Die Fernbeziehung

Kerstin Decker

Von Kerstin Decker

Mi, 31. Juli 2019

Deutschland

BZ-Plus Eine große Mehrheit der Ostdeutschen befürwortet eine neue Annäherung an Russland – Begegnungen mit Menschen, die Putin verstehen.

Manchmal machen sich Ostdeutsche Geschenke mit dieser Aufschrift. Wenn du das lesen kannst, bist du kein Wessi! Russisch gelernt haben bis zur Wende 1989 alle, aber meist mit Tendenz zum Miserablen, weil sie mussten. Und weil es blöd war, so bald nach dem ersten Alphabet noch ein zweites lernen zu müssen. Das übliche DDR-Muster: kein offener Widerstand, aber allgegenwärtige Subversion. Doch manche lernten besser. So wie Ulrike Euen heute mitten in einem alltäglichen deutschen Satz das Wort Druschba, Freundschaft, ausspricht, rollt das R, das U merkt wieder, dass es ein U ist, es singt das Sch, viel weicher. "Ich hatte schon ab der 3. Klasse Russisch", erklärt die Frau aus dem brandenburgischen Schwedt. Sie gehört zum letzten Jahrgang, der vor der Wende Abitur machte, im Sommer 1989. Heute ist sie Schauspielerin in Chemnitz.
Druschba, Freundschaft. Das wünschen sich viele Ostdeutsche. Doch die Beziehungen Deutschlands zu Russland zeigen Symptome eines neuen Kalten Krieges. Jüngsten Umfragen zufolge befürworten 54 Prozent der Westdeutschen eine neue Annäherung an Russland, bei den Ostdeutschen sind es 72 Prozent. Und die Russlandpolitik des Westens finden wohl fast ähnlich viele falsch.
In Schwedt endet noch immer die Erdölleitung Druschba, nach 5327 Kilometern, aus Westsibirien kommend. Was die DDR auf die Idee brachte, hier nicht nur ein großes petrolchemisches Kombinat zu errichten, sondern gleich eine ganze sozialistische Stadt. Und in einer sozialistischen Stadt sollten möglichst alle gut Russisch sprechen. "Also haben wir die Geschichte des Komsomol und der KPdSU gleich auf Russisch gelernt", sagt Ulrike Euen. Ihr Tonfall verrät, dass Semantik und Didaktik dieses Unterrichts nicht unbedingt dazu geeignet waren, Freundschaft für immer zu ...

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