Ägypten

Die Handball-WM wird nun doch ohne Zuschauer ausgetragen

dpa

Von dpa

Mo, 11. Januar 2021 um 21:50 Uhr

Nationalmannschaft

Lange stand der Plan, die Endrunde der Handball-WM in Ägypten trotz der Corona-Krise mit Zuschauern auszutragen. Auf den letzten Drücker rücken die Veranstalter davon ab.

(dpa/gg). Die Erleichterung der deutschen Handballer über den Fan-Ausschluss bei der Weltmeisterschaft in Ägypten war ebenso groß wie die Freude über den starken Auftritt im letzten WM-Test gegen Österreich. "Das ist eine sehr gute Nachricht für den Handball-Sport und seine Außenwirkung in den nächsten Wochen", sagte Torwart-Oldie Johannes Bitter nach der mit 34:20 (19:5) gewonnenen Turnier-Generalprobe über die gemeinsame Entscheidung des Weltverbandes (IHF) und der WM-Organisatoren.

Nach einem Gespräch zwischen dem ägyptischen IHF-Präsidenten Hassan Moustafa und dem ägyptischen Premierminister Mostafa Madbouly sowie weiteren hochrangigen Regierungsvertretern des nordafrikanischen Landes wurde das geplante Zuschauerkonzept mit einer Auslastung von 20 Prozent der Hallenkapazitäten auch auf Drängen von Europas Top-Nationen endgültig verworfen.

Ursprünglich hätten bis zu 1040 Zuschauer die Vorrundenspiele der DHB-Auswahl in Gizeh gegen Uruguay, Kap Verde und Ungarn verfolgen können. Bei den Partien in Ägyptens Handball-Tempel, der Cairo Stadium Sports Hall, hätten sogar 3400 der insgesamt 17 000 Plätze belegt werden dürfen. Dieser gewagte Plan ist nun vom Tisch. "Alle Parteien haben sich darauf geeinigt, dass die WM ohne Zuschauer stattfinden soll, um die Sicherheit und Gesundheit der an der Veranstaltung beteiligten Akteure zu gewährleisten", teilte die Internationale Handball-Föderation mit.

Der Weltverband reagierte damit auch auf einen dringlichen Appell von 14 Kapitänen europäischer WM-Teilnehmer, darunter des Deutschen Uwe Gensheimer, die in einem Brief an IHF-Boss Moustafa mit deutlichen Worten auf die Risiken eines Turniers mit Zuschauern mitten in der Corona-Pandemie hingewiesen hatten. Initiiert hatte die letztlich erfolgreiche Aktion unter anderen Johannes Bitter. "Wir wollten kein Ultimatum stellen, sondern auf das Problem aufmerksam machen", sagte der 38-Jährige. Diese Strategie erwies sich als erfolgreich. "Die Entscheidung ist eine weitere Steigerung der Sicherheit", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. Auch Bundestrainer Alfred Gislason (61) äußerte sich zufrieden über das Einlenken der Funktionäre und Politiker. "Ich finde es , sehr positiv, dass so entschieden wurde", sagte der Isländer.

Im Männer-Welthandball sind die europäischen Mannschaften seit jeher führend. So gab es seit 1972, als Hallenhandball erstmals im olympischen Programm auftauchte, ausschließlich europäische Titelgewinner. Nur einmal konnte ein nicht-europäisches Handball-Team bei den Männern eine Olympia-Medaille holen: Südkorea gewann bei den Spielen 1988 im eigenen Land die Silbermedaille – hinter der Sowjetunion. Auch bei Weltmeisterschaften, die seit 1954 regelmäßig ausgetragen wurden, schaffte es erst ein außer-europäisches Land, eine Medaille zu erobern: 2015 der damalige WM-Gastgeber Katar, der zahlreiche eingebürgerte europäische Spieler im Kader hatte. Katar musste sich im Endspiel erst den Franzosen 22:25 geschlagen geben.

Die Spieler, die sich bei der am Mittwoch beginnenden XXL-Endrunde mit erstmals 32 Teams (bisher 24) an strenge Hygienevorschriften halten müssen, haben damit eine Sorge weniger. "Das ist fantastisch. Wir befinden uns in einer Blase. Durch das Hygienekonzept ist es für uns sicher. Es gibt kaum Risiken, sich zu infizieren, wenn sich alle strikt daran halten", sagte der deutsche Torwart Andreas Wolff. "Zuschauer in der Halle wären da kontraproduktiv gewesen."

Ägypten ist laut Auswärtigem Amt vom Coronavirus stark betroffen. Es gilt derzeit – wie viele andere Länder auch – als Risikogebiet.