Die kürzeste Serie

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 22. August 2020

Skispringen

Im polnischen Wisla beginnt und endet der Sommer-Grandprix der Skispringer im Corona-Jahr.

. Seit mehr als drei Jahrzehnten üben Skispringer ihren Sport auch im Sommer aus. Ihre alljährliche Wettbewerbsserie, der Grandprix auf bewässerten Kunststoffmatten, begann aus kleinsten Anfängen heraus in Hinterzarten, wurde zeitweilig fast schon zu einer Art Sommer-Weltcup ausgebaut – und findet im Corona-Jahr 2020 eine kuriose Fortsetzung. An diesem Wochenende beginnt die Sommerserie der Männer im polnischen Wisla, und genau dort endet sie dann auch gleich wieder.

Zwei Wettkämpfe stehen auf dem Programm auf der Adam-Malysz-Schanze, einer am Samstag und einer am Sonntag. Jeweils 999 Zuschauer sind erlaubt, die Skispringer sollen strikt von ihnen getrennt werden. Sie mussten sich nach einem Bericht der Wiener Zeitung vor der Einreise nach Polen auf Corona testen lassen. Auch die Teams untereinander sollen so wenig wie möglich miteinander in Kontakt kommen. 53 Skispringer haben nach Angaben der Organisatoren gemeldet, 46 Namen standen am Freitag auf der Trainingsliste, die Japaner verzichteten von vornherein auf den Flug nach Europa. Die Wiener Zeitung nannte Wisla ein "Versuchskaninchen" – womöglich stilbildend für die nahende Wintersaison. Das erste Kräftemessen in diesem Sommer wird deshalb gleich wieder das letzte sein, weil alle anderen Sommer-Standorte ihre Mattenwettkämpfe absagten: Klingenthal, Courchevel, Schuchinsk, Tschaikowski und zuletzt auch Hinzenbach. Die Frauen haben ihren ersten und einzigen Sommer-Grandprix bereits hinter sich. Er ging am vergangenen Wochenende im tschechischen Frenstat über die Bühne. Aus Deutschland reisten nach Angaben des Ski-Weltverbands (FIS) vier Skispringer nach Wisla: neben Moritz Bär (SF Gmund-Dürnbach) und Martin Hamann (SG Nickelhütte Aue) auch die beiden Schwarzwälder David Siegel aus Titisee-Neustadt und Luca Roth aus Hinterzarten. "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Trainingsstand", sagte der 20-jährige Roth zu Beginn der Woche der Badischen Zeitung. Der 23-jährige Siegel steigt nach anderthalb Jahren Wettkampfpause wieder ins Geschehen ein. Er hatte sich bei seinem Sturz im polnischen Zakopane im Januar 2019 komplexe Knieverletzungen zugezogen und konnte erst in diesem Frühjahr wieder ins Grundlagentraining einsteigen.

Der Traditionsstandort Hinterzarten fehlt 2020 ebenfalls im Sommer-Kalender, aber das ausnahmsweise nicht wegen Corona. Die Adlerschanze wird gegenwärtig umgebaut und umfassend modernisiert. Im Dezember sollen die ersten Trainingssprünge möglich sein, im Januar 2021 gehen dann schon die weltbesten Frauen beim Weltcup auf Schnee vom Bakken. Das Projekt ist ambitioniert. Der Architekt habe den Zeitplan allerdings in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats noch einmal bestätigt, sagte Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch der BZ: "Momentan können wir den Plan halten."