Die Krise belebt das Geschäft

Andrej Sokolow, Hannes Breustedt

Von Andrej Sokolow, Hannes Breustedt (dpa)

Sa, 31. Oktober 2020

Wirtschaft

Google, Amazon und Facebook fahren gigantische Gewinne ein – nur Apple schwächelt.

. 38 Milliarden Dollar haben die vier Tech-Riesen Apple, Google, Facebook und Amazon im vergangenen Quartal zusammen verdient. Die Corona-Krise hat ihrem Geschäft nicht geschadet – ganz im Gegenteil.

Die Konzerne profitieren vom veränderten Verhalten der Nutzer und Werbekunden während der Pandemie. Amazon bescherte der Trend zum Einkauf im Internet einen Rekord-Quartalsgewinn. Facebook profitiert davon, dass mehr kleine Firmen im Netz werben, um Umsatzeinbrüche aufzufangen. Bei Google brummt das Geschäft der Videoplattform Youtube, bei Apple wuchs durch Homeoffice und Online-Lernen das Geschäft mit Mac-Computern und iPads.

Amazon steigerte den Quartalsumsatz im Jahresvergleich um 37 Prozent auf 96,1 Milliarden Dollar (82,3 Milliarden Euro). Der Gewinn verdreifachte sich auf 6,3 Milliarden Dollar. "Wir sehen mehr Kunden als jemals zuvor, die frühzeitig Geschenke einkaufen", sagte Konzernchef Jeff Bezos. Dies sei ein Hinweis darauf, dass ein "beispielloses" Weihnachtsgeschäft bevorstehe. Im laufenden Vierteljahr könnte Amazon erstmals die 100-Milliarden-Dollar-Marke knacken. Der Konzern hatte mit seinen Lieferdiensten bereits in der ersten Jahreshälfte vom Online-Boom während der Pandemie profitiert. Auch das lukrative Cloud-Geschäft mit Speicherplatz im Internet florierte.

Um Facebook hatten sich Analysten zu Beginn der Krise noch Sorgen gemacht. Ein großer Teil der Facebook-Werbekunden sind kleine und mittlere Unternehmen. Viele, wie Cafés oder Restaurants, wurden hart von der Pandemie getroffen. Doch es zeigt sich, dass Facebooks Geschäft sogar einen Schub bekommt, weil mehr Unternehmen auf der Suche nach neuen Erlösen ins Internet gehen.

Die Kritik an der Marktmacht wächst

Der vor allem mit Werbung erzielte Umsatz des Online-Netzwerks stieg um 22 Prozent auf 21,2 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben 7,85 Milliarden Dollar Gewinn – in Plus von 29 Prozent. Managerin Sheryl Sandberg nannte als Beispiel eine Familienfirma, die Seifen aus eigener Herstellung sonst auf Wochenmärkten verkaufte. In der Pandemie nutze sie nun Facebook als Plattform und habe ihr Geschäft erweitert. Das Online-Netzwerk stützt darauf sein Argument, dass es in der Krise eine schützenswerte Rolle für die Wirtschaft spiele – und deshalb Datenschutz-Einschränkungen der Konjunktur schaden könnten.

Dank Online-Werbung schoss auch bei der Google-Mutter Alphabet der Gewinn um fast 60 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar in die Höhe, während die Erlöse um 14 Prozent auf 46,2 Milliarden Dollar wuchsen. Neben dem Anzeigengeschäft florierten die Werbeerlöse der Video-Tochter Youtube sowie das Cloud-Geschäft mit IT-Diensten im Internet.

Hingegen macht Apple nach wie vor einen Großteil seines Geschäfts mit dem Verkauf von Geräten. Doch die neue iPhone-Generation wurde nicht wie gewohnt im September, sondern erst einen Monat später vorgestellt. Das bedeutete für das Vierteljahr einen Gewinnrückgang um 7,4 Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar. Der iPhone-Umsatz sackte im Jahresvergleich um ein Fünftel auf rund 26,4 Milliarden Dollar ab. Weil aber iPads, Mac-Computer und Abos für Streaming und andere Dienste gut liefen, wuchsen die Erlöse des Konzerns insgesamt um ein Prozent auf 64,7 Milliarden Dollar.

Die erfolgreichen Tech-Riesen geraten allerdings auch im Heimatmarkt verstärkt ins Visier der Wettbewerbsbehörden. So hat das US-Justizministerium eine Klage gegen Google eingereicht. Der Konzern spiele seine Marktmacht bei der Internetsuche und damit verbundener Werbung auf verbotene Weise aus, so der Vorwurf.