle, die Teilnehmerzahl an den Trauerfeiern auf ein Mindestmaß zu beschränken. Diese sollen auch nur noch im engsten Familienkreis stattfinden. Angehörigen sollen auch auf die Bekanntgabe der Bestattungstermine in den Traueranzeigen verzichten. Laut Bürger- und Standesamt könne es zu Verschärfungen kommen. Pascal Weber, Bürgermeister von Ringsheim, bittet die Vereine seiner Gemeinde, dass an Trauerfeiern nur noch drei Mitglieder des Vorstands teilnehmen sollen.

Bad Säckingen: Keine Urnenbeisetzung
In Bad Säckingen sind Sargbestattungen weiterhin möglich. Doch auch hier ist der Teilnehmerkreis auf die Familie beschränkt. Urnenbestattungen sind allerdings ab nächster Woche bis auf Weiteres zu verschieben, erklärte die Friedhofsverwaltung am Dienstag. Urnenbeisetzungen werden nur noch in dieser Woche durchgeführt.