150 Jahre

Die katholische Kirche in St. Georgen feiert Jubiläum

Carola Schark

Von Carola Schark

Do, 02. Mai 2019 um 12:28 Uhr

St. Georgen

Vor 150 Jahren ist die katholische Kirche St. Georg im damals noch selbständigen Dorf St. Georgen geweiht worden. Das wird gebührend gefeiert, unter anderem mit einem Festwochenende.

Für Pfarrer Franz Wehrle ist der Bau der Georgskirche viel mehr als bloß die Summe seiner Steine. Er schätzt die besondere Atmosphäre im Kirchenraum und freut sich, in einem Gotteshaus mit langer Tradition zu wirken. Erstaunlich ist, dass auch in Zeiten vermehrter Kirchenaustritte täglich viele Menschen spontan in die Kirche St. Georg kommen – auch solche, die man auf den ersten Blick nicht als Kirchenbesucher einschätzen würde. Sicherlich liegt das nicht nur an der verkehrsgünstigen Lage im Stadtteil, sondern auch an ihrer architektonischen Schönheit.

1869 war die Kirche fertig

Architekt Heinrich Hübsch und sein Nachfolger Lukas Engesser haben einen in Freiburg eher selten anzutreffenden Stil gewählt, nämlich den "Romantischen Historismus". Im selben Stil ist auch die St.-Michaels-Kapelle in Haslach entstanden. 1869 war die Kirche St. Georg nach dreijähriger Bauzeit fertig. Doch warum führt der Hartkirchweg auf sie zu und nicht ein Georgsweg? Dies liegt am Vorgängerbau, der sogenannten Hardkirche. Das Wort Hart (auch Hard oder Hardt geschrieben, deshalb der Unterschied in den Schreibweisen "Hardkirche" und "Hartkirchweg") bedeutet "ausgedehnter und ebener Wald". Der Kirchort "Hardchirihha" war bereits im Jahr 804 erstmals urkundlich erwähnt worden. Die Kirche wurde später dem Heiligen Georg geweiht. Der Name Hardkirche hatte sich jedoch im Sprachgebrauch gehalten und übertrug sich auch auf die im 16. Jahrhundert neu errichtete Kirche.

Da sich das Dorf zwischenzeitlich stark vergrößert hatte, wurde im 19. Jahrhundert ein Neubau notwendig. Doch unter den damaligen Ortsteilen des heutigen Stadtteils St. Georgen – das eigentliche St. Georgen sowie Wendlingen und Uffhausen – herrschte Uneinigkeit hierüber. Die damaligen Streitigkeiten entzündeten sich daran, dass einige Bürger die bisherige Kirche gerne erhalten und einen Neubau an anderer Stelle errichten wollten, während andere einen Abriss befürworteten. Deshalb musste das Abseilen der Glocken des alten Baus im August 1865 unter verschärften Sicherheitsbedingungen erfolgen – die Gegner des Neubaus am alten Platz hatten damit gedroht, jeden, der an die Hardkirche Hand anlege, herunterzuschießen. "Wutbürger" sind also keine Erfindung unserer Zeit.

Geknallt hat es tatsächlich, aber – wie Chronist Walter Schlatterer berichtet – nicht wegen Schüssen, sondern weil eine Pionier-Abteilung das harte Mauerwerk des Turmes sprengen musste, da es jeder Spitzhacke standhielt. Am 27. Mai 1866 erfolgte schließlich die Grundsteinlegung für St. Georg in seiner jetzigen Gestalt.

Alter Taufstein an neuem Platz

Doch so ganz ist die Hardkirche nicht verschwunden, sind doch Relikte im Neubau erhalten. So wurde zum Beispiel der Taufstein der Vorgängerkirche 1967 im Pfarrkeller gefunden und ist nun beim rechten Seitenaltar aufgestellt, wo er bei Taufen wieder verwendet wird.

Anlässlich des 68. Deutschen Katholikentages erhielt die Georgskirche im August 1929 hohen Besuch: Der damalige Apostolische Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII, besuchte das Gotteshaus. In seinem Willkommensgruß sagte er: "Ich komme nicht als Fremder, sondern als Freund. Als treuer und überzeugter Freund des Badischen Volkes und seines herrlichen Landes." Eine Gedenktafel außen am Bau erinnert an dieses Ereignis. Die Gemeinde St. Georg gehört nun zur Seelsorgeeinheit St. Georgen-Hexental. Das Bauwerk, das viele "St. Jergemer" von der Taufe bis zum Lebensende begleitet hat, ist viel mehr als nur ein Wahrzeichen. Der Stolz hierauf fand beim Richtfest am 20. Juli 1867 sein Echo im damaligen Zimmermannsspruch, der auch für das nun zu feiernde Kirchenjubiläum passend scheint: "Mit Gottes Hilfe ragt der Bau /so prächtig übers Himmelsblau. / Und uns’re Augen, unser Herz / voll Dank sich heben himmelwärts".
Festprogramm
Die "Messe solennelle de sainte Cécile" von Charles Gounod wird von den Chören der Seelsorgeeinheit St. Georgen-Hexental am Samstag, 4. Mai 2019, 19.30 Uhr, in der Pfarrkirche St. Georg, Basler Landstraße 102, aus Anlass der 150-Jahr-Feier der Georgskirche aufgeführt. Zudem spielt Stefan Pöll die "Orgelsymphony" d-Moll, Opus 42, von Alexandre Guilmant. Solisten sind Sophie Harr (Sopran), Luca Festner (Tenor) und Mateo Penaloza Cecconi (Bass), es singen die vereinten Kirchenchöre von St. Georg, St. Peter und Paul, Merzhausen, Horben und Au (Leitung: Felix Konetschny und Frank Leenen). Eintritt frei, Spenden erbeten.

Ein Festgottesdienst zum Jubiläum folgt am Sonntag, 5. Mai 2019, 9.30 Uhr, in der Georgskirche. Weihbischof Peter Birkhofer hält die Festpredigt. Der Kirchenchor St. Georg unter Leitung von Felix Konetschny trägt mit Gastsängern (diesmal ohne Orchester) erneut die Gounod-Messe vor. Im Anschluss findet ab 10.45 Uhr unter Beteiligung vieler Vereine die Georgsprozession mit Georgsritt statt. Der Prozessionsweg führt über Basler Landstraße, Blumenstraße, Andreas-Hofer-Straße, Obergasse, Am Dorfbach, Malteserordensstraße und Hartkirchweg zurück zum Kirchplatz. Die Pferdesegnung vor der Kirche bildet den Abschluss. Für die Prozession wird gebeten, Häuser und Vorgärten entlang des Weges zu schmücken. Durch die Reiterprozession gibt es bis etwa 12 Uhr Behinderungen im Buslinienverkehr. Im Pfarrzentrum, Hartkirchweg 50 b, folgt ein Fest-Mittagessen. Essen und Trinken sind frei, Spenden erbeten. Ponyreiten und Kistenrutsche sind geplant.