Regionale Wirtschaft

Die Graf-Hardenberg-Gruppe übernimmt die Link-Autohäuser in Lahr und Gengenbach

ch, bko

Von Christian Kramberg & Bruno Kohlmeyer

Mi, 14. Oktober 2020 um 11:49 Uhr

Lahr

Die Link-Autohäuser in Lahr und Gengenbach haben neue Eigentümer: die Graf-Hardenberg-Gruppe aus Karlsruhe. Das Autohaus Link schaut auf eine 144-jährige Geschichte zurück.

"Wir haben innerhalb unserer Familien sehr lange darüber diskutiert, wie wir unsere Autohäuser mit Blick auf die enormen Branchenveränderungen zukunftsfest machen", werden die drei Link-Gesellschafter Moritz Link, Jonas Link und Peter Litterst in der Pressemitteilung zitiert. Und weiter: "Wir sind froh, mit der Graf-Hardenberg-Gruppe einen fairen und zuverlässigen Partner gefunden zu haben, der die Betriebe und die Arbeitsplätze erhält. Dies war bei allen Überlegungen und Entscheidungen unser oberstes Ziel." Sämtliche 147 Mitarbeiter werden übernommen, wird in der Pressemitteilung betont.

Firma Link besteht seit 1876

Die Firma Link besteht seit 1876. Laut Pressemitteilung blickt sie auf eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung zurück. Graf Hardenberg übernimmt nun die beiden Autohäusern in Lahr an der Lotzbeckstraße und der Dreyspringstraße und das Autohaus in Gengenbach, in denen die Marken Volkswagen, Audi und Škoda vertreten sind. "Wir freuen uns, diesen strategischen Schritt gehen zu können und die Autohäuser der Link-Gruppe in unsere Unternehmensfamilie aufzunehmen", betonen Volker Brecht und Peter Benz, Geschäftsführer der Graf-Hardenberg-Gruppe, "aufgrund der guten Vorarbeiten sind wir davon überzeugt, dass auch diese Integration im Sinne der Mitarbeiter und Kunden sehr gut gelingen wird."

Wie Geschäftsführer Hans Link auf Anfrage der Badischen Zeitung erklärt, werden er und die weiteren Geschäftsführer Jonas Link, Peter Litterst und Karl Dörflinger zum 31. Dezember aus dem operativen Autohaus-Geschäft ausscheiden. Weiter wollte sich Link zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu dem Verkauf äußern.

Einst wurden auch Pferde frisiert

Den Grundstein für die Link-Gruppe legte Heinrich Link, der am 26. Februar 1845 in Oberkirch geboren wurde. 1870 hatte sich der junge Mann, der im elterlichen Betrieb das Schmiedehandwerk gelernt hatte, in Lahr niedergelassen und später in der Goethestraße eine Hufbeschlagschmiede gegründet. "Fachmännisches Beschlagen von Reit- und Wagenpferden bei bester Aufmerksamkeit", empfahl er sich in einer Anzeige. Als besondere Dienstleistung wurden auch "Pferde vollständig frisiert". Zum Geschäftsbetrieb gehörte auch der Bau von Kutschen, Pferdeomnibusse, Postfahrzeuge, Liefer- und Lastwagen.

"Meine Eltern haben damals alles auf eine Karte gesetzt, weil sie davon überzeugt waren."

Hans Link


In seiner Ägide wurde an der Ecke Kaiserstraße/Lindenstraße (heute Liebensteinstraße) eine neue Schmiede nebst Werkstatt gebaut. Der Anspruch war erkennbar: "Anfertigung von Geschäfts- und Luxuswagen jeder Art mit Garantie", versprach Heinrich Link I. seinen Kunden. 1911 übernahm Sohn Heinrich Wilhelm den Betrieb und baute 1925 – in dem Jahr, in dem in Lahr ein ADAC-Ortsverein gegründet wurde – in der heutigen Liebensteinstraße eine neue Halle zur Wartung und Instandsetzung von Personen- und Lastwagen und übernahm die Vertretung von Adler-Automobilen.

Heinrich Link II. stellte sich den Anforderungen der Neuzeit und war wohl optimistisch, was die Zukunft des Automobils angeht, denn 1928 gab es in Lahr gerade einmal 159 Autos. Als der Zweite Weltkrieg vorbei war, schlug die Stunde seines Sohns Heinrich Karl Link (1915 bis 1993) und dessen Frau Elsa. "Meine Eltern haben in den 1950er-Jahren das Automobilgeschäft aufgebaut, die Übernahme des VW-Händlervertrags geschah gegen den erklärten Willen des Großvaters", erinnerte sich Hans Link in einem BZ-Bericht aus dem Jahr 2011, "dem war das alles eine Nummer zu groß. Meine Eltern haben damals alles auf eine Karte gesetzt, weil sie davon überzeugt waren."

Hans Link ist im Alter von 26 Jahren in der vierten Generation in die Geschäftsführung des Betriebs eingestiegen, zusammen mit seinem Vater leitete er das Unternehmen. Es war jenes Jahr, in dem die Familie zusätzlich zu Volkswagen den Händlervertrag für Audi übernahm. Geschäftsführer ist Karl Dörflinger. Vor elf Jahren wurde in Gengenbach gemeinsam mit Peter Litterst ein weiteres Autohaus eröffnet.

Nicht die einzige Veränderung in Lahr in diesem Jahr

Link ist das zweite große Lahrer Familienunternehmen, dessen Geschichte als Autohaus in diesem Jahr endet. Das Autohaus Schillinger in der Geroldsecker Vorstadt, das 1928 von Kraftfahrzeugmeister Fritz Schillinger senior gegründet worden war, hat seinen Betrieb allerdings ganz eingestellt. Auf dem Areal werden nun Wohnungen gebaut.
Graf-Hardenberg-Gruppe

Die Graf-Hardenberg-Gruppe verfügt damit künftig über 33 Betriebe an 17 Standorten mehr als 1600 Mitarbeiter. Sie ist Partner für die Marken Volkswagen, Audi, Škoda, Seat, Cupra, Porsche, Ford, Vespa und Harley-Davidson.